Verliert die Schweiz die Kultmarke Stewi?
Wer hats erfunden? Walter Steiner. Die Rede ist vom Stewi. Jeder Schweizer kennt ihn.
Er solle neuen Glanz erhalten, zwei Unternehmer wollen Stewi wiederbeleben, hieß es im Juni 2017.
Nun stellt sich heraus, die beiden Retter ziehen sich zurück. Vorher haben sie noch das Land und die Firmenliegenschaften verkauft.
Sie sähen sich „aus gesundheitlichen und altersbedingten Gründen“ nicht mehr in der Lage, das Unternehmen an einem neuen Standort weiterzuführen.
Zukunft der Mitarbeiter unklar
Wie die Zukunft der Mitarbeiter aussieht, ist unklar. Noch vor vier Jahren klang das ganz anders. Damals ließ sich einer der Retter, Lorenz Fäh zitieren, man wolle „die alten Arbeitsplätze in der Schweiz sichern und sogar noch neue zu schaffen“ (e)
Der Betrieb wurde nach 77 Jahren plötzlich eingestellt, anderslautenden Meldungen zufolge laufe er noch einige Zeit weiter bis Ende 2023. (d)
Das frühere Familienunternehmen war nach dem Tod des Gründers Steiner von seinen Erben im Jahr 2017 an Lorenz Fäh und Stephan Ebnöther verkauft worden.
Die beiden Marketingspezialisten klangen damals noch ganz anders. „Jetzt wacht die Firma wie nach einem Dornröschenkuß wieder auf“, so Ebnöther 2017.
Erfahrene Schweizer Unternehmer als Nachfolger für Stewi zu haben, sei ein Glücksfall für alle Mitarbeiter und Partner, wurde der Sprecher der bisherigen Eigentümerfamilie in der Mitteilung zitiert.

2021 brachten sie – sehr unschweizerisch – auf Denglisch eine neue Linie heraus namens „tomorrow“.
Studien zeigen, daß Denglisch meist ein Warnzeichen ist. Zum Beispiel gingen viel mehr Unternehmen des Neuen Markts in Deutschland pleite, die schwülstig-denglische Namen trugen als welche, die sich der deutschen Sprache bedienten.
Auch, wer von Finanzprodukten die Denglisch daherkommen die Finger läßt, hat meist sein Geld gerettet, wer in solche investiert geht übermäßig oft des Geldes verlustig.
So oder so: Die neue Linie, die einen herkömmlichen Wäscheständer brachte (Foto unten), war offenbar kein Hit.
Es gibt nun kein morgen mehr, kein tomorrow. Oder um es auf deutsch zu sagen: Stewi geht es an die Wäsche.

Land und Firmensitz verkauft und plötzlich alles anders
Schließlich verkaufen die beiden Eigentümer das Land mit dem alten Firmensitz in Winterthur. Und suchten nach einem neuen Standort in der Region. (b)
All das ist nun vorbei, ein neuer Standort wird nicht mehr gesucht. Wohin das Geld aus dem Verkauf von Land und Firmensitz floß ist unbekannt.
Nachdem gegenüber dem Landboten noch geäußert wurde, die Geschäfte laufen gut, nun alles anders.
Keystone / SDA meldet: „Traditionsfirma Stewi geht Konkurs“ (c)
Dies wird von den beiden Inhabern allerdings bestritten, die Gerüchte um einen Konkurs seien falsch. So oder so: Gut geht es Stewi wohl keinesfalls.
Neue Kräfte könnten „Elemente der Firma übernehmen und den bekannten Namen weiterleben lassen“, so die Inhaber.
Klingt ein bißchen nach ausgeschlachtet und weg.
Preisdruck und Corona-Maßnahmen schuld?
Offiziell heißt es allerdings ganz anders, Corona und Preisdruck seien schuld. Als ob während Corona keine Wäsche mehr gewaschen wurde und die Leute nicht zu hause waren um diese zum Trocknen aufzuhängen. Und als ob keine STEWIs mehr bestellt wurden weil die Leute während Corona soviel zuhause waren.
Der von allen Seiten einwirkende Preisdruck hätte die Entscheidung zur Geschäftsaufgabe „maßgeblich beeinflußt“. Dieser Druck wurde begleitet von Nachwehen der Corona-Pandemie.
Das mit dem Preisdruck widerspricht allerdings den Darstellungen welche die beiden Käufer von Stewi früher tätigten. Sie wollten eine Produkte im Premiumbereich ohne Plastik und Aluminium herausbringen. (siehe unten)
Bei Premium-Produkten geht es jedoch niemals um den Preis, eher im Gegenteil.
Trends erkannt aber sehenden Auges verpaßt
Vielleicht wäre ein Blick zurück ins Gestern sinnvoller gewesen als ein einfallsloses „tomorrow“. Aktuell ist Retro ein Trend und Holz ist auch ein absoluter Trend.
STEWI (STEiner WInterthur) wurde 1947 durch Walter Steiner Senior gegründet und die ersten Produkte wurden tatsächlich aus Holz und Hanfseilen hergestellt. Zwei heutige Megatrends, Hanf und Holz sowie Retro noch dazu.
Erst seit den 1960er-Jahren wurden die heute bekannten und verbreiteten Modelle von STEWI ausschließlich aus Aluminium und Kunststoff produziert. Plastik war in den 70ern und auch noch den 80ern schließlich auch der letzte Schrei und total in.
Heute sind es hochwertige natürliche Materialien, die in sind statt billiges Plastik oder Alu.
Weg vom Plastik, das verpaßte auch Tupperware, die bei Plastik blieben und nur wenig aus Glas anboten. Es kam das gleiche Schicksal wie bei Stewi. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit heißt es so schön im Marketing.
Pikant dabei ist, beim Schreiben dieser Zeilen wird durch kurze Recherche klar: Die beiden Marketingexperen hatten sogar haargenau das angekündigt, sie wollen die Marke Stewi entwickeln und eine gehobene Linie einführen, welche auf Aluminium und Kunststoff verzichtet. (a)
Eine Wäschespinne ist das, wie das genannt wird, was früher patentiert war. Die Patente dürften wohl ausgelaufen sein.
Auch neue Modelle wie zum Beispiel der „sehr gefragte“ Leifheit-Wäscheschirm wären vielleicht nicht schlecht gewesen.

Remo Maßat
Quellen, Weiterführendes
(a) https://archive.is/wip/bg2iO
(b) https://archive.is/wip/ngs9R
www.swissinfo.ch/ger/wirtschaft/waeschestaender–stewi—schweizer-kultobjekt-steht-vor-dem-letzten-einklappen/48628824
(c) https://archive.is/wip/Uz6zR
(d) https://archive.is/wip/D1EEx
(e) https://archive.is/wip/JeXH0