Schweizer Nachrichtenagentur SDA gibt deutschsprachigen Auslandsdienst an DPA ab
Der Kahlschlag geht weiter:
2020 beginnt für die mit einem medienpolitischen Paukenschlag.
Die Schweizer Nachrichtenagentur SDA gibt ihren deutschsprachigen Auslandsdienst im Rahmen von Sparmaßnahmen vollständig an die deutsche DPA ab.
Anfang Januar 2018 gab die SDA bereits bekannt, daß mit einem Abbau von 35 bis 40 Stellen zu rechnen sei.
Hiermit spürte wohl auch die SDA, daß sich mit Wiederkäuen von Regierungsmeldungen etc. kein Geschäft wie früher mehr machen ließ.
Es folgten weitere Auflösungserscheinungen wie der Tausch von 50% Anteilen der Bildagentur Keystone (die SDA besaß bereits die anderen 50%) mit der österreichischen Nachrichten-Agentur ATS, die nun 30% an Keystone-SDA erhielt.
Somit ist die SDA schon seit 2018 nicht mehr unabhängig.
Offene Fragen
Es stellt sich auch bei der SDA bzw. Keystone-SDA die gleiche Frage wie bei den Alt-Medien, deren Auflagen laufend sinken.
Wie kommt es, daß ihre Angebote nicht mehr gefragt sind?
Und daß immer mehr Alt-Medien zu Gemischtwaren-Läden werden, die sich an Inserateportalen etc. beteiligen oder Immobilienportale etc. aufkaufen.
Auch die SDA ging ja mit der Übernahme der Bildagentur Keystone diesen Weg.
Weg hin vom herkömmlichen Geschäft.
Zudem fragt sich, ob der Weg aufgeht, das Kerngeschäft zu verlassen und in Richtung „Gemischtwarenladen“ zu gehen.
Digitalisierung verpaßt?
Erst am 1. Januar 2018 führte Keystone-SDA ein neues Tarifsystem «Total Audience 1.0» ein, welches dem Internet Rechnung tragen sollte.
Bzw. der Tatsache, daß die Papierpublikationen Jahr für Jahr sinken, Rechnung getragen werden sollte.
Und somit nicht mehr nur die Printauflage zur Abrechnung bzw. Hauptnutzung gesehen wird.
Somit gab es für die gesamte Reichweite einen Tarif.
Denn mit der Abrechnung auf der Basis der gedruckten Auflagenn ohne Berücksichtigung der digitalen „Auflagen“ (Klicks, Seitenbesucher etc.) verlor die SDA immer mehr Einnahmen.
Nachrichtenangentur offenbar ohne Nachricht in eigener Sache
Bezeichnend ist, daß eine Nachrichtenagentur zur Abgabe der deutschsprachigen Berichterstattung auf ihrer Webseite keine Meldung veröffentlicht hat.
Wohlgemerkt als Nachrichtenagentur.
Man erfährt den erneuten Einschnitt und die erneute Abgabe von Unabhängigkeit nur durch den Mediendienst Kleinreport. Und auch dieser erfuhr es nur über Umwege:
«Es ist richtig, daß der deutschsprachige Auslanddienst ausgelagert wird – der Verwaltungsrat hat diesem Vorhaben zugestimmt», sagte Iso Rechsteiner, Kommunikationsbeauftragter von Keystone-SDA, gegenüber dem Klein Report. Damit bestätigte er einen Tweet von «Inside SDA/ATS».“

Tiefere Einordnung
Das Medien- Forschungs- und Informationsprojekt zu geopolitischer Propaganda in Schweizer und internationalen Medien, „Swiss Propaganda Research “ (SPR) ordnet die nun vollzogene aktuelle Übergabe des deutschsprachigen Auslandsdienstes der SDA (Schweizer Depeschenagentur) an die DPA (Deutsche Presse-Agentur) ein.
Die komplette Auslagerung an die DPA stellt tatsächlich eine neue Qualität der medienpolitischen Abhängigkeit dar, so SPR, und weiter:
Diese Entwicklung ist auch aus historischer Sicht signifikant, denn mit der Gründung der SDA 1894 sollte insbesondere sichergestellt werden, daß die Schweizer Presse bei internationalen Konflikten nicht mehr von der allgegenwärtigen Großmächte-Propaganda abhängig ist.