Konzentration im Schweizer Inserate-Market wird forciert: Herzlich willkommen im Reich der „Swiss Marketplace Group AG“

Konzentration im Schweizer Inserate-Market wird forciert: Herzlich willkommen im Reich der „Swiss Marketplace Group AG“

Der hier Schreibende kennt als früherer Gesellschafter und Gründer einer Internetfirma noch die Zeiten, als Tutti startete. Und Internetplattform-Betreiber anschrieb wegen Linktausch.

Das lief so: Du verlinkst uns und bringst uns bei den Suchmaschinen nach oben und machst uns bekannter und wir machen das Gleiche. Damals nützlich für beide Parteien

Wer über Jahre nicht bloß die Entwicklung von Tutti.ch verfolgte sondern auch die der anderen Digitalmarktplätze in der Schweiz beobachtete, der stellte hier verschiedene Aufkaufs- und Marktkonzentrations-Strategien fest.

Tamedia AG, die heutige TX-Gruppe, kaufte über Jahre Immobilienportale auf.

Nicht etwa, um sie zu führen.
Sondern um sie zu löschen.
So z. B. geschehen mit Immopool.ch.

Auch Domains kaufte Tamedia auf.

Nicht etwa, um sie mit Inhalten zu bestücken und zu führen.
Sondern um sie für andere zu blockieren und leer zu lassen oder einfach bloß auf Homegate.ch, das Immobilienportal von Tamedia umzuleiten.

So geschehen etwa mit MöblierteZimmer.ch

Die Strategie dahinter ist einfach: Möglichst wenig andere Möglichkeiten für Immobilieninserate und schon gar keine der verhaßten kostenlosen Immoportale.  Um so höhere Preise am Markt durchsetzen zu können und die Rendite maximieren zu können.

Marktangebot runter, Preise rauf.

Ähnlich beim Konkurrenten bzw. früheren Konkurrenten Immoscout24.ch. Die kauften z. B. alleImmobilien.ch auf, ein erfolgreiches Gratis-Immobilienportal.

Daß dies die Strategie ist, ist für Marketingleute offensichtlich. Und auch das Portal um den Journalisten Lukas Hässig, IP, berichtet aktuell mehrfach über das Geschehen, das gegenwärtig im Kasse-machen mündet.

Denn inzwischen vereinigten Ringier und TX auch ihre anderen Inserate. Anibis.ch, die große Alternative zu Tutti.ch sieht inzwischen optisch und im Aufbau völlig gleich aus wie Tutti und somit dürfte Anibis bald verschwinden.

Der Hintergrund

Ende August 2021 gaben TX und Scout24 Schweiz bekannt ihre Digital-Marktplätze in ein gemeinsames Unternehmen einzubringen.
Bald dürfte wohl auch Tutti verschwinden und man wird auf Ricardo.ch für alles zahlen müssen. Basta mit Gratis-Inseraten.

TX brachte Ricardo.ch, tutti.ch, Homegate.ch und Carforyou.ch ein, Scout24 Schweiz ihre Plattformen ImmoScout24, AutoScout24, MotoScout24, FinanceScout24 und anibis.ch.

An dem neuen Unternehmen hatTX Group AG 31 Prozent, Ringier und die Mobiliar als bisherige gemeinsame Eigentümer von Scout24 Schweiz jeweils 29,5 Prozent und die Heuschrecke „General Atlantic“ 10 Prozent.

Die vier Aktionäre verfügen abweichend von den Anteilen allerdings über jeweils 25 Prozent der Stimmrechte. Die Heuschrecke, die nur 10% der Anteile hat hat also auch 25% Stimmen mit dem mickrigen 10%-Anteil.

Ein Fall für den Preisüberwacher?

Durch die Zusammenlegung der Konkurrenzportale entstand eines der oder vielliecht sogar das größte Digitalunternehmen der Schweiz, die „Swiss Marketplace Group AG“. Jedenfalls sicher führend in den Bereichen Immobilien, Fahrzeuge, Finanzdienstleistungen und allgemeine Inserate.

Das neue Monstrum tritt natürlich nach außen nicht als gewinnmaximierendes Monstrum auf, sondern als Digitalförderer, als „digital hub“, der angeblich dem Schweizer Markt etwas Gutes tue und Digitalinnovationen födere.

Die Inserenten, die aktuell mehr und mehr zur Kasse gebeten werden dürften dies anders sehen.

Wer verkaufen will kommt jedenfalls schon heute am neuen Moloch nicht mehr vorbei, dem die Marktvielfalt bzw. ein funktionierender Markt mit mehreren konkurrierenden Anbietern geopfert wurde.

Erstaunlich, daß hier der Preisüberwacher nicht eingriff und nicht eingreift.

Remo Maßat

admin

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