„Washington Post“-Artikel: „Letzte Chance der Ukraine“

„Washington Post“-Artikel: „Letzte Chance der Ukraine“

Ist der blutige Ukraine-Krieg bald vorbei?
Ein US-Professor schreibt davon.

Graham Allison, „Douglas Dillon professor of government“ an der Harvard-Universität, macht im Sprachrohr der us-amerikanischen Demokraten, der Publikation „Whashington Post“ einige brisante Bemerkungen zum Ukraine-Krieg. Er beschreibt die Ukraine bzw. zukünftige Westukraine als ein neues Westdeutschland oder Südkorea und spricht davon, daß wenn die Ukraine nun nicht vorankomme, daß die Waffenlieferungen eingestellt werden würden und die Ukraine (von den USA) zu Friedensverhandlungen gezwungen werden würde.

Der Artikel wurde zwar am 26. Juni publiziert aber offenbar verfaßt als noch unklar war, was es mit dem Aufstand oder – je nach Ansicht – vermeintlichen Aufstand von Prigoschin auf sich hat.

Diesen sieht der Harvard-Professor als letzte Chance für die Ukraine, wörtlich:

„Der außergewöhnliche Putschversuch eines russischen Söldnerführers bietet der Ukraine eine unerwartete Gelegenheit, alle Vorteile, die sie in ihrem Krieg mit Moskau hat, zu nutzen. Wenn sie diese Chance nicht ergreift und den Stillstand, der das Schlachtfeld in der Ostukraine beherrscht, durchbricht, werden wir ein ganz anderes Kapitel in diesem Konflikt beginnen.“

Weiter beklagt Graham:

„Bislang konnten die ukrainischen Angreifer jede Woche weniger als 50 Quadratkilometer zurückerobern.

Um die Sache ins rechte Licht zu rücken: Rußland kontrolliert heute etwa 17 Prozent des ehemals ukrainischen Territoriums. Wenn die ukrainischen Streitkräfte in den kommenden Wochen nicht erfolgreicher sind als bisher, wird die Ukraine in den nächsten 16 Jahren nicht ihr gesamtes Territorium zurückerobern.“

Der Autor zitiert auch Äußerungen des US-Verteidigungsministers, welcher sich schwer enttäuscht von der ukrainischen Gegenoffensive zeigte:

„Wie Verteidigungsminister Lloyd Austin einräumte, hatten die Amerikaner, die die ukrainischen Streitkräfte für diesen Feldzug bewaffnet und ausgebildet haben, auf einen „überwältigenden Erfolg“ gehofft. Warum die Ukraine nicht effektiver gewesen ist, bleibt unklar. Auch hat noch niemand erklärt, warum die Ukraine so lange mit ihrem Angriff gewartet hat.“

Dann vergleicht der Professor Krieg mit einem Spiel im Sport, Zitat:

„Die Geschichte erinnert uns daran, daß Kriege von vielen ungewissen Faktoren abhängen. Ihre Ergebnisse sind ebenso wenig vorherbestimmt wie die Ergebnisse der NBA-Meisterschaft oder der Fußballweltmeisterschaft.“

Graham: Wenn Ukraine nicht vorwärts-kommt, keine weitere Unterstützung mehr

Schließlich äußert sich der Harvard-Dozent auch zu der Militärhilfe für die Ukraine:

„Wenn die ukrainischen Streitkräfte jedoch den ganzen Sommer über festgefahren bleiben, sollten wir davon ausgehen, daß die politische Dimension dieses Krieges die Ereignisse bestimmen wird. Viele Unterstützer der Ukraine in Europa und sogar in den Vereinigten Staaten werden sich dem Chor des globalen Südens anschließen, der beide Seiten auffordert, das Töten zu beenden und ernsthafte Verhandlungen über einen Waffenstillstand aufzunehmen.“

Professor: Ende der Waffenlieferungen und Friedensverhandlungen

Dazu, wie ein Stopp der Waffenlieferungen und Friedensverhandlungen anschließend den Wählern verkauft werden soll, äußert Graham sich ebenfalls, Zitat:

„Sollte es zu einer Einigung oder sogar zu einem De-facto-Waffenstillstand kommen, werden alle Parteien den „Sieg“ über das Erreichte verkünden und ihr Bestes tun, um diese Geschichte ihren wichtigsten Wählern zu verkaufen. Sollte dies geschehen, wird die Welt das Ende der Kämpfe feiern und dies als „Frieden“ bezeichnen.

Jede Ähnlichkeit zwischen dieser Möglichkeit und dem, „was im Konflikt zwischen Rußland und der Ukraine von 2016 bis 2022 geschah, sei nicht zufällig„, so Graham, der dazu ausführt:

„Im Jahr 2014 eroberte Putin die Krim und marschierte in den Donbaß ein. Im darauffolgenden Jahr kam es zu heftigen Kämpfen, die dann rapide abnahmen, da beide Seiten nicht mehr vorankamen.
In den folgenden sechs Jahren standen sich die Truppen durch eine Reihe von Waffenstillständen und Verhandlungen entlang einer Kontrolllinie gegenüber, die das Verteidigungsministerium als „Konflikt niedriger Intensität“ bezeichnet. In dieser Zeit wurden wöchentlich weniger Kämpfer getötet als die Zahl der Amerikaner, die von ihren Mitbürgern in Chicago ermordet wurden.“

West-Ukraine als neues Westdeutschland oder Südkorea

Am Schluß lobt er noch Zelenskyj (deutsche Schreibweise meist Selenski) und sieht die zukünftige Westukraine als ein neues Westdeutschland oder Südkorea:

„Der Mut und das Durchhaltevermögen von Zelenskyj und seinen ukrainischen Kollegen bei der Abwehr des russischen Versuchs, ihr Land von der Landkarte zu tilgen, hat alle Erwartungen übertroffen. Wenn sie beim Wiederaufbau ihres Landes ebenso erfolgreich sind, könnte die Ukraine zu einem Westdeutschland oder Südkorea des 21. Jahrhunderts werden.“

admin

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