Trotz stark steigender Einwohnerzahl: So wenige Inhaftierte in der Schweiz wie seit 2011 nicht mehr

Trotz stark steigender Einwohnerzahl: So wenige Inhaftierte in der Schweiz wie seit 2011 nicht mehr

Und trotz stark steigender Einwohnerzahl sinken die Inhaftierten.

Das vor über einem Jahrzehnt eingeführte neue Strafrecht der Schweiz setzt darauf, weniger Haftstrafen auszusprechen, sondern setzt mehr auf Resozialisierung und (oft bedingte) Geldstrafen.

Am 31. Januar 2021 waren in der Schweiz 6316 Personen inhaftiert. Das sind 8,4% weniger als am gleichen Stichtag 2020, teilt das Bundesamt für Statistik in Neuenburg mit.

Die Mehrheit der Inhaftierten (65%) befand sich im Straf- oder Maßnahmenvollzug, einschließlich vorzeitigem Strafantritt, 1986 (31%) saßen in Untersuchungs- oder Sicherheitshaft und 235 (4%) waren aus anderen Gründen inhaftiert. Pro 100 000 Einwohner waren 73 Personen inhaftiert. Dies geht aus der Erhebung zum Freiheitsentzug des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor.

Von den insgesamt 7397 Haftplätzen in den 92 Justizvollzugseinrichtungen waren 85,4% belegt. Obwohl die Zahl der Justizvollzugseinrichtungen zwischen 2020 und 2021 zurückgegangen ist, hat ihre Gesamtkapazität um 24 Haftplätze zugenommen.

Zentralisierung und Konzentration: Der Trend ist, daß kleinere Anstalten zugunsten von größeren Anstalten mit mehr Haftplätzen geschlossen werden.

Insassenbestand in der Untersuchungs- und Sicherheitshaft nimmt leicht zu

Am Stichtag befanden sich 1986 Personen in Sicherheits- oder Untersuchungshaft. Das sind 4,4% mehr als am 31. Januar 2020.

Bei der Mehrheit dieser 1986 Personen handelte es sich um Männer (92,7%). Mehr als drei Viertel waren älter als 24 Jahre (76,4%).

Demgegenüber gingen die Insaßenbestände der anderen Inhaftierungsarten zwischen Ende Januar 2020 und Ende Januar 2021 alle zurück: beim Straf- und Maßnahmenvollzug, einschließlich vorzeitigem Strafantritt, um 10% und bei den Zwangsmaßnahmen gemäß Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) um 57%.

Weniger Inhaftierungen und Hafttage im Jahr 2020

Die Zahl der Hafttage ist 2020 gegenüber dem Vorjahr um 8% zurückgegangen. Am stärksten abgenommen hat bei den Haftarten der Anteil der Personen im Vollzug von Zwangsmaßnahmen gemäß AIG mit einem Rückgang von 36,4%.

Wird die Gesamtzahl der Hafttage durch die Anzahl Kalendertage eines Jahrs geteilt, erhält man die durchschnittliche Anzahl Inhaftierte pro Tag. Im Jahr 2020 waren durchschnittlich 6277 Personen pro Tag inhaftiert, gegenüber 6845 im Jahr 2019. Die Gesamtzahl der Inhaftierungen ist zwischen 2019 und 2020 von 47 588 auf 41 224 gesunken (–13,4%).

Hintergrund

Hinter den Änderungen des Strafrechts von 2007 stand die Überlegung, man solle in die Gesellschaft integrierte Personen nicht wegen verhältnismäßig milder Delikte aus ihrem gewohnten Umfeld reißen und in Haft bringen.

Denn dann würden sie nur ihre Arbeitsstelle verlieren und möglicherweise ein kriminelles Selbstbild entwickeln und weitere Straftaten begehen.
Ab 2007 mußte eine Freiheitsstrafe in der Folge mindestens sechs Monate lang sein. Für eine kürzere Dauer war nur die Geldstrafe vorgesehen. Teilweise wurden diese milden Regelungen aufgrund Kritik aber wieder verschärft.

Mehr zum Thema: https://www.strafrechtskanzlei.ch/single-post/2018/01/09/neues-sanktionenrecht-im-strafrecht

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