Roger Köppel, Weltwoche, zur Ukraine und der EU-Osterweiterung
Der Weltwoche-Herausgeber äußert sich aktuell zur Nato-Osterweiterung:
„Ich kann allerdings dem Westen große Vorwürfe nicht ersparen. Unter Führung der Amerikaner wurde nach dem Fall der Berliner Mauer die große Chance verpaßt, Rußland zu einem Verbündeten zu machen. Die Kommunisten waren weg, Putin strebte nach Westen, doch die Amerikaner, die Nato und die EU dehnten ihre Macht, ohne die Russen einzubeziehen, immer weiter nach Osten aus.
War es ein Plan? Oder Leichtsinn? Vielleicht beides. Die Russen jedenfalls fühlen sich nicht ernst genommen und schlagen jetzt mit voller Kraft zurück. Gewaltsam holen sie sich die Nato-freie Pufferzone, die man ihnen auf dem Verhandlungsweg nicht zugestehen wollte.“ schreibt Roger Köppel aktuell in der Weltwoche.
Wer die Herzland-Theorie (Heartland-Theorie) kennt, der weiß, es war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Leichtsinn, sondern Absicht. Sie ist sogar im umstrittenen Plattform Wikipedia beschrieben. Und wird auch von Qualitäts-Journalisten behandelt, etwa im Buch von Paul Schreyer und Matthias Bröckers.
Köppel: Warnende Stimmen überhört
„Es gab warnende Stimmen auch im Westen, von Anfang an„, so Köppel weiter, und: „Am berühmtesten ist die Kritik des großen amerikanischen Diplomaten George F. Kennan, der 1997 die Nato-Ostausweitung als den „verhängnisvollsten Fehler“ der US-Außenpolitik seit dem Mauerfall bezeichnete. Ihn unterstützten in einem offenen Brief an Präsident Clinton über 40 namhafte US-Politiker, Militärs und Diplomaten.“
Kennans Worte waren leider visionär, so Köppel: „Die amerikanische Machtausdehnung bis an die Grenzen Rußlands lässt erwarten, dass die nationalistischen, antiwestlichen und militaristischen Tendenzen in der Meinung Russlands entzündet werden, daß sie einen schädlichen Einfluß auf die Entwicklung der Demokratie in Rußland haben, daß sie die Atmosphäre des Kalten Krieges in den Beziehungen zwischen Osten und Westen wiederherstellen und die russische Aussenpolitik in Richtungen zwingen, die uns entschieden mißfallen werden.“
Köppel zu Trump / Putin:
„Der frühere US-Präsident Donald Trump hatte die Gefahren klar erkannt. Deshalb mahnte er die Nato-Staaten, ihre Rüstung endlich hochzufahren. Gleichzeitig bemühte er sich um gute Beziehungen zu Putin. Die Medien verhöhnten, verketzterten ihn. Seine eigene Partei fiel ihm in den Rücken. Doch Trump lag richtig. Auch die Amerikaner brauchen starke Verbündete. Jetzt sind sie ziemlich allein.“
Die Sanktionen gegen Rußland seien ein Fehler, die Schweiz dürfe keinesfalls Partei ergreifen, geht Köppel mit der Grosjean von der TdG einig.
https://weltwoche.ch/daily/die-geopolitische-erdachse-verschiebt-sich-der-militaerisch-impotente-westen-ist-der-grosse-verlierer-im-neuen-kalten-krieg-gegen-russland-und-china-zu-lange-hat-man-die-interessen-russlands-ignorie/?utm_source=ActiveCampaign&utm_medium=email&utm_content=RSS%3AITEM%3ASUMMARY&utm_campaign=Weltwoche+LIVE+Sonntag