Prof. Dr. med. Pietro Vernazza: „Covid-19: Zeit, die Strategie zu überprüfen“
Prof. Dr. med. Pietro Vernazza, Chefarzt der Infektiologie am Kantonsspital St. Gallen, an dem er seit 1985 tätig ist, äußert sich auf der Webpräsenz der Abteilung der Klinik für Infektiologie/Spitalhygiene zur Corona-Strategie, die nach seiner Auffassung überprüft werden müsse.
Die Strategie des Einschließens sei unrealistisch.
Der Beitrag erschien als Gastbeitrag im St. Galler Tagblatt der CH-Media-Gruppe.
Prof. Dr. Vernazza führt aus, daß von „Stoppen keine Rede mehr sein kann“ im Zusammenhang mit dem Covid19- / Corona-Virus, Zitat:
„Dennoch müssen wir nun auch europaweit erkennen, daß die Strategie längerfristig kaum aufrechtzuerhalten ist. Das Ziel des „Einschließens“ wir unrealistisch. Das Virus ist in allen Ländern verbreitet. Von Stoppen kann keine Rede mehr sein. Mit den Wintermonaten werden die Zahlen weiter ansteigen.
Weiter schreibt er, daß die Massen-PCR-Tests, die extreme Kosten in Milliardenhöhe verursachen nicht zielführend seien, was er wiefolgt begründet:
„Im Gegensatz zu SARS und Ebola wird Covid-19 in rund der Hälfte der Fälle von symptomlosen* Personen übertragen. Es ist deshalb an der Zeit, einen Strategiewechsel zu prüfen. Denn der Aufwand für die Containment-Strategie wächst ins Unermeßliche. Alleine die Testungen würden uns in sechs Monaten über eine Milliarde Franken kosten. Die Quarantäne-Maßnahmen werden Arbeitsausfällen im Gegenwert von mehreren Milliarden Franken verursachen. Sie sind nicht wirtschaftlich und – schlimmer noch – sie sind nicht wirksam. Von allen Reiserückkehrern in der Quarantäne bleiben über 99 Prozent ohne Erkrankung. Ein ineffizienter Ressourcenverschleiß.“
Doch Vernazza kritisiert nicht bloß, sondern schreibt auch, was seiner Ansicht nach die Lösung ist und begründet dies:
Ein Verzicht auf die Aufrechterhaltung der Containment-Strategie bedeutet: Keine umfangreiche Testung und keine großangelegten Quarantänemaßnahmen mehr – dies zugunsten der neuen Strategie der Abschwächung („Mitigation“). Das heißt, wir wollen nicht mehr jede Infektion verhindern, sondern wir wollen die Häufigkeit der Infektionen reduzieren. Denn letztendlich geht es immer noch um das Ziel, die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Das ist durchaus möglich. Wenn wir kranke Personen zu Hause isolieren für die Zeit, in der sie Symptome zeigen, dann können wir rund die Hälfte aller Infektionen verhindern. Ein Test ist nur sinnvoll bei Personen, die so krank sind, daß sie hospitalisiert werden müssen.“
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