Kritik von Europol an Waffenlieferungen an Ukraine: N-TV macht (eigenen) Artikel unlesbar für Leser, die von RT kommen, ändert URL
Normalerweise freut man sich als Redaktion / als Journalist über Verlinkungen im Internet auf eigene Artikel. Allerdings nicht immer freuen sich alle, es gibt Ausnahmen.
Einige westliche Medien zählen wohl zu diesen Ausnahmen.
Und freuen sich offenbar ganz besonders dann nicht, wenn der „Applaus“ für die Berichterstattung in Form einer Verlinkung von der „falschen Seite“ kommt.
Wer nicht will, daß in seinen Artikeln oder anderen Beiträgen im Internet plötzlich relevante Verlinkungen fehlen und nicht mehr eingesehen werden können, der nutzt mit Vorteil Dienste wie Archive.is (oder auch Archive.org). Und verlinkt nicht nur bei manchen Medien lieber nicht auf die Originalquellen, sondern auch oder ausschließlich auf die Sicherungs-Links.
Letzteres hat nicht bloß den Vorteil, daß man Medien, welche in punkto der Qualität insgesamt fragwürdige Plattformen nicht noch durch Links unterstützt. Sondern vor allen Dingen den Vorteil, daß nicht plötzlich Sachen plötzlich abgeändert und manipuliert sind. Oder sogar gänzlich verschwunden sind. Oder – wie im vorliegenden Fall – einfach eine URL gebrochen ist und der Artikel unter der geänderten ursprünglichen URL einfach nicht mehr verfügbar ist.
Viele gute Gründe also für die Verwendung von Archivierungsportalen wie Archive.is etc.
Eine Praxis, welche von SchweizerZeitung seitdem immer mehr zensuriert wird im westlichen Internet, vollzogen wird bei Verweisen auf Quellen, die gerne auch mal nachträglich Artikel löschen oder abändern.
Statt Löschung eines Artikels gibt es somit also auch die Variante, daß man die URL künstlich so abändert, sodaß der Artikel nicht mehr erreichbar ist in Beiträgen, die auf ihn verwiesen haben.
Die Leser des URL-abändernden Mediums merken es nicht (sofern sie nicht auch den Artikel verlinkt haben), denn dort ist augenscheinlich ist der Artikel weiterhin zu sehen.
Bemerkbar ist dies nur für Leute, die von der Drittquelle kommen, von dort auf den Artikel gelangen. Dort landen Sie dann auf einer leeren Seite weil die URL nicht mehr funktioniert. Und können folglich den Bericht nicht (mehr) lesen.
Ein aktuelles Beispiel für eine solche Praktik
Ein aktuelles Beispiel für eine solche Praktik liefert wohl das deutsche Nachrichtenportal N-TV.
Die Leser der Plattform RT könnten sich bestätigt fühlen, wäre der Verweis auf die unverdächtige und vor allen Dingen westliche Quelle noch vorhanden. Könnten. Jedoch:
Plötzlich scheint ein Artikel auf N-TV, einem regierungstreu berichtendem deutschen Medium und TV-Sender, verschwunden.
Ein Bericht zu Waffenlieferungen an die Ukraine mit einer Wiedergabe der Kritik von Europol an diesen umstrittenen Waffenlieferungen ist unter seiner URL nicht mehr erreichbar.
Dies, nachdem der staatliche Sender RT aus Rußland den Bericht verlinkte.
Aber hoppla, pikant: Der Artikel ist offenbar gar nicht weg, über die us-amerikanische Suchmaschine Google findet man ihn.
Warum wurde die URL (die Internetadresse) des Artikels geändert, fragt sich?
Alles ein Zufall? Oder sind westliche Medien vereinzelt inzwischen sogar soweit, daß sie, wenn Artikel wie im vorliegenden Fall vonseiten des russischen Senders RT verlinkt werden, verändert werden, so daß sie von dort aus nicht mehr auffindbar sind?
Dies fragt sich insbesondere weil bei allen heute eingesetzten Programmierungen / Redaktionssystemen die ursprünglichen Artikel-URLs nicht ins Leere führen, sondern umgeleitet werden wenn ein Redaktor die usprüngliche URL (Internetadresse) ändert.
In solchen Fällen wird einfach die alte URL auf die neue weitergeleitet, aber die alte URL wird nicht ins Leere führen. Normalerweise. Anders bei N-TV.de:

Der ursprünglich publizierte Artikel ist nur noch über die nach europäischem Recht verbotene US-Internet-Archivdienst „Waybackmachine“ zu finden, welcher durch eine US-Universität betrieben wird.
Leser, die von de.RT.com kommen haben nun nicht mehr die Möglichkeit, den Artikel zu lesen, siehe Bildschirmfoto-Beleg oben.
Unter anderer Internetadresse (URL) ist der Artikel jedoch für die Leser, die N-TV nutzen, noch vorhanden.
Nur unter anderer URL: n-tv.de/politik/Europol-sorgt-sich-um-in-die-Ukraine-gelieferte-Waffen-article23361661.html
(Sicherung: https://archive.ph/wip/LcwMd)

Hoffentlich verlinkt nicht noch eine weitere prominente und leserstarke Plattform, z. B. das Portal von Thomas Röper den besagten N-TV-Artikel. Dann müßten sie ja die URL schon wieder ändern.
Apropos Löschungen etc.
Auch der umstrittene ukrainische Botschafter in Deutschland hat etwas zu Waffenlieferungen an die Ukraine eliminiert, wobei unklar ist, warum.
Statt des urprünglichen Twitter-Beitrags erscheint bloß noch eine leere Seite unter dem Link: https://twitter.com/MelnykAndrij/status/1528065871205306368%20%20


Remo Maßat