Konzessionskrieg im Seeland: TeleBielingue / Gassmann Media / Fredy Bayard kämpfen gegen Neuling

Der Kampf um die Fernsehkonzession in der zweisprachigen Stadt Biel/Bienne eskaliert weiter. Seit Jahren der einzige zweisprachige Regional-TV-Sender der Region, TeleBielingue, sieht sich einer existenziellen Bedrohung gegenüber. Diese hat das TV durch geizige Eingaben bei der Konzessionsgesuch selbst verschuldet. Auch in weiterer Instanz kam das UVEK zum Schluß, daß die Konzession besser bei Neuling Canal B aufgehoben ist. 

Das UVEK dazu: „Gemäß Radio- und Fernsehgesetz wird bei gleichwertigen Bewerbungen jene bevorzugt, welche die Meinungs- und Angebotsvielfalt im Versorgungsgebiet am stärksten bereichert. Das UVEK kommt zum Schluss, dass Canal B die Medienvielfalt in der Region stärker bereichert als TeleBielingue. Canal B ist strukturell unabhängiger – TeleBielingue gehört zur Gassmann-Gruppe – und schneidet auch bei den inhaltlichen Kriterien wie Vielfalt der Themen und Meinungen sowie der Akteurinnen und Akteure und der Sendeformate leicht besser ab.“ ]24]

Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) und das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) haben die Konzession für das Zeitfenster 2025 bis 2034 dem Neukommenden Canal B zugesprochen. Doch TeleBielingue, betrieben von der Gassmann Media AG, hat Rekurs eingelegt – und der Streit um Bilingualismus, Medienvielfalt und wirtschaftliche Unabhängigkeit tobt sich in Gerichtssälen und Medien aus. Hinter den Kulissen agiert Fredy Bayard, maßgeblicher Eigentümer der Gassmann-Gruppe, als strategischer Spieler, der den Kampf mit finanziellem und politischem Gewicht unterstützt. Während Canal B seine Truppe aufstellt, sichert sich Gassmann durch Akquisitionen neue Pufferzonen. Ein Überblick über den hitzigen „Konzessionskrieg“, der die Schweizer Medienlandschaft aufmischt.

Der Ausgangspunkt: Zweisprachigkeit als Streitpunkt

TeleBielingue sendet seit 1999 als einziges zweisprachiges Regionalfernsehen im bilingualen Gebiet Biel/Bienne. Mit Sendungen auf Deutsch und Französisch deckt der Sender lokale Themen ab – von Stadtfesten bis zu politischen Debatten – und erreicht jährlich hunderttausende Zuschauer.

Die Konzession, die Ende 2024 auslief, wurde im Januar 2024 erstmals an Canal B vergeben, eine Neugründung der Canal Alpha Plus SA aus dem Jura. Begründung des UVEK: Canal B biete frische Inhalte, bessere Abdeckung und strukturelle Unabhängigkeit [1].

TeleBielingue sah darin einen „Affront gegen die Zweisprachigkeit“ und legte sofort Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht (BVG) ein [2]. Der Sender argumentierte, daß seine langjährige Präsenz und kulturelle Verankerung unterschätzt würden, während Canal B – trotz Beteiligung lokaler Partner – zu sehr auf französischsprachige Strukturen ausgerichtet sei.

Der Konflikt spiegelt tiefere Spannungen wider: In einer Zeit sinkender Werbeeinnahmen und zunehmender Digitalisierung kämpfen regionale Sender um Subventionen und Zuschauer. Biel als „Tor zum Jura“ und wirtschaftliches Zentrum des Seelands macht die Konzession zu einem strategischen Preis. Gassmann Media, Eigentümerin von TeleBielingue, betont: „Wir sind nicht nur ein Sender, sondern ein Garant für die kulturelle Identität der Region“ [3].

Hier spielt Fredy Bayard eine zentrale Rolle: Als Mitbesitzer der Gassmann-Gruppe seit dem Kauf der Bieler Mediengruppe 2020 investiert der Walliser Unternehmer gezielt in regionale Medien und sichert den Rekurs mit seinen Ressourcen [4]. Canal B kontert mit Versprechen von innovativen Formaten und breiterer Reichweite [5].

Schon bei Übernahme der Mengis-Medien im Wallis kaufte er das Radio auf, um die Millionen-Subventionen zugunsten von Pomona zu kassieren, wie er in der NZZ darlegte. [23] Nun das gleiche Spiel im Seeland.

Das erste Urteil: Etappensieg für TeleBielingue

Im Dezember 2024 fiel das erste Meilenstein-Urteil: Das BVG hob die Konzessionsvergabe teilweise auf. Die Bewerbungen von TeleBielingue und Canal B seien „weitgehend gleichwertig“ – mit einer Punktedifferenz von nur 1,67 Prozent [6]. Das Gericht kritisierte die Bewertungsmethodik des UVEK, insbesondere bei Kriterien wie Ausbildungsquoten, Weiterbildung und der Abdeckung des Informationsauftrags. „Die Bewerbungen müssen neu geprüft werden“, hieß es in der Entscheidung, die Mängel in der Transparenz und Objektivität anprangerte [7].

Als Übergangslösung erhielt TeleBielingue eine Konzession für fünf Monate ab Januar 2025, später verlängert bis Ende des Jahres [8].

Dieser Etappensieg wurde als „Wendepunkt“ gefeiert. „Es zeigt, dass der Bundesstaat den Bilingualismus ernst nimmt“, kommentierte Fredy Bayard, der den Entscheid als Bestätigung für Gassmanns Engagement sah [9]. Canal B, das bereits in den Startlöchern stand, musste zurückrudern – doch der Gründer Marcello Del Zio betonte: „Wir gehen ein grosses finanzielles Risiko ein, aber für die Region lohnt es sich“ [2].

Das Urteil unterstrich auch systemische Probleme: Unvollständige Bewerbungsunterlagen und subjektive Bewertungen machen Konzessionsverfahren zu einer Lotterie [10].

Die zweite Runde: Erneute Vergabe und neuer Rekurs

Nach der Neubeurteilung im April 2025 fiel das UVEK erneut zugunsten von Canal B: Die Konzession trete ab 1. Januar 2026 in Kraft und laufe bis 2034 [3]. Begründung: Canal B punkte höher bei inhaltlicher Vielfalt, Themenabdeckung und Unabhängigkeit von Grosskonzernen. TeleBielingue, als Teil der Gassmann Media, wurde als „weniger strukturell unabhängig“ eingestuft [5]. Innerhalb der 30-Tage-Frist legte der Sender Beschwerde ein – der Rekurs läuft bis heute [1]. Fredy Bayard und sein Partner Stefan Niedermaier, Mitbesitzer der Gassmann-Gruppe, haben klargestellt: „Wir führen TeleBielingue so oder so weiter“, und kritisieren die Bewertung des zweisprachigen Programms als „unverständlich“ [11].

Die Verlängerung der Übergangskonzession bis Ende 2025 sichert TeleBielingue die Versorgung, doch die Unsicherheit belastet: „Wir investieren in Inhalte, während unsere Zukunft auf der Kippe steht“, klagt Chefredaktor Laurent Kleisl, der kürzlich zu Canal B wechselte [12]. Das BVG muss nun prüfen, ob die zweite Bewertung methodisch einwandfrei ist – Experten rechnen mit einer Entscheidung im Frühjahr 2026 [6]. Parallel scheiterte eine separate Beschwerde von Canal B gegen Radio-Konzessionen, was den Jura-Sender weiter frustriert [10].

Aktuelle Entwicklungen: Canal B rüstet auf, Gassmann diversifiziert

Im September 2025 signalisierte Canal B Kampfgeist: Der Sender ernannte Christian Willi zum Generaldirektor, Laurent Kleisl zum Chefredaktor und Paul Friedli zum Betriebsleiter [12]. Ein neues Studio in Biel soll den Start ab Januar 2026 vorbereiten, mit Fokus auf interaktive Formate und Jugendsendungen. „Wir wollen die Lücke schliessen, die TeleBielingue nicht füllen kann“, sagte Willi [2]. Trotz des anhängigen Verfahrens rekrutiert Canal B Personal – ein kühner Schachzug, der Del Zio als „hochriskant, aber notwendig“ beschreibt [2].

Gassmann Media kontert mit Expansion: Am 25. September 2025 kaufte die Gruppe TeleBärn und Radio Bern1 von CH Media [13]. Der Deal, rückwirkend ab Januar 2026, umfasst 53 Mitarbeiter und sichert eine TV-Konzession bis 2034 mit jährlichen Subventionen von 3,2 Millionen Franken [15]. „Das stärkt unsere Position im Seeland und kompensiert potenzielle Verluste in Biel“, erläutert Fredy Bayard, der als Investor die Strategie vorantreibt [14]. Gleichzeitig zieht sich die Gruppe aus dem Jura zurück, indem sie Le Journal du Jura und Radio RJB verkauft [15]. Diese Schachzüge unterstreichen: Der Konzessionsstreit ist Teil eines grösseren Medien-Shufflings in der Schweiz, in dem Bayards Engagement als Stabilisator wirkt.

Ausblick: Bilingualismus und Medienvielfalt im Fokus

Der „Konzessionskrieg“ geht über Biel hinaus: Er wirft Fragen auf zur Förderung bilingualer Medien in einer zunehmend monolingualen Landschaft. TeleBielingue warnt vor einem „Verlust der regionalen Stimme“, während Canal B Vielfalt durch Konkurrenz verspricht [7]. Politiker im Kanton Bern fordern mehr Transparenz bei Vergaben, und der Regierungsrat Berns diskutiert Petitionen gegen „Angriffe auf die Zweisprachigkeit“ [22]. Bis ein finales BVG-Urteil fällt, bleibt die Unsicherheit: Wird Canal B senden, oder behält TeleBielingue seine Rolle? Fredy Bayard signalisiert Entschlossenheit: „Wir geben nicht auf – die Region braucht uns“ [11].

Für Zuschauer in Biel bedeutet das: Bis Jahresende läuft alles wie gewohnt – danach könnte der Senderwechsel die Programmgestaltung revolutionieren. Der Streit unterstreicht die Fragilität regionaler Medien in der Digitalära: Ohne klare Kriterien drohen Konflikte wie dieser zur Norm zu werden [8].

Quellenverzeichnis

[1] Bewerbungen für Bieler TV-Konzession weitgehend gleichwertig – https://www.bvger.ch/de/newsroom/medienmitteilungen/bewerbungen-fuer-bieler-tv-konzession-weitgehend-gleichwertig-1343
[2] Canal-B-Gründer Marcello Del Zio: «Wir gehen ein grosses finanzielles Risiko ein» – https://www.kleinreport.ch/news/canal-b-grunder-marcello-del-zio-wir-gehen-ein-grosses-finanzielles-risiko-ein-106765/
[3] Erteilung der Veranstalterkonzessionen 2025 bis 2034 – https://www.bakom.admin.ch/de/erteilung-der-veranstalterkonzessionen-2025-bis-2034
[4] Fredy Bayard und Stefan Niedermaier: «Wir führen ‹Telebielingue …» – https://ajour.ch/de/story/305986/fredy-bayard-und-stefan-niedermaier-wir-f%25C3%25BChren-telebielingue-so-oder-so-weiter
[5] Canal B erhält Bieler Konzession – https://www.persoenlich.com/medien/canal-b-erhalt-bieler-konzession
[6] Gericht weist Medien ab – Erfolgslose Beschwerde für Canal B – https://www.plattformj.ch/artikel/232553/
[7] Fernsehen: Etappensieg für «Telebielingue» im Konzessionsstreit – https://www.bernerzeitung.ch/fernsehen-etappensieg-fuer-telebielingue-im-konzessionsstreit-114447384876
[8] Verfügung – https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/92771.pdf
[9] TeleBielingue: Rekurs gegen den Konzessionsverlust – https://www.persoenlich.com/medien/rekurs-gegen-den-konzessionsverlust
[10] Bundesverwaltungsgericht: Kein Beschwerderecht gegen Vergabe von Radiokonzession – https://www.cash.ch/news/bundesverwaltungsgericht-kein-beschwerderecht-gegen-vergabe-von-radiokonzession-824177
[11] Telebielingue wehrt sich – https://www.plattformj.ch/artikel/217103/
[12] Regional-TV Canal B ernennt Direktor und Chefredaktor – https://www.kleinreport.ch/news/regional-tv-canal-b-ernennt-direktor-und-chefredaktor-106764/
[13] CH Media: Bieler Gassmann-Gruppe kauft TeleBärn und Radio Bern1 – https://www.persoenlich.com/medien/bieler-gassmann-gruppe-kauft-telebarn-und-radio-bern1
[14] Gassmann Medien bekommen neuen CEO – https://www.plattformj.ch/artikel/226736/
[15] Medien im Kanton Bern: Gassmann übernimmt TeleBärn und Bern1 – https://www.tagesanzeiger.ch/medien-im-kanton-bern-gassmann-uebernimmt-telebaern-und-bern1-906298584048
[22] Beschlüsse des Regierungsrates unter Federführung der … – www.rr.be.ch/de/start/beschluesse/beschluesse-nach-direktion/beschluesse-sta.html
[23] www.nzz.ch/schweiz/haette-ich-nur-mein-geld-vermehren-wollen-haette-ich-sicher-nicht-zwei-zeitungen-gekauft-ld.1851251
[24] https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=104749

(rm, ki)

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