Bauern im Fokus: Stickstoffbelastung von natürlichen Lebensräumen weiterhin zu hoch
Die Stickstoffeinträge in der Schweiz haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten nur wenig abgenommen und entfalten weiterhin ihre negativen Auswirkungen auf naturnahe Ökosysteme und die Artenvielfalt.
Zwar verringerte sich der Stickoxid-Ausstoß – namentlich aus dem Verkehr – stark, die hauptverantwortlichen Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft liegen aber weiterhin auf viel zu hohem Niveau, so die Ansicht der EKL.
Die Agrarpolitik AP22+ muss dies mit griffigen Maßnahmen entschlossen angehen.
Zum Schutz von Mooren, Wäldern und artenreichen Wiesen forderte die Eidgenössische Kommission für Lufthygiene (EKL) in ihrem Statusbericht von 2005 eine Halbierung der Stickoxid- und Ammoniak-Emissionen gegenüber dem Jahr 2000.
Mit dem vorliegenden Bericht «Stickstoffhaltige Luftschadstoffe in der Schweiz» hat sie nun ihre Bilanz gezogen: Der Stickoxid-Ausstoß aus Abgasen und Verbrennungsprozessen hat seit dem Jahr 2000 um rund ein Drittel abgenommen.
Schadet Gülle-Ausbringung zu stark?
Bauern düngen Felder, damit die Pflanzen besser wachsen. Oft mit Gülle.
Anders sieht es bei den landwirtschaftlichen Ammoniak-Emissionen aus. Sie stagnieren auf zu hohem Niveau, die technisch möglichen Maßnahmen wurden bisher nicht ausgeschöpft. Der Bundesrat hat mit dem Luftreinhalte-Konzept und den Umweltzielen Landwirtschaft den großen Handlungsbedarf und Handlungsfelder bereits vor Jahren aufgezeigt.
Nun müssen dringend konkrete Maßnahmen in der Landwirtschaft folgen, so die EKL.
Vor diesem Hintergrund begrüßt die EKL, daß der Bundesrat am 12. Februar 2020 die Aufnahme verbindlicher Bestimmungen in die Luftreinhalte-Verordnung betreffend Abdeckung von Güllelagern und emissionsarme Gülleausbringung genehmigt hat, die ab 1. Januar 2022 in Kraft treten werden.
Ebenso begrüßt die EKL die Stossrichtung zur weiteren Ökologisierung der Landwirtschaft und zur Reduktion der Nährstoffverluste, die der Bundesrat mit der Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik ab 2022 (AP22+) am 12. Februar 2020 verabschiedet hat.
Die EKL erwartet, daß mit der AP22+ in Ergänzung zu den erwähnten Maßnahmen in der Luftreinhalte-Verordnung auch wesentliche Fortschritte in Richtung emissionsarmer Stallsysteme und standortangepasster Nutztierhaltung erzielt werden. Mit zahlreichen ammoniakmindernden Maßnamen können gleichzeitig auch klimarelevante Treibhausgase wie Lachgas und Methan vermindert werden.
Ammoniak
Ammoniak ist ein Luftschadstoff, der vor allem in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung entsteht. Es trägt maßgeblich zu den hohen Stickstoffeinträgen in naturnahe Ökosysteme bei. Die Folgen sind Überdüngung und Versauerung. Darauf reagieren besonders Wälder, artenreiche Naturwiesen, Hoch- und Flachmoore empfindlich.
Maßnahmen zur Reduktion der Ammoniak-Emissionen können direkt oder indirekt auch zu einer Verminderung von klimaaktiven Treibhausgasemissionen (Lachgas, Methan) beitragen.