Arzt erstattet Strafanzeige gegen Berufskollegen
So etwas kommt nicht häufig vor. Wegen schwerer Körperverletzung unter Mißachtung der erforderlichen Sorgfalt in mehreren Fällen hat Herr Dr. Pardo, Gefäßchirurg im Ruhestand, gegen einen Berner Standeskollegen sowie gegen Unbekannt Strafanzeige erstattet. Die Behandlung seines schwer krebskranken Sohnes im Lindenhofspital in Bern hat sich als katastrophal erwiesen.
Herr Dr. Pardo, der während der Dauer des Krankenhausaufenthalts die meiste Zeit anwesend war, hat bei der geleisteten Versorgung und während der Nachsorge nach der Operation schwerwiegende Versäumnisse festgestellt, die seinen Sohn fast das Leben gekostet hätten.
Der Sohn, 29 Jahre, ist von einer schweren Krebserkrankung betroffen, die im August 2019 diagnostiziert wird.
OP am 16. September, nach schweren Symptomen neue OP am 19. September
Am 16. September wird er operiert, um den Tumor zu entfernen und an seinem Körper ein künstliches Stoma anzulegen. Am Tag darauf weist der junge Mann schwere Symptome im Ostomiebereich auf, allerdings wartet das Spital bis zum 19., um ihn dann erneut zu operieren.
Am 20. scheidet der Sohn keinen Urin aus. Er trocknet aus. Sein Vater stellt selbst fest, daß sich an seinem Rücken eine Gasblase gebildet hat und größer wird.
Erst einfach kein Arzt verfügbar, Meinung von Arztkollegen wird im Lindenhofspital Bern null Beachtung geschenkt
Es wird eine Krankenschwester gerufen, die aber einräumt, daß kein Arzt verfügbar ist. Es ist Freitag. 4 Stunden lang bekommt der Sohn keinerlei Behandlung.
Als endlich doch ein Arzt eintrifft, spielt dieser das Problem herunter, auskultiert den Patienten nur sehr partiell und schenkt der Vermutung von Herrn Dr. Pardo keinerlei Beachtung, der auf eine eventuelle Nekrose hinweist, die zu einer Blutvergiftung führen kann.
Zu dem Zeitpunkt ist der Patient nur halb bei Bewußtsein, er hat hohes Fieber und niemand kümmert sich um ihn, trotz der Ereignisse, die sich zu einem Drama zu entwickeln drohen.
Drama geht weiter: Schließlich Not-OP
Am nächsten Morgen liegt bei dem Patienten ein endotoxisches Schocksyndrom vor. Es wird eine Notoperation durchgeführt, mit hohem Risiko für einen letalen Ausgang, da sein Blutdruck drastisch abgefallen ist und das Herz nur sehr schwach schlägt.
Bevor die Operation begonnen werden kann, muß der junge Mann wiederbelebt werden. Nach dem Eingriff zur Reinigung des Peritonealraums muß er mehrere Tage auf der Intensivstation überwacht werden. Als er schliesslich auf sein Zimmer verlegt wird, entwickelt er eine Pankreatitis. Herr Dr. Pardo fordert hierauf einen Operationsbericht an – ein obligatorisches Dokument – aber man antwortet ihm, dass dieser noch nicht fertig sei.
Strafanzeige
Das ist nun endgültig zu viel für den Fachkollegen Dr. Pardo. Empört aufgrund der mangelnden Sorgfalt, mit der der Fall seines Sohnes behandelt wurde, und schockiert darüber, daß man es nicht für nötig gehalten hatte ihm Gehör zu schenken, stellt er Strafanzeige gegen den verantwortlichen Mediziner.
Dieser ist der Sache nicht auf den Grund gegangen, als er den Zustand des Patienten feststellte, und hat im Übrigen weder frist-, noch formgerecht den Bericht über die operative Versorgung vorgelegt. Die Strafanzeige richtet sich auch gegen Unbekannt, um die Kette der Verantwortlichkeiten feststellen zu können, die zu der desaströsen Behandlung seines Sohnes geführt hat.