Rede von Bundesrätin Sommaruga am WEF erntet Kritik
Politiker-Reden sind so eine Sache.
Wer schon einmal Albert Rösti reden gehört hat, unter dessen Ägide die SVP so einbrach oder wer schon einmal Barbara Janom Steiner der sinkenden Kleinstpartei BDP reden gehört hat, weiß, daß Politiker-Reden eine große Qual sein können.
Oder er weiß, warum die SVP soviele Stimmen verlor und die Kleinstpartei BDP noch mehr.
Aber nicht nur wegen eines langweiligen Tons kann eine Rede in die Kritik geraten.
Auch ein nicht-mitreißender Einschlaf-Ton in Kauguimmi-Art ist tödlich für jede Rede.
Doch das nicht nicht alles natürlich, denn nebst der Art der Rede (und der Gestik dabei) spielt auch der Inhalt eine Rolle.
Auch dieser kann deplaziert sein und Politiker in die Kritik bringen.
Rede von Sommaruga am WEF in der Kritik
So jüngst Simmonetta Sommaruga, der als Bundesrätin vorgeworfen wird, sie habe die Chance des WEF bei ihrer Rede nicht genutzt, ja sogar mit Füßen getreten.
Während Trump die Chance wunderbar beim Schopf gepackt hatte und sein Land angepriesen hatte (und natürlich auch dessen positive Entwicklung unter seiner Ägide), hatte Sommaruga nicht über die Schweiz sondern über irgendwelche Welt-Umweltthemen geredet. Das brachte ihr Kritik ein:

Auszug aus der Rede von Simonetta Sommaruga am WEF in Davos 2020:
„Sehr geehrter Professor Schwab
Exzellenzen
Meine Damen und Herren
„The world is on fire“ – dass dieser Satz des Generalsekretärs der Vereinten Nationen wahr ist, wird offensichtlich, wenn wir die Bilder der brennenden Wälder im Amazonas-Gebiet oder von den Buschfeuern in Australien sehen.
Die Folgen für Mensch und Natur sind verheerend.
Weit weniger offensichtlich ist, was es bedeutet, wenn das ökologische Gleichgewicht gestört ist.
Was bedeutet das ganz konkret für uns Menschen und für unsern Planeten?
Ich möchte zuerst jenen eine Stimme geben, die es für uns sichtbar machen können. Die uns in nur 2 Minuten aufzeigen können, was es bedeutet, wenn Tier- und Pflanzenarten sterben, und wie verheerend die Auswirkungen sind – für uns alle.
Die Botschaft der Bienen ist klar und unbestreitbar: … / … „
Spätestens hier weiß man, es wird langweilig, theoretisch, moralinsauer, jammernd und (an)-klagend mit erhobenem Zeigefinger.
Und es bestätigt sich.
Bundesrätin Sommaruga müßte wohl nicht nur ein Rhetorik-Seminar besuchen, sondern auch jemanden finden, der mitreißende Inhalte schreibt.#
Sowas gibt es übrigens durchaus. Für Wirtschaftsleute aber auch Politiker, denn Politiker sind genauso oder mehr noch darauf angewiesen, daß sie überzeugend reden.

So führte etwa der deutsche Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt ein „Klatschogramm“.
Er notierte sich auf, wo, wann die Leute klatschten.
Noch ein Auszug aus der Rede Sommaruga:
„Wir können nicht einfach weiter unbeteiligt danebenstehen und zuschauen. Der Schutz der Artenvielfalt und der Klimaschutz sind nicht einfach nur Steckenpferde von ein paar Idealisten. Sie müssen zu Aufgaben der Politik und der Wirtschaft werden.
Wir brauchen Unternehmen, die sich der Artenvielfalt und des Klimaschutzes annehmen.
Wir brauchen Politikerinnen und Politiker, die sich im eigenen Land und auf internationaler Ebene dafür einsetzen, dass die Natur zu ihrem Gleichgewicht zurückfindet und dass die Klimaerwärmung gestoppt wird.
Meine Damen und Herren
Nicht nur die Natur braucht ihr Gleichgewicht, auch in der internationalen Politik ist Gleichgewicht ein grundlegender Faktor.
Heute blicke ich mit Besorgnis auf den Zustand unserer Welt.
In einigen Weltgegenden werden, um politische Ziele zu erreichen, einmal mehr Emotionen geschürt: Intoleranz, Haß, Vorurteile, Rachegefühle.“
Die ganze Rede von Sommaruga (aus dieser ist auch der Ausriß des Beitragsbilds entnommen) kann man hier hören.
Ganz anders die Rede vom amerikanischen Präsidenten.
Zum Vergleich ein Ausriß aus der Trump-Rede, welcher nicht über globale Themen sprach, sondern sein Land in den Vordergrund brachte:
„Ich danke Ihnen sehr. Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem fünfzigsten Jahr als Gastgeber der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums, eine wirklich erstaunliche Leistung. Es ist mir eine Ehre, zum zweiten Mal als Präsident vor den angesehenen Mitgliedern dieser Organisation zu sprechen.
… / …
Als ich den Job bekam, waren mehr als zehn Millionen Menschen zu den Lebensmittelmarken-Programmen hinzugekommen. Die Experten sagten ein Jahrzehnt mit sehr, sehr langsamem oder vielleicht sogar negativem Wachstum, hoher Arbeitslosigkeit und einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung sowie einer stark schrumpfenden Mittelschicht voraus. Millionen hart arbeitender, gewöhnlicher Bürger fühlten sich vernachlässigt, verraten, vergessen. Sie verloren schnell das Vertrauen in das System.
… / …
Seit meiner Wahl hat Amerika über sieben Millionen Arbeitsplätze gewonnen, eine unvorstellbare Zahl. Ich würde es nicht sagen, ich würde nicht darüber sprechen – aber das war die Zahl, die ich im Sinn hatte.
Beitragsbild oben: Simonetta Sommaruga mit Volodymyr Zelenskyy © UVEK