Große Unterschiede bei gleicher Bezeichnung

Große Unterschiede bei gleicher Bezeichnung

Der Kalbfleischanteil bei Kalbswürsten schwankt zwischen 29 und 62 Prozent. Auch bei anderen Produkten gibt es erhebliche Unterschiede. Das zeigt ein Vergleich des Konsumentenschutzes von 85 Lebensmitteln, die Fleisch oder Fisch enthalten. Die Erhebung legt zudem offen: Wer mehr bezahlt, bekommt nicht automatisch mehr Fleisch. Ausserdem ist die Deklaration teilweise schwer verständlich, und die Fleischherkunft ist nicht überall angegeben.

Ob Bolognese-Sauce, Hühner-Nuggets, Fischstäbchen, Kalbswürste, Pizza Prosciutto oder Tortellini – beim Einkaufen liegen oft viele ähnliche Produkte nebeneinander im Regal. Doch worin unterscheiden sie sich neben dem Preis? Der Konsumentenschutz hat 85 Artikel aus sechs Kategorien auf ihren Fleisch- oder Fischanteil untersucht. Dabei zeigen sich teils enorme Abweichungen. Für die Konsumenten sind die Angaben jedoch nicht immer nachvollziehbar.

Grosse Unterschiede bei gleicher Bezeichnung

Produkte mit demselben Namen können sehr grosse Unterschiede in der Zusammensetzung aufweisen. Besonders deutlich zeigt sich das bei den untersuchten Kategorien Kalbswürste, Bolognese-Saucen und Hühner-Nuggets.

Weniger ausgeprägt sind die Unterschiede bei den untersuchten Tortellini mit bis zu 16,7 Prozentpunkten, bei den Fischstäbchen mit bis zu 9 Prozentpunkten und bei den Pizzen mit bis zu 5,5 Prozentpunkten. Für die Konsumenten sind diese Mengenangaben nur im Kleingedruckten auf der Verpackungsrückseite erkennbar – und dort teilweise unverständlich ausgewiesen. In 11 der insgesamt 14 untersuchten Kalbswürste wurde ausserdem zusätzlich Schweinefleisch beigemischt.

Mehr zahlen heisst nicht höherer Fleischanteil

Ein höherer Preis ist kein Indikator für einen höheren Fleischanteil. So müssen Konsumenten für die Naturaplan-Kalbscipollata mit dem teuren Bio-Kalbfleisch am tiefsten in die Tasche greifen. Die Würstchen enthalten jedoch nur 36 Prozent Bio-Kalbfleisch.

Günstig ist nicht automatisch besser. Beim Vergleich beeinflussen Gütesiegel, Fleischherkunft und Fleischqualität den Preis. Zudem spielt die Packungsgrösse eine wichtige Rolle, da kleine Packungen pro 100 Gramm oft deutlich teurer sind. Auch die Vermarktung durch ein bekanntes Unternehmen kann die Kosten in die Höhe treiben.

Fleischherkunft bleibt teils unklar

Spätestens seit dem Pferdefleischskandal von 2013 fragen sich Konsumenten, woher das Fleisch in verarbeiteten Produkten stammt. Bei den untersuchten Kalbswürsten, Fischstäbchen und Hühner-Nuggets lassen sich diese Angaben problemlos finden. Bei Bolognese-Saucen wird es schwieriger, bei Pizzen und Tortellini suchen Konsumenten diese Information meist vergebens.

«Hier zeigt sich deutlich, dass das heutige Lebensmittelgesetz mit seinen komplizierten Bestimmungen zur Herkunftsangabe nicht taugt», kritisiert Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes.

Zahlentricks bei Mengenangaben

Fleischanteile sind in der Zutatenliste oft so angegeben, dasß sie grösßr erscheinen, als sie tatsächlich sind. Bei einer der untersuchten Tortellini-Sorten mit der Bezeichnung «Prosciutto Crudo» lautet die Angabe: «Füllung 35 % … Rohschinken 13 %». Der Rohschinken macht nur 13 Prozent der Füllung aus, also gerade einmal 4,55 Prozent des gesamten Produkts.

«Die Zutaten sollen klar verständlich aufgelistet sein, damit Konsumenten problemlos erkennen, wie viel Fleisch tatsächlich im Produkt steckt», fordert Sara Stalder. Der Fleischanteil solle weder unverständlich noch versteckt oder verschachtelt angegeben werden: «Nur so können Produkte beim Einkauf miteinander verglichen werden.»

Weitere Informationen

Detaillierte Erhebung zum Fisch- oder Fleischanteil in Lebensmitteln:

Detaillierte Erhebung von Fisch- oder Fleischanteil in Lebensmitteln

(pd, rm)
(Graphiken: Konsumentenschutz)

 

admin

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