Jacques Baud: Wie Europa die Ukraine ins Verderben führt

Jacques Baud: Wie Europa die Ukraine ins Verderben führt

Wir erinnern uns, daß die Russen 2022 sehr schnell bis nach Kiev durchgedrungen waren. Sie wollten mit dieser Strategie eine politische Einigung erreichen, das war das damalige Ziel.

Dies mündete in den Friedensverhandlungen in Instanbul, die zu einer Einigung mit Zelenskyj führten.

Nachdem die EU diese Friedensverhandlungen torpediert hatte, änderte sich die Strategie.

Als General Surowikin am 18. Oktober sagte, daß keine großen  Operationen mehr durchgeführt werden würden, sondern die ukrainische Armee systematisch zu zermürben, änderte sich die russische Strategie.

Sie gingen nicht mehr vor wie es oft die Amerikaner machen, schnell vorzudringen. Und sich anschließend in den Gebieten einer Guerilla-Taktik des Gegners auszusetzen. Sondern sie säubern langsam, indem sie die Ukraine demilitarisieren.

Der Experte und Autor Jaques Baud, gegen den in Deutschland Zensurbestrebungen seitens liefen (Schweizer Zeitung berichtete), äußert sich zu dieser Strategie. Es fragt sich, was sagt / schreibt dieser so Schlimmes, daß man vor seinen Schriften warnen will?

Baud äußert sich aktuell in einem englischen Video-Kanal, dem von Glenn Diesen, zum Stellvertreterkrieg in der Ukraine.

Anfangs verfolgten die Russen eine Strategie, die man zu Deutsch eine Strategie des fließenden Wassers bezeichnen würde und drangen dabei  ohne große Kämpfe bis zur ukrainischen Hauptstadt Kiev vor, erläutert dieser. Ziel waren rasche Verhandlungen auf politischem Wege durch diese militärische Maßnahme zu erreichen.

Sie änderten diese Strategie, nachdem die Verhandlungen in Istanbul scheiterten (Besuch Boris Johnsons und Abbruch) in eine Strategie des rein militärischen Vorgehens, um die Ukraine zu Entmilitarisieren.

Die Russen hätten militärisch überhaupt kein Problem wie im Frühjahr 2022 rasch vorzudringen, aber das ist nicht mehr ihr Ziel, so Jaques Baud: Dadurch schonen die Russen das Leben ihrer eigenen Soldaten.

Es ist nicht das Ziel, möglichst rasch möglichst viel Gelände zu erobern.

In Bachmut konnte man sehen und in vielen anderen Schlachten auch, so Baud, daß die Ukrainer in Feuerfallen gelockt wurden und so das militärische Potential der Ukraine zu entmilitärisieren.

Propaganda

In der Ukraine gibt es Propaganda, die die wahren Opferzahlen von Soldaten an der Front verschleiert. Dies habe den Krieg weiter hinausgezögert, weil erst jetzt die Kriegsbereitschaft ändert hin zu einem Wunsch großer Teile der ukrainischen Bevölkerung, den Krieg zu beenden.

Hätten wir das eher begriffen, hätten wir viele ukrainische Soldaten-Leben retten können, so Baud.

Würde der Krieg sich von einem unkonventionellen Krieg in einen Guerilla-Krieg verändern, könnte dieser noch sehr lange gehen, so Baud.

Westukraine versus Süd- und Ostukraine

Wahrscheinlich sprechen wir, wenn wir von Ultranationalisten reden, höchstwahrscheinlich nur von einem kleinen Teil der Ukrainer.

Die größte ukrainische Bevölkerung lebt, wie schon Karten des CIA aus den 50er-Jahren zeigen, nicht in der Zentralukraine sondern im Westen.

Ein Gebiet, daß Rußland definitiv nicht einmal erobern möchten. Hierzu gehören die neuen russischen Gebiete aber auch weitere Oblaste wie Odessa, Charkiw und Dnepr. (Anm. d. Red.: und wohl auch die Region Sumy)

Russen wollen nicht in die Westukraine

Im Rand-Papier (Rand = eine US-Denkfabrik) von 2019 hieß es, man könne Rußland durch einen langanhaltenden Krieg in der Ukraine schwächen.

Der feuchte Traum solcher Strategen wäre es natürlich, wenn Rußland auch in die Westukraine reingehen würde und dort in einen langanhaltenden Guerilla-Krieg verwickelt werden würde.

Die Russen wollen aber definitiv nicht in den Westen vordringen, aber höchstwahrscheinlich nach Odessa, so Baud. Sie wollen nicht in einen endlosen Guerilla-Krieg verwickelt werden, der in der Westukraine drohen würde.

Die Ukraine, das habe der 2. Weltkrieg gezeigt, könnte sicher noch viel mehr aushalten. Aber das Problem sei, daß es irgendwann aus ukrainischer Sicht (der Sicht der Bevölkerung) einen Punkt gibt, an dem man sich fragt, worum es eigentlich geht, so Baud. Und viele Westukrainer haben nicht den bezug zur Ost- und Südukraine, daß sie dafür weiter Opfer bereit sich zu erbringen

Der größte Fehler im Krieg

Der größte Fehler im Krieg sei, so Baud, den Feind zu unterschätzen. Die Ukraine hätten wir in einen Konflikt gedrängt, in der sie dachte, daß der Gegner viel schwächer sei als gedacht. Dies sei „fast schon kriminell“, so Baud.

Unterschiede der Kriegsführung zwischen dem Westen und Rußland

Rußlands Ziel sei nicht, möglichst schnell viele Gebiete zu erobern.

Der Westen führt taktische Kriege, das sei seine größte Schwäche in der Kriegführung. Rußland führt operative Kriege. Die operative Kunst sei der Kern der russischen Militärstrategie.

Die Ukraine habe einen Schwerpunkt auf Drohnen. Damit könne man viele taktische Erfolge erzielen, aber dies sei nicht alles, so Baud.

Für die Russen wäre es der größte Vorteil, wenn die Ukraine versuchen würde, Gebiete zurückzuerobern, so Baud. Die Russen würden sie dann in die Falle laufen lassen und eliminieren, so Baud sinngemäß.

Wenn es keine ukrainische Armee mehr geben wird, wird es auch keine Nato-Anfrage mehr geben, so möglicherweise das russische Denken. Wenn die Ukraine der Nato beitreten wolle, werde es nichts mehr geben, was beitreten könnte (militärisch gesehen). Die Russen gehen hierbei äußerst schrittweise vor, betont Baud.

Baud zu Zwangsrekrutierungen

Etwa 80% der neuen Leute, die heute an die Front geschickt werden, seien in der Ukraine zwangsrekrutiert. Diese seien nicht richtig ausgebildet und wahrscheinlich nicht einmal bereit zu kämpft.

Der Kriegswille sei nicht da.

In der Ukraine gibt es nun ein Gesetz, daß das Aufzeichnen von Zwangsrekrutierungen verbietet, weil man erkannt hat, daß dies großen Einfluß auf die Bevölkerung hat.

Inzwischen gehe es soweit, daß ethnisch unterschiedliche Gruppen mit dem russischen Widerstand kooperieren, weil die Zwangsrekrutierungen so unbeliebt sind, so Baud. Und tatsächlich kämen die meisten Informationen an Rußland aus der Ukraine aus diesem Bereich.

Diese Schilderungen passen zu den jüngsten Berichten über zahlreiche Bombardierungen von Rekrutierungszentren.

Aber Baud erwähnt auch, daß es sehr schwierig sei, Standorte von Waffenfabriken herauszufinden. Und daher sei es für Rußland so wertvoll, wenn ukrainische Bürger, die mit dem russischen Widerstand zusammenarbeiten, weil die Zwangsrekrutierungen so unbeliebt sind.

Inzwischen bilde sich auch innerhalb der nationalistischen Bewegung in der Westukraine eine Meinung, die möchte, daß der Krieg aufhört, weil die Ukraine noch mehr Gebiete verlieren könnte, so Baud. Somit habe die Zelenskyj-Regierung wohl mehr und mehr auch einen nationalistischen Widerstand im eigenen Land.

Rassengesetze in der Ukraine

Baud meint, einer der größten Fehler von Selenski sei gewesen, 2021 ein Gesetz zu erlassen, das zwischen ethnischen Ukrainern und solchen nicht-ethnischen Ukrainern, die weniger Rechte haben, unterscheidet.

So etwas wäre etwa in der Schweiz undenkbar.

Solch ein Gesetz widerspricht auch dem Narrativ des Westens, daß die Ukraine demokratisch sei.

Solche Rassengesetze entsprechen nicht den westlichen Werten.

Zukunft der Ukraine

Wahrscheinlich steuert die Ukraine auf eine kleine Westukraine im Kerngebiet zu, so Baud. Es sei zwar noch zu früh, eine solche Einschätzung abzugeben.

Aber denkbar sei, daß die polnischen Gebiete im Westen wieder zu Polen kommen.
Oder die ungarischen Gebiete in Transkarpatien wieder an Ungarn zurückgegeben werden würden.

Die Angriffe der unkainischen Nationalisten auf die ungarische Minderheit waren Grund für äußerste Besorgnis der Ungarn und Grund für mehrere Beschwerden in der EU seitens Ungarn so Baud.

Das Problem sei, daß die Europäer schon 2022 im April keine Verhandlungen wollten und sie wollen es immer noch nicht. Daher erhöhe Rußland den Druck. Nicht nur Ungarn oder die Slowakei, auch in Slowenien werde inzwischen gefordert, die EU müsse einen Dialog mit Rußland eröffnen.

Es werde einen Punkt geben, an dem die Europäer erkennen müssen, daß es Verhandlungen brauchen werde. Die Russen haben momentan die Kontrolle über die Situation, man könne nicht mehr dieselben Forderungen stellen wie vor zwei, drei Jahren. Je länger die Europäer warten, desto mehr wird Rußlands Macht wachsen. Das hätte man erkennen können. Aber die Europäer wollen immer noch nicht verhandeln.

Die Europäer führen die Ukraine in eine Sackgasse. Und dies sei tragisch für die Ukraine, schließt Jaques Baud.

Mehr zu Jaques Baud

https://schweizerzeitung.ch/?s=Jaques+Baud

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