Das Bild der Schweiz im Ausland 2020
Die Schweiz stand 2020 weniger im Fokus der ausländischen Medien als im Vorjahr.
Im Fokus standen besonders der Umgang der Schweiz mit Covid-19 und die Diskussionen rund um die Bundesanwaltschaft.
Bei der breiten Bevölkerung im Ausland genießt die Schweiz weiterhin ein hohes Ansehen:
Im Länder-Marken-Index, englisch „Nation Brands Index“ (NBI), der das Ansehen von 50 Ländern miteinander vergleicht, belegte die Schweiz den sehr guten 7. Rang.
Man kennt es aus James-Bond-Filmen und anderen Produktionen: Traditionsgemäß machten sich ausländische Filme und Serien auch dieses Jahr die «Marke» Schweiz zunutze.
Gemäß der Analyse von Präsenz Schweiz im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), wurde die Schweiz im Jahr 2020 in den ausländischen Medien deutlich weniger als in den Vorjahren thematisiert.
Und die ausländische Berichterstattung war von weniger Themen geprägt.
Fokus auf der Covid-19-Maßnahmen
Der Fokus lag hierbei gemäß „Präsenz Schweiz“ auf Covid 19, wobei das von der Schweiz vermittelte Bild starken Schwankungen unterworfen gewesen sei:
„Während der ersten Welle beurteilten ausländische Medien den Umgang der Schweiz mit der Pandemie überwiegend positiv.
Insbesondere die Maßnahmen zur Unterstützung der Schweizer Wirtschaft und die effiziente Umsetzung bei der Vergabe der Liquiditätskredite an Schweizer Unternehmen wurden gelobt.“
„2. Welle“: Ton wird aggressiver
Je aggressiver die Massendemonstrationen auslösenden Corona-Maßnahmen im nahen Ausland, desto ungerner gesehen ist natürlich bei direkt angrenzenden Nachbarländern mit teils viel drastischeren ein Staat, der mit weniger harten Maßnahmen gut durchkommt.
So schreibt „Präsenz Schweiz, daß „während der zweiten Welle vor allem die Nachbarländer über die Schweiz berichteten“.
Diese „äußerten sich kritisch über die aus ihrer Sicht als zu moderat eingeschätzten Maßnahmen, unter anderem die Öffnung der Skigebiete“, so „Präsenz Schweiz“ weiter.
Wobei, wenn man genau hinschaut, kommt viel „Feuer“ auch aus dem Inland.
So zum Beispiel von Autor Helmuth Fuchs vom in Einsiedeln SZ angesiedelten Portal „moneycab“, das von deutschen Medien wie Finanznachrichten.de zitiert wird. Fuchs greift das Wallis, welches – wie Graubünden auch – die Skisaison (unter Auflagen und Kontrollen) eröffnet hat, scharf an:

Bundesanwalt Lauber sorgte für Negativschlagzeilen
Neben der Covid-19-Pandemie berichteten die ausländische Medien oft kritisch über Ereignisse rund um die Bundesanwaltschaft, namentlich den umstrittenen Bundesanwalt Michael Lauber.
Im Zentrum standen dabei Fälle mit Bezug zum internationalen Fußball sowie der Rücktritt von Bundesanwalt Michael Lauber.
Weltwirtschaftsforum sorgt für große Medienpräsenz
Am meisten punktuelle Medienresonanz erzeugte wie bereits in vergangenen Jahren die Tagung des Weltwirtschaftsforums (World Economic Forum, WEF) in Davos.
Die Teilnahme von US-Präsident Donald Trump am WEF in Davos wurden von einem besonders ausgeprägten Interesse in den ausländischen Medien und auf Twitter begleitet.
Auch der Auftritt der schwedischen Klimastreik-Jugendlichen Greta Thunberg die zusammen mit ihrem Vater und anderen Begleitern anreiste und diese Anreise medial inszenierte fand in sozialen Medien wie Twitter und Facebook große Resonanz.
Hier fand besonders die Hinfahrt im Vergleich zur Rückfahrt (Schweizer Zeitung berichtete) in den sozialen Medien ein umfangreiches Echo.
Wiederkehrende Themen
Wiederkehrende Themen waren der Finanzplatz Schweiz sowie verschiedene Volksabstimmungen, insbesondere zur Begrenzungsinitiative sowie zur Konzernverantwortungsinitiative.
Auch Einzelereignisse, wie beispielsweise die Affäre um die Cryptoleaks, erhielten Aufmerksamkeit.
Schweiz als „Filmmotiv“
Gemäß einer langjährigen Tradition fand die Schweiz auch in diesjährigen Filmproduktionen und Serien Niederschlag, vor allem als Sehnsuchtsort mit schönen Landschaften und Bergen.
So zum Beispiel in der südkoreanischen TV-Serie «Crash landing on you» oder dem auf Ende Jahr erwarteten, aufwändig produzierten indischen Kinofilm «Switzerland».
Grundsätzlich bleibt die Wahrnehmung der Schweiz bei der breiten Bevölkerung im Ausland vorerst positiv und stabil.
Mit dem 7. von 50 möglichen Rängen ist sie im Nation Brands Index 2020 – einem Imagevergleich zwischen 50 Ländern – der bestklassierte Staat mittlerer Größe.
Guter Ruf der Lebensqualität und politischen Stabilität
Die Schweiz ist im Vergleich zum nahen Ausland aber auch weltweit politisch sehr stabil.
Vor allem die Regierungsführung und die Lebensqualität der Schweiz genießen einen ausgezeichneten Ruf.
Die berühmte politische Stabilität führt auch dazu, daß die umstrittenen Corona-Maßnahmen in der Schweiz – zumindest etwas – weniger hektisch und extrem verordnet werden im Vergleich zum Ausland.
Zudem kann – sofern die Unterschriften des Notrecht-Referendums zustandekommen – das Volk direkten Einfluß nehmen im Zuge der direkten Demokratie (anders als in den parlamentarischen Demokratien).
Botschafter: Sorge um Ansehen der Schweiz wegen „zu milden“ Covid-Maßnahmen?
Wohl bloß wenige in der Schweiz dürften die Corona-Maßnahmen als milde empfinden.
Und während zahlreiche Experten wie z. B. – um nur einen Namen zu nennen – der Virologe Professor Sukarit Bhakti beklagen, daß die Schweiz zwar nicht so extrem wie im Umland aber dennoch sehr ausgeprägt bei den umstrittenen Corona-Maßnahmen mitmacht (SZ berichtete), wird andernorts ein anderes Bild gezeichnet.
Eines, das angeblich sogar Sorge um das Ansehen der Schweiz im Ausland begründen würde:
«Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch keine abschließende Bilanz zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf das Image der Schweiz gezogen werden. Diese dürfte auch davon beeinflußt werden, wie gut es der Schweiz in der Außenwahrnehmung letzten Endes gelingen wird, die Krise auf gesundheitlicher, ökonomischer und sozialer Ebene zu bewältigen», meint Botschafter Nicolas Bideau, Chef von Präsenz Schweiz.