Bergsturz-Gefahr in Brienz +++ Rutschung 6 Meter am Berg und 1,2 Meter im Dorf +++ Über 4 Mio Gelder für Untersuchung
Jüngst sorgte der Bergsturz von Bondo in Graubünden und schweizweit für Schlagzeilen.
In Brienz GR im Albulatal geraten Felsmassen, die 7x so groß sind in Bewegung.
Die Bergrutschungen beschleunigten sich jüngst dramatisch. 4 Millionen Franken oder umgerechnet auf die 100 Einwohner 40.000 Franken pro Einwohner zahlt der Kanton für die neuen Untersuchungen, die kurzfristig stattfinden sollen.
Bzw. müssen.
Denn der Berg drängt bzw. rutscht.
Brienz ist inzwischen quasi das schnellste Dorf der Schweiz. Die Felsplatte auf dem es gebaut ist, bewegt sich mittlerweise sogar schon über 1,2 Meter pro Jahr.
Der Berg oberhalb hat auch an Tempo zugelegt und bewegt sich nun 6 Meter pro Jahr.
Die Bündner Regierung genehmigt das Projekt „Rutschung Brienz/Brinzauls – Grundlagenerhebung Rutschung Berg“ der Gemeinde Albula und spricht einen Kantonsbeitrag von rund 4,05 Millionen Franken.
Aufgrund Stein- und Blockschlaggefahr wurde bereits ein Betretungsverbot für das Rutschgebiet erlassen. Und es gibt Evakuierungspläne weil gemäß Berechnungen ein Bergsturz erfolgen könnte, der das gesamte Dorf 20 Meter unter Stein- und Geröllmassen begraben kann.
Durch die laufenden Rutschungen gibt es nicht bloß Rissen in vielen Gebäuden, auch am Kirchturm, der sich immer mehr zu einer Art Doppelgänger des schiefen Turm von Pisa entwickelt, sieht man die Rutschungen.
Großangelegte Untersuchung
In den vergangenen drei Jahren wurde mit einer großangelegten Grundlagenerhebung der untere Teil der Rutschung, die sogenannte „Rutschung Dorf“ untersucht.
Während den letzten zwei Jahren hat sich die Rutschung sehr stark beschleunigt. Die Bewegungen verstärkten sich in den Jahren davor von 30 auf 50, dann auf 70 Zentimeter jährlich und schließlich auf 1 Meter pro Jahr. Die Rutschgeschwindigkeit erreichte zuletzt im Dorf bis zu 1,2 Meter pro Jahr.
Von einem erheblich gefährdeten Gebiet spricht man bei einer Rutschgeschwindigkeit von über 10 Zentimeter pro Jahr.
Bergrutsch kann „nicht ausgeschlossen werden“
Im gleichen Zeitraum beschleunigte sich auch die Rutschung oberhalb des Dorfes, die sogenannte „Rutschung Berg“.
Die Verschiebungsgeschwindigkeiten betragen hier bis zu 6 Meter pro Jahr. Ein Bergsturz kann nicht ausgeschlossen werden.
Sehr komplex
Die Rutschungen in Brienz (rhätoromanisch Brinzauls) sind sehr komplex und stellen derzeit eine der größten Herausforderungen beim Umgang mit Massenbewegungen im Alpenraum dar.
Im Rahmen des Projekts soll die vermutete Interaktion zwischen den beiden Rutschungsteilen untersucht werden, um sie besser verstehen zu können.
Dazu werden weitere Bohrungen sowie weitere geologische und geophysikalische Untersuchungen vorgenommen.
Billiges Bauland?
Wer vermutet, daß es in Brienz günstiges Bauland gäbe, täuscht sich. Auch risikofreudige Bauherren können kein Bauland mehr erwerben.
Im Dorf darf aktuell nicht mehr gebaut werden, weil es komplett als Gefahrenzone eingestuft wurde.
Die Immobilienpreise sind natürlich im Keller.
Beim Durchgang durch das Dorf sieht man häufig Häuser mit Rissen in den Wänden.
Eile geboten
Aufgrund der Bergsturzgefahr und der Rutschgeschwindigkeit ist es wichtig, daß die Grundlagenerhebung und insbesondere die notwendigen Bohrungen bereits im Sommer 2020 durchgeführt werden.
Die Gemeinde Albula hatte bereits Evakuierungspläne für das Dorf Brienz und für Teile der benachbarten Orte Vazerol, Surava und Tiefencastel getroffen.
Bergrutschungen schon früher
Bergrutschungen gab es bei Brienz schon früher. Bereits 1907 versuchte man den Berg mit einem Kanal zu entwässern. Es kam dennoch zu weiterem Bergrutsch.
Die Bergstürze sind zum Teil in japanischen Archiven dokumentiert wie etwa der Bergrutsch von 1911 (Bild unten). Und in der Kirchglocke, die aus dem Jahr 1912 stammt, ist auch prompt ein lateinischer Text eingegossen zu finden, der zu deutsch heißt: Mit Deiner mächtigen Hand, halte die schlüpfrigen Felsen zurück und beschütze, o heiliger Patron, diesen Ort.
Immerhin liegt Brienz nicht an einem See oder Meer
Obwohl es wohl wenig tröstet, wenn von oben ein Bergsturz droht und gleichzeitig von unten die Felsplatte rutscht, auf der ein Dorf ist: Immerhin liegt die Felsplatte auf der sich das Dorf befindet nicht in Wassernähe. In einem See oder im Meer versinken kann Brienz GR somit wenigstens nicht.
Dies geschah dem norwegischen Dorf Alta.
Die Bewohner und Urlauber hörten plötzlich einen lauten Knall. Und als sie sahen, daß die Erde sich bewegt rannten sie um ihr Leben.
Es gab keine Verletzten, was man kaum glauben kann, sieht man das Video unten.
Ein Hund, der in die Fluten gerissen wurde, konnte an Land schwimmen.
