Luzerner Zeitung weiß bereits jetzt, wie die Walliser am 27. September abstimmen
Am 11. September 2001 berichtete die BBC gegen 16:57 Uhr Ortszeit, das “Salomon Brothers Building” bzw. WTC 7 sei eingestürzt. Das Gebäude, das später tatsächlich einstürzte, obwohl kein Flugzeug in es geflogen war, anders als in die beiden anderen Türme. Gemäß offiziellen Angaben der US-Behörde “National Institute of Standards and Technology” handelt es sich um den ersten bekannten vollständigen Einsturz eines Hochhauses, bei dem Feuer als primäre Ursache identifiziert wurde. Soweit so einmalig. Doch damals wurde es noch einmaliger.
WTC7 stand noch, als BBC berichtete, es sei eingestürzt. Der tatsächliche Einsturz erfolgte gegen 17:20 Uhr Ortszeit. Die BBC-Erklärung dafür lautete später, daß ihre Falsch-Darstellung auf einer falschen Nachrichtenmeldung von Reuters beruhte.
Daß die BBC – und gemäß BBC auch Reuters – vor dem Einsturz denselben vermeldeten, sorgte für Furore und heizt bis heute Spekulationen an. Daher sollte man nicht vor einem Ereignis über ein Ereignis berichten. Die Faustregel im Journalismus lautet: Erst das Ereignis, danach der Bericht darüber. Nicht umgekehrt. Denn die Leute mögen das nicht, außer vielleicht sie gehen zu einem Hellseher.
Schnitt von New York am 11.9.2001 in die Schweiz am 22. September. Eine Darstellung der «Luzerner Zeitung» sorgt aktuell im Wallis für Irritationen: Fünf Tage vor der Abstimmung vom 27. September werden auf der Webseite bereits die Resultate sämtlicher Walliser Gemeinden angezeigt. Von einer Prognose ist dabei keine Rede.
Am 27. September 2026 stimmt die Schweiz über eidgenössische Vorlagen ab. Im Kanton Wallis kommen die Stimmen – wie in den übrigen Kantonen – erst am Abstimmungssonntag zur Auszählung.
Auf der der «Luzerner Zeitung» findet sich jedoch bereits am 22. September eine Seite mit der Überschrift:
«So hat der Kanton Wallis abgestimmt»
Darunter steht: «Die Resultate der eidgenössischen und kantonalen Abstimmungen vom 27. September 2026 in allen Gemeinden des Kantons Wallis.»
Weiter heißt es: «Die Karten zeigen, wie die Gemeinden im Kanton abgestimmt haben.»
Das Bemerkenswerte daran: Zu diesem Zeitpunkt hat – natürlich – noch keine Walliser Gemeinde über die Vorlagen vom 27. September abgestimmt beziehungsweise die Stimmen ausgezählt. Die Formulierungen der «Luzerner Zeitung» sprechen zudem nicht von einer Prognose, einer Hochrechnung oder einem statistischen Modell, sondern ausdrücklich von Resultaten und davon, wie die Gemeinden abgestimmt haben.
Keine amtlichen Resultate
Die offiziellen Abstimmungsinformationen des Bundes und des Kantons Wallis weisen den 27. September – weiterhin – als bevorstehenden Abstimmungstermin aus. Die tatsächlichen Gemeindeergebnisse können deshalb erst nach der Auszählung am Abstimmungssonntag feststehen.
Damit stellt sich eine naheliegende Frage: Was genau zeigen die auf der Webseite der «Luzerner Zeitung» veröffentlichten Zahlen?
Handelt es sich um eine Prognose? Sind es Daten aus früheren Abstimmungen? Wurden sie aus einem statistischen Modell berechnet? Oder liegt schlicht ein Fehler bei der Datenaufbereitung beziehungsweise bei der Veröffentlichung der Seite vor?
Gerade weil die Seite nicht als Prognose gekennzeichnet ist, läßt sich dies für Leserinnen und Leser nicht ohne Weiteres erkennen.
Ein technischer Fehler?
Bei digitalen Abstimmungsangeboten werden Texte, Karten und Gemeindedaten häufig automatisiert aus Datenbanken zusammengeführt. Ein falsch gesetztes Datum, eine fehlerhafte Verknüpfung oder ein vorzeitig publizierter Datensatz könnte daher theoretisch dazu führen, daß eine Seite bereits vor dem Abstimmungstag mit Daten angezeigt wird.
Das würde allerdings nicht erklären, weshalb die Seite ausdrücklich von den Resultaten vom 27. September spricht.
Ebenso denkbar wäre, dass die Redaktion eine Prognose oder Simulation veröffentlicht hat. Auch dann wäre die Bezeichnung als bereits feststehendes Resultat zumindest erklärungsbedürftig. Eine Prognose ist schließlich etwas grundlegend anderes als ein ausgezähltes Abstimmungsergebnis.
Die Sache läßt sich deshalb auf eine einfache Frage reduzieren:
Woher stammen die Zahlen, die am 22. September für sämtliche Walliser Gemeinden angezeigt werden?
Wenn es sich um Prognosen handelt, müsste dies für die Leser eindeutig erkennbar sein. Wenn es sich um frühere Abstimmungsdaten handelt, müßte angegeben werden, auf welche Abstimmung sie sich beziehen. Und falls tatsächlich die Resultate der Abstimmung vom 27. September gemeint sind, wäre zu erklären, wie diese 5 Tage vor dem Urnengang bereits bekannt sein können.
Bis diese Frage geklärt ist, bleibt der Eindruck zumindest irritierend: Eine Zeitung veröffentlicht eine Seite, die den Eindruck vermittelt, der Kanton Wallis habe bereits abgestimmt – obwohl der Abstimmungstag noch bevorsteht.
Es wäre daher wünschenswert, dass die «Luzerner Zeitung» transparent erklärt, welche Daten hinter der Gemeinde-Karte stehen und wie die ungewöhnliche Datums- und Ergebnisdarstellung zustande-gekommen ist.
Denn der Beitrag vom 22. September 2026 sagt ausdrücklich:
„So hat der Kanton Wallis abgestimmt“
„Die Resultate … vom 27. September 2026 in allen Gemeinden des Kantons Wallis.“
„Die Karten zeigen, wie die Gemeinden im Kanton abgestimmt haben.“
Und das alles datiert auf 22. September, also fünf Tage vor der Abstimmung.
Ergänzung 23.9.2026, kurz vor 12 Uhr mittags
Bisher hat die Redaktion der Luzerner Zeitung auf eine Anfrage nicht geantwortet, was es mit dem Artikel auf sich hat.
Der Beitrag ist derweil weiter aufgeschaltet. Er wurde anscheinend sogar überarbeitet: