Frauke Petry will erneut eine neue Partei gründen
Frauke Petry will wieder eine neue Partei gründen. Dies kündigt sie bei Marc Friedrich an, welcher ein Gespräch mit ihr veröffentlicht.
Die Partei, die nicht das Wort Partei im Namen haben soll, soll im Namen das Wort Freiheit haben.
Mit Friedrich entsteht ein interessantes Gespräch, kritische Fragen bleiben jedoch gänzlich aus.
Die Kernfrage stellt Friedrich leider nicht
Die entscheidende Frage, die man sich doch als Erstes stellt, stellt Friedrich leider nicht: Warum Petry glaubt, daß sie nicht wieder scheitern wird wie mit ihrer neuen Partei „Die Blauen“. Was soll bei Freiheitsteam (so möglicherweise der neue Name der neuen Partei) anders sein als bei „Die Blauen“?
Was also soll anders werden mit der neuen Partei, nach AfD, nach Die Blauen?
Fragen, die nicht gestellt wurden
Er fragt auch nicht, was Petry aus ihrer Sicht im Nachhinein denn damals bei der Gründung von „Die Blauen“ falsch gemacht habe. Warum sie scheiterte. Eigentlich ja ein absolutes Muß, sowas zu fragen, wenn Petry in einem Gespräch (abermals) eine neue Parteigründung ankündigt. Was will sie anders machen, warum glaubt sie, jetzt nicht abermals zu scheitern?
Das ist doch, was man sich als Erstes fragt, ist, warum es diesmal klappen soll, wenn jemand, der nach dem Rückzug aus der AfD bereits einmal eine Partei gegründet hat und scheiterte, das jetzt wieder macht und das nun sogar – so die Schlagzeile im Video-Titel sogar gleich „Das Ende der AfD“ sein soll.
Petry: AfD hätte mehr Potential
Die AfD hätte viel mehr Potential, wäre sie nicht so rechts, so Petry. Hier hätte Friedrich doch äußern müssen, daß die Wähleranteile der AfD nach dem Ausscheiden von Petry sich fast verdoppelt hat. Und fragen müssen, warum die AfD unter Petry von einer liberal-konservativen zu einer national-konservativen Partei umgestaltet wurde.
Hatte die AfD 2017 unter Petry, Weidel und Meuthen noch 12,6% Wähleranteil, so lag er 2025 bereits bei 208%.
Auch wäre interessant gewesen, wie sich Petry dazu äußert, daß die Partei AfD unter ihrer Führung zu einer rechtspopulistischen, nationalkonservativen Partei wurde. Eine Richtung, die sie jetzt scharf kritisiert. Wie äußert sie sich dazu, daß diese Richtung unter ihr eingeschlagen wurde? Auch das fragt Friedrich nicht.
Warum sollten Leute mitmachen?
Auch fragt sich, warum jemand bei einer Partei mitmachen soll, die von einer Frau die schon einmal mit einer Parteigründung scheiterte. Und die charakterlich kein schönes Verhalten an den Tag legte als sie einen Machtkampf verlor. Dies, nachdem sie die Partei rechtsaußen positioniert hatte und gemäßigtere Personen wie Weidel und Meuthen das Ruder übernahmen.
Viele weitere Fragen, die nicht gestellt wurden
Auch hätte Marc Friedrich doch fragen können, ja müssen, warum ausgerechnet Petry, die die Partei nach rechtsaußen führte, plötzlich geißelte (nach ihrem Parteiaustritt nach dem verlorenen Machtkampf), daß die Partei zu rechts geworden sei.
Auch eine interessante Frage im Zusammenhang mit dem Thema Freiheit wäre gewesen, was aus der Klage gegen den Biontech-Vorstand Uğur Şahin geworden ist, dem sie (zu recht) vorwarf, falsche Informationen über den Impfschutz verbreitet zu haben.
Rückblende: Die Richtung der AfD unter Frauke Petry
Unter Frauke Petrys Führung wurde – nachdem sie einen Machtkampf gegen Professor Bernd Lucke gewann – aus einer rechts-stehenden wirtschaftsliberal-freiheitlichen Partei eine nationalkonservative Partei.
Dann, als sie einen späteren Machtkampf verlor, trat sie aus der Partei aus. Und geißelte die Partei öffentlich als quasi igitt-igitt und als zu rechts. Sie äußerte öffentlich in der Leipziger Volkszeitung, sie verstehe, wenn die Wähler über Äußerungen von Alice Weidel und Alexander Gauland „entsetzt“ seien.
Pikant am Vorgang außerdem: Direkt einen Tag nach der Bundestagswahl 2017 teilte sie überraschend mit, sie werde aus der AfD austreten. Heimlich hatte sie bereits vor der Bundestagswahl die Gründung einer neuen Partei (Die blaue Partei) initiiert.
Schlechte Verliererin: Petry versuchte der AfD nach ihrem Austritt öffentlich zu schaden, indem sie Parteispenden öffentlich anproangerte, die die Partei erhalten haben soll ohne sich an die rechtlichen Rahmenbedingungen zu halten.
Fazit
Ein durchaus interessantes Gespräch, aber eben, die Kernfrage fehlt leider.
Zumindest sofern das Thema, wie in der Schlagzeile und im Video-Titel beschrieben, die Neugründung von Frauke Petry sein solle: „Das Ende der AfD? Petry kündigt neue Partei an“. Zumal sich die AfD vermutlich weniger Sorgen machen wird als Friedrich schlagzeilt, zumal Petry ja schonmal es versucht hat, mit einer neuen Partei das Ende der AfD einzuleiten. Insofern erscheint der Titel ein bißchen komisch oder gewollt reißerisch, was nichts daran ändert, daß das Gespräch durchaus interessant ist.
Auch andere wichtige Fragen, die sich hinsichtlich der Glaubwürdigkeit von Petry stellen wurden leider nicht gestellt.
Weiterführendes
www.welt.de/politik/deutschland/plus243800797/Corona-Impfung-Frauke-Petry-und-Marcus-Pretzell-verklagen-Biontech.html
www.oz-online.de/artikel/1340793/Darum-will-Frauke-Petry-Schmerzensgeld-vom-Impfhersteller
rp-online.de/politik/deutschland/bundestagswahl/afd-frauke-petry-distanziert-sich-von-alice-weidel-und-alexander-gauland_aid-18020083
(rm)