Sepp Blatter gibt Buch heraus: «Overtime. Die wahre Geschichte» – Scharfe Kritik an Infantino
Sepp Blatter feiert am Sonntag seinen 88. Geburtstag. Er war über Jahrzehnte der mächtigste Mann im europäischen Fußball.
Der bekannte ehemalige Fifa-Präsident gibt nun im Helvetia-Verlag ein Buch heraus: «Overtime. Die wahre Geschichte».
Das Buch, da ab das heute Freitag in den Handel erhältlich ist, ist bereits umstritten.
Oberwalliser aus Visp gegen Oberwalliser aus Brig: Rundumschlag gegen Infantino
Blatter nutzt das Buch nicht bloß, um an seiner Rehabilitierung zu stricken, sondern auch für scharfe Kritik an seinem Nachfolger Gianni Infantino aus Brig.
Das klingt dann etwa so: «Manchmal wähne ich mich im falschen Film. Was ich in vier Jahrzehnten bei der Fifa aufgebaut habe, will mein Nachfolger fast schon mit pathologischer Konsequenz zerstören.»
Oder auch: «Ich war der festen Überzeugung, daß mit Infantino als Nachfolger eine geordnete und würdevolle Stabübergabe garantiert war. Es sollte meine wohl größte Fehleinschätzung in einem halben Jahrhundert Berufsleben sein.»
Selbstkritik hingegen übt er keine.
Der aus Visp stammende Blatter machte während seiner Tätigkeit für die Fifa immer wieder mit Vorwürfen zu finanziellem Mißmanagement und auch zu Korruption Schlagzeilen.
Blatter und auch Infantino waren beide im Fifa-Prozeß angeklagt. Und wurden schließlich freigesprochen.
Im Juni 2015 kündigte Blatter seinen Rücktritt an und kam damit etwas zuvor. Er wurde noch im selben Jahr von der Fifa-Ethikkommission für 8 Jahre von sämtlichen Fußball-Aktivitäten ausgeschlossen. Ein Berufungsgericht der Fifa reduzierte den Ausschluß später auf 6 Jahre.
Blatter bestätigte später, daß sein Rücktritt auf Druck der US-Justiz erfolgt sei.
Im Buch allerdings mutmaßt er, daß die gegen ihn (und Michel Platini) verhängte Sperre von Infantino und seinem Umfeld initiiert wurde, damit Infantino anstatt Platini das Fifa-Präsidium übernehmen könne. Sein Verlag schreibt dazu bei der Buchvorstellung:
“41 Jahre engagierte sich Sepp Blatter für den Fußball und für die FIFA. Im Oktober 2015 mußte er sein Büro Knall auf Fall räumen. Stattdessen wurde Blatter von den Medien zum Dr. Blofeld des Weltsports erklärt und von seinem Nachfolger mit Klagen eingedeckt. Gesundheitlich erlebte er schwere Rückschläge. Acht Jahre später sind alle Anschuldigungen und Unterstellungen wie Kartenhäuser in sich zusammengefallen – und Sepp Blatter ist noch immer da.”
Rückblende
Blatter war 1975 zur Fifa gekommen, damals als Direktor für Entwicklungsprogramme. Ab 1977 war er technischer Direktor. Von 1981 und 1998 schließlich Generalsekretär der Fifa. Die Wahl zum Fifa-Präsidenten fand am 1998 statt.
(rm)