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Thursday November 23rd 2017

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Zürich: Wachsendes Interesse an energiebewußtem Bauen

Energieeffizientes Bauen liegt im Trend. Dies zeigt die Zwischenbilanz zum Energie-Schulung der Stadt Zürich. Das neue Beratungsangebot für energieeffiziente Neubau- und Sanierungsprojekte wird von den Bauwilligen zunehmend genutzt. Im ersten Jahr haben rund zwanzig unabhängige Fachleute im Auftrag der Stadt über 50 Neubauten und Sanierungen begleitet.

Archiv-Bild einer Baudämmung: Baumarkt24.ch

Foto Baudämmung: Baumarkt24.ch

Das Förderangebot Energie-Schulung wird sowohl von den Bauherrschaften wie auch von Architektinnen und Planern sehr positiv bewertet, wie die Rückmeldungen zeigen. In der Stadt Zürich werden pro Jahr rund 200 Häuser neu erstellt und rund 800 saniert.

In diesen Bauprojekten steckt viel energetisches Sparpotenzial. Deshalb unterstützt die Stadt Zürich energieeffiziente Sanierungs- und Neubauprojekte mit Beratungsleistungen wie dem Energie-Schulen.

Dabei übernimmt sie einen Teil der Kosten für die externen Energie-Schuler, abhängig vom erreichten Energiestandard. Bei einem besonders energiefreundlichen Projekt werden sogar die vollen Kosten für das Schulen zurückerstattet (für Projektierung/Ausschreibung und Realisierung). Das Angebot wurde Mitte 2009 im Rahmen des Legislaturschwerpunkts «Nachhaltige Stadt Zürich – auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft» lanciert. Die Pilotphase läuft bis Ende 2012. Der Gemeinderat entscheidet Anfang 2012, ob das Angebot als feste Dienstleistung weitergeführt wird.

Neu ist nebst dem Hauseigentümerverband (HEV Zürich) auch der Schweizerische Verband der Immobilienwirtschaft (SVIT Zürich) Kooperationspartner des Energie-Schulens.

Unabhängige Begleitung für Bauprojekte
Welche energetischen Massnahmen sind sinnvoll? Mit welchen Anforderungen werden die energetischen Ziele erreicht? Was gilt es bei Gesuchen für Fördermittel zu beachten? Solche und ähnliche Fragen kennen Bauwillige zur Genüge. Die unabhängigen Energie-Schuler sorgen in solchen Situationen für Entscheidungssicherheit, beurteilen Preis-Leistungsverhältnisse verschiedener Maßnahmen und suchen wirkungsvolle Lösungen. Rund zwanzig Experten für Gebäudehülle und Haustechnik sind für die Stadt Zürich als Energie-Schuler unterwegs. Sie wurden aufgrund ihrer ausgewiesenen Erfahrungen ausgewählt – zwei von ihnen tragen den «Watt d’Or», eine Auszeichnung des Bundesamtes für Energie für Bestleistungen im Energiesparen.

Die Energie-Schuler begleiten Bauprojekte für Wohn- und Geschäftsbauten über alle Phasen – von der strategischen Planung, über die Bauplanung bis zur Realisierung. Vor Ort zeigen sie der Bauherrschaft, welche Möglichkeiten bestehen und wie konkrete Umsetzungsschritte aussehen. In Zusammenarbeit mit dem Architekten oder der Planerin treffen sie technische und rechtliche Abklärungen. Wo notwendig, prüfen sie denkmalpflegerische Auflagen. Falls gewünscht, können die Bauherrschaften zudem ein subventioniertes Zusatzangebot für Fragen zur Immobilienökonomie anfordern, wie zum Beispiel zur Berechnung von Rendite oder Mietzins.

Beispielhafte Bauprojekte dank Zusammenarbeit mit Energie-Schuler
Unter den umgesetzten und laufenden Neubauten und Sanierungen finden sich einige herausragende Projekte. So baut derzeit Architekt Mischa Badertscher ein über 60-jähriges Einfamilienhaus in Zürich-Höngg zum Nullenergie-Haus um, samt energiefreundlicher Erweiterung mittels Anbau und Dachaufstockung. Dem Energie-Schuler Andreas Edelmann ist die vorbildliche Energieversorgung zu verdanken: Künftig wird das Gebäude die benötigte Energie für Warmwasser und Heizung mittels Erdsondenwärmepumpe und Fotovoltaik-Solaranlage aus seiner direkten Umgebung beziehen.

In vielen Fällen haben die Energie-Schulers die Bauherrschaften überzeugen können, daß eine energetische Gesamtbetrachtung der Liegenschaft sowohl aus ökologischer als auch aus finanzieller Sicht gegenüber Einzelmaßnahmen ohne energetisches Konzept vorzuziehen ist. Bei den Sanierungsprojekten hat sich allerdings gezeigt, daß bei rund einem Drittel der Gebäude Auflagen von Seiten der Denkmalpflege bestehen und in diesen Fällen der MINERGIE-Standard kaum erreichbar ist.

Architekt Peter Moor, der ein Sanierungsprojekt an der Zürcher Dufourstraße bearbeitet, schätzt die Zusammenarbeit mit Energie-Schuler Karl Viridén außerordentlich. Der Schuler half ihm, verschiedene Energieaspekte zu einem sinnvollen Gesamtsystem zusammenzuführen und effizient zu bearbeiten. In den Details konnte der Energie-Schuler ihm viel Arbeit abnehmen. Er verfügt zum Beispiel über spezialisierte Berechnungsprogramme oder den notwendigen Durchblick bei administrativen Prozessen und bei Fragen bezüglich Förderbeiträge. Der Architekt ist von diesem Beratungsangebot überzeugt und will auch bei einem neuen Projekt gerne wieder mit einem Energie-Schuler zusammenarbeiten.

Eine Befragung der betreuten Bauherrschaften zeigt, daß für sie Klima- und Umweltschutz ein wichtiges Anliegen ist. «Umweltbewußtsein» ist der meist genannte Begriff auf die Frage, weshalb sie sich an das Energie-Schulung gewendet haben. «Werterhaltung» und «Wertsteigerung der Immobilie» wurden deutlich weniger oft genannt. Dennoch profitiert längerfristig auch das Portmonee von energieeffizienten Maßnahmen. Die Analyse der Projekte lässt noch andere interessante Schlüsse zu: Zwei Drittel der mit dem Energie-Coaching betreuten Objekte betreffen Mehrfamilienhäuser. Das läßt vermuten, dass die Vermieterinnen und Vermieter eine geänderte Nachfrage auf dem Immobilienmarkt spüren. Immer häufiger werden auch Mietwohnungen im MINERGIE-Standard gewünscht.

Auskünfte für Bauwillige und Fachleute:
Stadt Zürich, Geschäftsstelle Energie-Coaching
Telefon 044 412 24 24 (Dienstag bis Freitag, 9.00 bis 12.00 Uhr)