NoBillag startet Schwarmfinanzierung

Der Abstimmungskampf zu „No Billag“ ist bereits in vollem Gang, obwohl die Abstimmung erst am 4. März stattfindet; die Initiative ist überraschend stark gestartet und erhält derzeit sehr viel Zuspruch – insbesondere von jungen Menschen.

In der jüngsten Leserumfrage von 20 Minuten sprachen sich fast 80 Prozent der Teilnehmer für „No Billag“ aus.

Zwangsgebühren-Befürworter sind milliardenschwer

Doch das Nein-Lager, hauptsächlich bestehend aus den Profitören der jährlich 1,4 Mrd. Billag-Gebühren, hat organisatorisch und finanziell einen Vorsprung.

NoBillag startet Schwarmfinanzierung

Um den Rückstand aufzuholen, starten die Initianten heute – gleichzeitig mit dem Auftritt von Olivier Keßler und Andreas Kleeb in der heutigen Arena des Schweizer Fernsehens – die größte politische Schwarmfinanzierungs-Aktion in der Schweizer Geschichte.

Die Regeln sind einfach:

Innerhalb eines Monats müssen über größere oder kleinere Spenden total 100 000 Franken zusammenkommen. Gelingt dies nicht, so erhalten alle Spender ihr Geld zurück. Kommt der Betrag zustande, so gibt es eine reelle Chance, mit einer innovativen politischen Kampagne das Vorhaben ins Ziel zu tragen.

Jede Spende hilft dabei, den aktuellen Trend umzukehren, der zu einer immer dominanteren Rolle des Staates in den Schweizer Medien führt. Eine Spende für „No Billag“ ist eine Spende für

  • eine Vergrößerung des Spielraums für nicht subventionierte, private Anbieter
  • eine Verkleinerung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft
  • mehr Wahlfreiheit für die Konsumenten: Wo wollen sie sich informieren?
  • eine weniger einseitig wirtschaftsfeindliche Medien-Berichterstattung

Unternehmer sollen geschröpft werden ab 2019

 Welcher Firmeninhaber schaut in seiner Firma während der Arbeitszeit Staatsfernsehen? Selbst die, die privat – wenn überhaupt – noch die langweiligen und einseitigen Sendungen des SRF konsumieren, schauen sicher nicht während der Arbeitszeit fern. Die Mitarbeiter sicher noch weniger.

Insbesondere für jene Personen, die unternehmerisch aktiv sind, dürfte sich ein Einsatz für No-Billag lohnen. Mit dem Systemwechsel bei der Billag per 2019 zahlen sämtliche Unternehmen in Abhängigkeit vom Jahresumsatz die folgende ​Billag-Gebühr – es sei denn, sie wird am 4. März an der Urne abgeschafft.

Webpräsenz von NoBillag

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Was falsch läuft in der Medienförderung

 

 

De Wecks Katastrophen-Mannschaft

von Nationalrat Ulrich Schlüer, Chefredaktor «Schweizerzeit»

Katastrophen stellen auch Medien und ihre Macher auf die Probe. Nie hebt sich Professionalität deutlicher von Dilettantismus ab, als wenn über umwälzende Entwicklungen und Grosskatastrophen kompetent und sachgerecht zu berichten wäre.

Roger de Weck: Alles andere als ein Glücksfall für die Qualität der Berichterstattung des SF (Schweizer Fernsehen)

Roger de Weck: Alles andere als ein Glücksfall für die Qualität der Berichterstattung des SF (Schweizer Fernsehen)

Wie begeistert leuchteten doch die Augen der 10-vor-10-Moderatorinnen, als sie die «Revolution in Libyen» und das unweigerliche Ende des irren Gewaltpotentaten Gaddafi ausriefen, der gleichsam vor den Augen der Öffentlichkeit von den «der Demokratie ergebenen Revolutionären» der «Facebook-Generation» aus Macht und Palästen gefegt werde.

Träume und Realitäten
Dazu sah man Bilder: Teilweise uniformierte bärtige Gesellen montierten nicht unbedingt moderne Maschinengewehre auf Pick-Ups. Oft und genussvoll, immer unter kehligem Triumphgebrüll, schossen sie in die Luft. Und ständig posierten sie mit V-Zeichen. Soll das eine disziplinierte Truppe sein, die Gaddafi und seine ihm ergebene, immerhin gut ausgebildete Söldner-Garde für alle Zeit ins Jenseits befördern würde?

Die Bilder illustrierten die Realität präziser als die leuchtenden Augen der Studio-Revolutionärinnen im Schweizer Fernsehen: Nicht Revolutionsrausch, vielmehr Gaddafis Macht setzte sich durch. Bundespräsident Calmy-Reys naive Idee, irgendein Schweizer Gericht zur Anklage gegen Gaddafi in der Erwartung aufzufordern, dieser würde dann reumütig vor die Schranken der hiesigen Justiz kriechen, löste sich auf in peinliches Nichts.

Die TV-Moderatorinnen, wenige Tage später völlig belämmert ob der Einsicht, dass die Realität mit ihren pubertären Revolutionsträumen nichts, aber auch gar nichts zu tun hat, schienen fast erleichtert, dass sie ihren emotionalen Frust ob der Entwicklung in Nordafrika in den noch weit dramatischeren Ereignissen, die aus Japan kommend die Welt aufschreckten, regelrecht ertränken konnten. Aber erneut hat Pose die sachbezogene Information nach nur wenigen Stunden wieder verdrängt: Waren die bedeutungsschwangeren Auftritte der TV-Grössen angesichts der fürchterlichen Wasserkatastrophe noch einigermassen nachvollziehbar, so geriet ihr rasches Einreihen in jene Front, die das Leid der Japaner umgehend für energiepolitische Kampagnen hierzulande auszubeuten begannen, nur allzu rasch wieder zur Peinlichkeit – weil, abgesehen von der skrupellosen Leid-Ausbeutung – völlig ausgeklammert wurde und wird, dass von der Energieversorgung der Länder Europas ohne jeden Zweifel Millionen Arbeitsplätze abhängig sind – vielleicht sogar solche von TV-Moderatorinnen.

Beispiele
Wiederum präsentierten uns ahnungslose Besserwisser(-innen) Wissenslücken, Übertreibungen, Verfälschungen und Überdramatisierung in schlechthin bizarrem Ausmass.

Beispiel Spezial-Frühtagesschau am 16. März um sieben Uhr: Sonderkorrespondent Stalder glaubt endlich von wachsendem Unmut, von wachsender Bereitschaft zu Protestaktionen in der bewundernswert kontrolliert handelnden japanischen Bevölkerung berichten zu können. Begierig befragt, wie sich solch wachsende Unruhe denn äussere, erzählt er Geschichten über Japanerinnen und Japaner, die in höchst disziplinierter Weise ihre persönlichen Vorräte an Lebensmitteln und anderem zu ergänzen suchten. Wenn – berichtete Stalder – ein Gestell in einem Verkaufsladen geleert sei, dann entschuldige sich der Käufer des letzten Stückes im Gestell beim nächsten Kaufwilligen – oder teile gar das Eingekaufte mit ihm. Sind solche Zeugnisse respektheischender Kontrolliertheit in äusserst schwierigen Momenten neuerdings Anzeichen von sich bildenden Protestaktionen? Der Sonderkorrespondent berichtete beides in der gleichen Sendung in ein und derselben Minute.

Die Moderatorin machte die Zuschauer gleichzeitig auf den unmittelbar bevorstehenden Super-Gau im Atomkraftwerk aufmerksam – weil 750 Techniker aus der Gefahrenzone zurückgezogen worden seien. Trifft, kaum eine Minute später, eine weitere Meldung ein, aus der die Rückkehr von fünfzig Technikern in die defekte Anlage hervorgeht, fragt die gleiche Moderatorin den im Studio eingetroffenen Kernenergie-Experten unvermittelt und allen Ernstes, ob aus dieser Rückkehr jetzt das Ende aller Gefahr abzuleiten sei…

Information oder Kampagnen-Journalismus
Eines scheint für die «Informations-Spezialisten» in TV-Direktor de Wecks Katastrophen-Truppe unfassbar: Dass eine Regierung ausschliesslich gesicherte Information verbreitet und nie behauptet, alles zu wissen, weswegen sie auf alle Mutmassungen verzichtet. Dass sich diese Regierung dem Druck skrupelloser Katastrophen-Aufschaukler konsequent entzieht, wenn diese die Tausenden, die der Wassernot zum Opfer gefallen sind, dazu benutzen wollen, eine Kampagne gegen die Energieversorgung in Europa, auch in der Schweiz zu entfesseln. Und – auch das gehört zur Realität: Dass Japans heimgesuchte Bevölkerung dem grundsoliden, jeder Effekthascherei entsagenden Informations-Konzept ihrer Regierung offensichtlich vertraut – und sich ihrerseits nicht dazu hergibt, den Kampagnen-Inszenatoren in Europa als Staffage zu dienen.

Zum Vergleich: Wenn hier der Anwalt einer Gruppe von Kernenergie-Gegnern ein einige Jahre altes Gutachten (Schweizer Radio, 18. März, Mittagsnachrichten) mit angeblichen Tatsachen präsentiert, die kaum ein einziger Zuhörer auf Bedeutung und Wahrheitsgehalt beurteilen kann, vermeldet das Schweizer Radio sofort «brisante Enthüllungen». Japan, um die Bevölkerung nicht mit ungeprüften Pseudo-Sensationen oder blossen Mutmassungen in Panik zu jagen, vermeldet derweil bloss sicher Beurteilbares – ohne je zu behaupten, damit für alle Zeiten alles gesagt zu haben.

Ungesagtes
Es ist somit unausweichliche Folge, dass Europa, laufend eingedeckt mit immer neuen, allerdings selten auf Wahrheitsgehalt überprüfbaren Horror-Meldungen, einige sehr wesentliche Fakten verborgen bleiben, welche die Japaner hingegen wissen: Zum Beispiel, dass sämtliche Atomkraftwerke im Katastrophengebiet – diese Tatsache begründet den derzeitigen Energiemangel in Japans Industrie – im Moment des Unterwasser-Erdbebens ausnahmslos automatisch abgeschaltet worden sind. Dass die jetzigen Probleme in einem dieser Kraftwerke ausgelöst wurden, während sich dessen Energieproduktion bereits im Stadium des Herunterfahrens befand – erst in diesem Stadium wurde es von der Tsunami-Welle getroffen, welche die Kühlvorrichtung zerstörte. Zum Vergleich: Tschernobyl explodierte seinerzeit, als es auf Voll-Leistung geschaltet war.

Daraus resultierende unterschiedliche Entwicklungen erfuhren die Fernsehzuschauer hierzulande nicht. Solche Sachinformation passt offenbar nicht in die Kampagnen-Inszenierung, die in Europa bereits die Oberhand gewonnen hat.

Grundsätze
Tritt eine Katastrophe ein, ist zuallererst zu fragen: Sind Anlagen hier bei uns unmittelbar gefährdet? Besteht für die hiesige, für die Schweizer Bevölkerung offenkundige Gefährdung, die sofortige Schutzmassnahmen auslösen müsste?

Ist das – wie im Fall Japan – zu verneinen, dann gelten zwei Grundsätze: Selbstverständlich soll mit aller nur denkbaren Gründlichkeit untersucht werden, wie es in Japan zur Katastrophe kam und ob aus der eingetretenen Katastrophe zusätzliche Massnahmen, zusätzliche Vorkehrungen abzuleiten und zu treffen sind, welche die Sicherheit der bei uns stehenden Anlagen weiter zu erhöhen hätten.

Falsch aber ist es, einfach einmal irgendwie zu handeln, bevor Klarheit besteht, was tatsächlich und warum geschehen ist. Ahnungslose Besserwisser, die allein «um irgend etwas zu tun» kopflos dreinschiessen, sind schlechte Problembewältiger.

Die Energieversorgung auch unserer Wirtschaft ist doch etwas zu wichtig, als dass sie inszeniertem Kampagnenjournalismus überlassen werden darf.

Mediengau

Höchste Höhen, tiefste Tiefen:

In höchste Höhen sollte die Schweiz aufsteigen, ins Weltall. Und es rauschte kräftig im Schweizer Blätterwald und in den Fernsehern der Schweizer TV-Konsumenten.

Als herauskam, daß die vermeintliche Schweizer Astronautin eine 25jährige Lehrerin ist, kam es dann zu tiefsten Tiefen. Medialen Tiefen.

Die Weltwoche berichtet über das peinliche Mediengau-Ereignise (Bildschirmfoto: Artikel zur Sache)

Eine Besonderheit der Schweiz ist die Häufung von solchen medialen Tiefen, die im besten Fall bloß Zeitungsenten und im schlechtesten Fall Mediengau-Ereignisse sind.

Wie kann es immer wieder soweit kommen?

Solche Mediengäue entstehen, wenn nicht recherchiert wird, sondern um der heißen Geschichte willen nur noch einer vom anderen abschreibt und rasch auch von den Leserzahlen der tollen Geschichte profitieren will.

Eine Besonderheit ist allerdings nicht nur die extreme Häufung von Mediengau-Fällen selbst, sondern auch der Umgang damit, wenn sich Ereignisse als Mediegäue entpuppt haben.

Hier waltet auf einmal die Schweizer Diskretion. Manch ein Hochjubler der Geschichte bringt es nicht einmal fertig, sich danach zu der Sache gegenüber seinen Lesern oder Zuschauern (Schweizer Fernsehen) zu äußern.

Peinliches Totschweigen, auffallend „laute Stille“.

Das jüngste Ereignis war nun, daß die Schweiz angeblich mit der 25jährigen Barbara Burtscher im Weltraum vertreten sein sollte.

Eine besonders unrühmliche Rolle spielten Swissinfo und das Schweizer Fernsehen. Und: Das Totschweigen danach macht den Mediengau erst zu etwas, was man durchaus mit dem Wort Medienskandal oder Presseskandal betiteln könnte.

Nachzulesen in der Weltwoche vom 19. August: Zum Artikel