Der Bundesrat verabschiedet die Nationale Strategie Sucht

Dank ihr kann auch auf wachsende Herausforderungen wie Medikamentenabhängigkeit, Geldspielsucht oder exzessive Internetnutzung reagiert werden.(Symbolbild)

Dank ihr kann auch auf wachsende Herausforderungen wie Medikamentenabhängigkeit, Geldspielsucht oder exzessive Internetnutzung reagiert werden.(Symbolbild)

Der Bundesrat hat die Nationale Strategie Sucht verabschiedet. Sie beruht auf den aktuellen Programmen im Bereich Drogen, Alkohol und Tabak und berücksichtigt auch neue Formen von Sucht. Ziel der Strategie ist es, Suchterkrankungen zu verhindern, suchtgefährdete Menschen frühzeitig zu unterstützen und den betroffenen Menschen die notwendige Hilfe zukommen zu lassen. Der Bundesrat hat das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) beauftragt, bis Ende 2016 einen Massnahmenplan zu entwickeln.

Die Nationale Strategie Sucht ist die koordinierte Antwort auf Risikoverhalten und Sucht im Rahmen der gesundheitspolitischen Prioritäten
„Gesundheit2020″. Dank ihr kann auch auf wachsende Herausforderungen wie Medikamentenabhängigkeit, Geldspielsucht oder exzessive Internetnutzung reagiert werden.

Die Strategie Sucht geht im Grundsatz davon aus, dass die Menschen Verantwortung für ihre Lebensweise und ihr Verhalten übernehmen. Sie ist darauf ausgerichtet, die Gesundheitskompetenz aller zu stärken und über die Risiken und möglichen Folgen bestimmter Verhaltensweisen zu informieren. Sucht und Risikoverhalten sind Ursache für viel Leid, sowohl für die Betroffenen wie für ihr Umfeld. Folgen wie Arbeitslosigkeit, Sozialhilfebezug, Verschuldung oder instabile Wohnverhältnisse sind schwerwiegend und führen zu hohen sozialen Kosten. Der übermässige Alkoholkonsum beispielsweise verursacht jedes Jahr Kosten von rund 4,2 Milliarden Franken für die Allgemeinheit.

Die Strategie bezieht alle suchtgefährdenden Substanzen und Verhaltensweisen ein und formuliert gemeinsame Ziele etwa zum Jugendschutz oder zur Sicherung der Behandlungsqualität. Sie bündelt die Kräfte aller Akteure aus der Prävention, Schadensminderung und Therapie sowie aus den Bereichen Soziales, Justiz und Polizei, was dem in der Schweiz bewährten Viersäulenmodell entspricht (Prävention, Therapie, Schadensminderung und Regulierung).

Anhörungsergebnisse

Die Strategie Sucht wurde von einer grossen Mehrheit der Anhörungsteilnehmenden positiv beurteilt. Die Akteure der Bereiche Sucht, Gesundheit und Soziales begrüssen es, dass die Kooperation und die Koordination zwischen den verschiedenen Interventionsebenen verstärkt werden soll. Rund zehn Akteure aus dem Wirtschaftsbereich, vor allem Vertreter der Tabak- und Alkoholindustrie, weisen die Strategie zurück, die ihrer Meinung nach eine zunehmende Reglementierung im Tabak- und Alkoholmarkt zur Folge hat.

Bis Ende 2016 wird in Zusammenarbeit mit den wichtigsten Partnern ein Massnahmenplan entwickelt. Die Harmonisierung mit der Strategie zur Vorbeugung nichtübertragbarer Krankheiten und mit dem Bericht «Psychische Gesundheit in der Schweiz» wird dabei ein wichtiges Anliegen sein.

Mehrheit der Jugendlichen nutzt Internet und Internetspiel häufig, aber nicht exzessiv

Jugendliche und junge Erwachsene in der Schweiz surfen jeden Tag durchschnittlich zwei Stunden im Internet. Nur eine kleine Minderheit zeigt ein exzessives und damit problematisches Nutzungsverhalten.

Dies zeigt ein Bericht des Bundesrates. Mit seinem Bericht beantwortet der Bundesrat die Postulate Forster-Vannini (09.3521) und Schmid-Federer (09.3579) zum Gefährdungspotential von Internet und Internetspielen (Denglisch „online games“).

Das Internet zählt zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten der Schweizer Jugend: Jugendliche verbringen an Wochentagen durchschnittlich rund zwei Stunden im Internet, an freien Tagen knapp eine Stunde mehr. Die Nutzungsdauer variiert jedoch stark:

Internetsucht: Die meisten Jugendlichen nutzen in der Schweiz das Internet maßvoll (Karte: Internetnutzung Welt und Europa)

Internetsucht: Die meisten Jugendlichen nutzen in der Schweiz das Internet maßvoll (Karte: Internetnutzung Welt und Europa)

Einige sind nur wenige Minuten onlein, andere sörfen täglich mehrere Stunden im Web. Die allermeisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen nutzen das Internet indes in einem angemessenen zeitlichen Rahmen. Ein problematisches Nutzungsverhalten weisen nur rund 2,3% von ihnen auf.

Eine exzessive Internetnutzung geht häufig Hand in Hand mit physischen und psychischen Beschwerden, denn der Kontrollverlust über die Internet-Zeiten wirkt sich auf das Ernährungsverhalten, die Bewegung und den Schlafrhythmus aus, und das vermehrte Sitzen vor dem Rechner kann zu Muskelabbau und Haltungsschäden führen.

Personen mit exzessiver Internetnutzung neigen zudem eher zum Suchtmittelkonsum und leiden häufiger unter psychischen Problemen wie Angststörungen, Depressivität oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) als die Durchschnittsbevölkerung.

Ansätze für Prävention und Früherkennung

Neben der Bestandesaufnahme zur Internetnutzung bietet der Bericht einen Überblick über die aktuellen Ansätze für Prävention und Behandlung exzessiver Internetnutzung. Mögliche Maßnahmen werden in vier Phasen eingeteilt:

1. Primärprävention (Maßnahmen vor Entstehung eines Suchtverhaltens), mit der die persönlichen Ressourcen (z.B. Frustrationstoleranz) und die Medienkompetenz gestärkt werden.

2. Früherkennung gefährdeter Kinder und Jugendlicher.

3. Gefährdungseinschätzung, um bei Problemen rechtzeitig die Phase

4 (Intervention) und die nötigen unterstützenden Maßnahmen einleiten zu können.

Der Bundesrat erteilt dem EDI den Auftrag, die weitere Entwicklung im Bereich der exzessiven Internetnutzung zu beobachten und die Datengrundlage mit bestehenden Monitoringsystemen wie dem Nationalen Suchtmonitoring zu verbessern. Zudem soll die Fachwelt über bestehende Plattformen für die Thematik sensibilisiert werden.

Im Hinblick auf die Prävention der exzessiven Internetnutzung mißt der Bundesrat der Förderung der Medienkompetenz sowie der Früherkennung und Frühintervention hohe Bedeutung zu. Während die Förderung der Medienkompetenz über das nationale Programm Jugendmedienschutz und Medienkompetenz des Bundesamtes für Sozialversicherungen abgedeckt wird, ist die Früherkennung und Frühintervention Bestandteil des dritten Maßnahmenpakets des Bundes zur Verminderung der Drogenprobleme (MaPaDro III).

Von „problematischer Internetnutzung“ wird gesprochen, wenn durch eine übermäßige Nutzung des Internet Dinge des alltäglichen Lebens wie Schlafen, Essen, Arbeit oder Freizeitbeschäftigungen vernachlässigt werden und sich der Lebensmittelpunkt zunehmend in die Virtualität verschiebt. Darüberhinaus ist ein Kontrollverlust über die im Internet verbrachte Zeit zu beobachten.

(Kasino24.ch)