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Monday December 18th 2017

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Modellvorhaben: Neue Wege und Allianzen für die nachhaltige Raumentwicklung

Bild 12Wirtschaft und Bevölkerung wachsen, der Bedarf an Siedlungsflächen nimmt weiter zu. Räume werden dabei intensiv genutzt und immer mehr Ressourcen verbraucht. All dies gefährdet die Qualität von Siedlungen und Landschaften. Gefragt sind für die Schweizer Raumentwicklungspolitik daher innovative Ansätze, wie sie der Bund mit 44 Modellvorhaben gefördert hat. Dabei handelt es sich um Projekte, bei denen neue Möglichkeiten der nachhaltigen Gestaltung von Landschaften und Siedlungsräumen erprobt werden. Die Lösungsansätze dieser Vorhaben wurden heute an einer Tagung in Bern präsentiert. Der Bund unterstützt ab 2014 weitere Projekte dieser Art.

Die Anpassung von Ställen an das Landschaftsbild in der Ostschweiz, Städtenetzwerke im Mittelland oder Jurabogen, Gemeinde übergreifende Planungen neuer Quartiere im Tessin oder die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Genf und Basel: Dies sind einige Beispiele für Modellvorhaben. Lokale, regionale und kantonale Akteure haben in der ganzen Schweiz innovative Lösungen zur nachhaltigen Gestaltung von Landschaften und Siedlungen entwickelt. 44 solcher Modellvorhaben haben die Bundesämter für Raumentwicklung ARE, für Umwelt BAFU, für Landwirtschaft BLW sowie das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO von 2007 bis 2011 begleitet. Gemeinden und Kantone profitierten dabei von technischer und finanzieller Unterstützung.

«Anwendungsorientierte Laboratorien» der Raumentwicklung

Die Träger der Modellvorhaben präsentierten heute ihre Erfahrungen am Forum Nachhaltige Entwicklung in Bern, das unter dem Patronat des Schweizerischen Städteverbands, des Schweizerischen Gemeindeverbands sowie der Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz stattfand. Zeitgleich veröffentlichte der Bund eine Übersicht aller Modellvorhaben in Form einer Broschüre. Einblick in ausgewählte Modellvorhaben verschaffen ausserdem fünf Vertiefungsberichte.

Die Modellvorhaben haben den Charakter von anwendungsorientierten Labors. Sie zeigen neue Möglichkeiten auf für die bereichs- und grenzübergreifende Zusammenarbeit und Koordination, für den Aufbau von Netzwerken, für die Erschliessung regionaler Potenziale, für qualitative Siedlungsentwicklung nach innen oder für die Begrenzung der Siedlungsentwicklung in die Fläche. Neben Kantonen, Regionen und Gemeinden profitiert auch der Bund von den Erkenntnissen der Modellvorhaben: Für wichtige Ansätze des Raumkonzepts Schweiz – wie die Planung in funktionalen Räumen oder den Nutzen-Lastenausgleich – liefern Modellvorhaben wertvolle Erfahrungen. Modellvorhaben offenbaren zudem mit ihrer Praxisnähe, wo Akteuren vor Ort der Schuh drückt und was mit Ausdauer, Wille sowie politischem und konzeptionellem Geschick möglich ist.

Neue Serie läuft ab 2014

Der Bund führt sein Engagement fort und lanciert ab 2014 eine weitere Serie Modellvorhaben. Die Ausschreibung richtet sich an alle Schweizer Gemeinden, Kantone sowie regionalen Akteure und erfolgt Anfang November 2013 auf der Website www.modellvorhaben.ch. Neben den bisherigen werden neu die Bundesämter für Gesundheit BAG, für Sport BASPO, für Strassen ASTRA sowie für Wohnungswesen BWO die Modellvorhaben unterstützen. Zwischen 2014 und 2018 sollen Vorhaben zu fünf Themen realisiert werden.

Der offene Charakter des Instruments Modellvorhaben soll auch künftig erhalten bleiben. Die Ausgangslage ist fast nie identisch und die Ergebnisse können unterschiedlich ausfallen. Die Modellvorhaben sind gewissermassen Laboratorien künftiger Entwicklungen und sollen Lernprozesse in Verwaltung, Politik, Bevölkerung und Wirtschaft anstoßen. So tragen sie zum Austausch von Wissen und Erfahrungen bei und können zu Vorbildern für andere Projekte werden.

Modellvorhaben Nachhaltige Raumentwicklung

Mit diesem Instrument fördert der Bund Projekte von lokalen, regionalen und kantonalen Akteuren, die neue Ansätze und Methoden entwickeln. Die Modellvorhaben sollen Hinweise für die Umsetzung und Weiterentwicklung der raumwirksamen Politiken des Bundes geben.

Die dritte Generation von Modellvorhaben von 2014 bis 2018 hat folgende Schwerpunkte:

  • Siedlungsentwicklung nach innen umsetzen
  • Freiraumentwicklung in Agglomerationen fördern
  • Ausreichendes und bedürfnisgerechtes Wohnraumangebot schaffen
  • Wirtschaft in funktionalen Räumen fördern
  • Natürliche Ressourcen nachhaltig nutzen und in Wert setzen

Die 44 Modellvorhaben von 2007 bis 2011 erarbeiteten Projekte zu folgenden Themen:

  • Zusammenarbeit auf grossregionaler Ebene
  • Regionale Zusammenarbeit im Stadt-Land-Kontext
  • Koordination räumlicher Funktionen – Landmanagement
  • Nutzen-Lastenausgleichssysteme
  • Aufwertung und Inwertsetzung von Natur und Landschaft
  • Erneuerbare Energien
  • Nachhaltiger ländlicher Tourismus
  • Nutzungspotentiale für eine Siedlungsentwicklung nach innen
  • Strategische Teilgebiete der Agglomerationen