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Saturday November 25th 2017

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Kurtheater Baden: Schutzwürdigkeit von EKD bestätigt

Die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD) befürwortet in einem Gutachten die Erhaltung des Sachs-Foyers im Kulturtheater Baden. Der Kanton Aargau hat dieses Gutachten in Absprache mit der Stadt Baden in Auftrag gegeben, da sich im Zusammenhang mit einer umfassenden Sanierung und Erweiterung des Kurtheaters verschiedene denkmalpflegerische Fragen ergaben, die von der Stadt Baden und der kantonalen Denkmalpflege unterschiedlich beurteilt wurden.

Die EKD befürwortet die vorgesehene Umhüllung des Foyers nur, falls eine weitestgehende Substanzerhaltung aufgrund bautechnischer Gegebenheiten und zwingender Nutzungsanforderungen unmöglich ist.

Schutzwürdigkeit bestätigt: Das Kurtheater in Baden (Foto: Kurtheater Baden)

Schutzwürdigkeit bestätigt: Das Kurtheater in Baden (Foto: Kurtheater Baden)

Zur Klärung der unterschiedlichen Haltungen zwischen der kantonalen Denkmalpflege und der Stadt Baden bezüglich dem denkmalpflegerischen Umgang mit dem Sachs-Foyer beim geplanten Umbauvorhaben des Kurtheaters Baden wurde im gegenseitigen Einvernehmen die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD) beigezogen. Diese hat das Gebäude im März dieses Jahres besichtigt und ein fundiertes und umfassendes Gutachten zum architekturgeschichtlichen Stellenwert des Theaterbaus und zu den geplanten Eingriffen am Sachs-Foyer erstellt.

Das aus einem Wettbewerb hervorgegangene und von der Stadt Baden unterstützte Umbau- und Erweiterungsprojekt „Équilibre“ der M. & E. Boesch Architekten sieht in einem eigenständigen Ansatz vor, das nach der Architektin Lisbeth Sachs benannte Gartenfoyer mit einer neuen Hülle gegen den Park hin zu erweitern. Gleichzeitig wird dieser erweiterte Aufenthaltsraum mit einem neuen Foyer zu einer wesentlich verbesserten benutzerfreundlichen Raumfolge verbunden. Mit der Übernahme der vorgegebenen Baumaterialien soll die Stimmung des Bestehenden weitergeführt werden. Die kantonale Denkmalpflege vertritt hingegen die Auffassung, das Sachs-Foyer sei entsprechend der Vorgaben des Wettbewerbs integral zu erhalten und in seiner Feingliedrigkeit und Transparenz möglichst originalgetreu zu restaurieren.

In ihrem Bericht bestätigt die EKD die Schutzwürdigkeit des Kurtheaters, insbesondere für dessen Garderobenhalle, Gartenfoyer, Zuschauerraum und Freilichttheater. Als einer der ersten bemerkenswerten Theaterbauten der Nachkriegszeit attestiert sie dem Schutzobjekt mindestens kantonale, wenn nicht gar nationale Bedeutung. Die Kommission weist darauf hin, dass sich der Widerspruch zwischen den im Wettbewerbsprogramm definierten Nutzungsanforderungen – thermische Behaglichkeit, Erdbebensicherheit, Behindertengerechtigkeit, multifunktionale Nutzbarkeit und Energieeffizienz – und einer integralen Erhaltung der Originalsubstanz kaum vereinbaren lässt. Unter Berücksichtigung dieser unterschiedlichen Vorgaben erachtet sie beide Sichtweisen als berechtigt und legitim. Die Kommission kommt zum Schluss, dass grundsätzlich eine integrale oder weitestgehend materielle Erhaltung beziehungsweise Reparatur des Sachs-Foyers im Sinne der kantonalen Denkmalpflege zu bevorzugen sei. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Erhaltung aufgrund der vorhandenen Bausubstanz und der Nutzungsanforderungen überhaupt möglich ist. Sie empfiehlt demzufolge, die an das Kurtheater Baden gestellten Anforderungen sowie den baulichen Zustand des Sachs-Foyers zu überprüfen. Sollten die Abklärungen zeigen, dass wegen der zahlreichen notwendigen Eingriffe die originale Substanz nur in geringstem Masse erhalten werden kann, befürwortet die Kommission die Weiterführung des von der Kommission als ausgewogen gewürdigten Projekts „Équilibre“ der Boesch Architekten.

Im Rahmen der bisherigen Projektierungsarbeiten wurden neben einem Neubau der Hinterbühne und der Foyers auch die umfassende bauliche und gebäudetechnische Sanierung der bestehenden Gebäudeteile geplant, insbesondere Theatersaal, Bühne, Eingangshalle und Garderoben. Dafür wurden umfangreiche Untersuchungen an der bestehenden Bausubstanz vorgenommen. Der grösste Teil dieser Projektierungsarbeiten kann dabei in jedem Fall weiter verwendet werden und bildet eine wesentliche Grundlage für alle Handlungsalternativen.

Auf der Grundlage des EKD-Berichtes haben Kanton und Stadt vereinbart, in einem ersten Schritt die für einen ganzjährigen Theaterbetrieb zwingenden Anforderungen an die Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit des Sachs-Foyers festzulegen. Die Parteien sind sich dabei einig, dass auf alle Fälle die Sicherheit garantiert sowie der thermische Komfort verbessert und auf einen Winterbetrieb ausgelegt werden soll. Sodann wird durch ein erfahrenes, unabhängiges Büro eine vertiefte Untersuchung der vorhandenen Bausubstanz des Foyers vorgenommen und Sanierungslösungen ausgearbeitet. Aufgrund dieser Analysen und der aufgezeigten Lösungen wird das weitere Vorgehen bezüglich Substanzerhaltung zwischen der kantonalen Denkmalpflege und der Stadt Baden abgestimmt. Nötigenfalls konsultiert die Stadt Baden nochmals die Wettbewerbsjury, bevor sie über die weitere Projektierung entscheidet.