| Die Schweizer Zeitung
Wednesday November 22nd 2017

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Koffer, die absichtlich schneller kaputtgehen

(von Remo Maßat)

Bei Koffern gehen immer die Räder kaputt. Es ist das Verschleißteil am Koffer. Jeder Hersteller weiß, daß die Räder nur zk. 10 % der normalen Lebensdauer eines normalen Koffers halten. Ich habe 10 Koffer im Keller, die alle nicht intakt sind, nur die Rollen (Räder) sind halt verschlissen.

Koffer-Verschleiß: Zu 90% unnötig und belastend nicht nur für die Geldbörsen sondern auch für die Umwelt - Warum mischen die Großverteiler Migros und Coop bei dem perfiden Spiel mit? (Archivfoto: Reiserollkoffer in Bahnhofsunterführung / Schlagwort AG)

Koffer-Verschleiß: Zu 90% unnötig und belastend nicht nur für die Geldbörsen sondern auch für die Umwelt – Warum mischen die Großverteiler Migros und Coop bei dem perfiden Spiel mit? (Archivfoto: Reiserollkoffer in Bahnhofsunterführung / Schlagwort AG)

Frage an die Hersteller: Warum um alles in der Welt nicht einen Koffer herstellen, bei dem die Räder austauschbar (ersetzbar) sind?

Es wäre so einfach zu realisieren.

Aber dann würde man ja weniger Koffer verkaufen. Ich verstehe auch die Großverteiler wie Migros oder Coop nicht, daß sie Koffer fast unisono oder nur noch solche mit billigsten Rollen und schlechtesten Kugellagern ins Sortiment nehmen und nicht wenigstens 1 Modell mit höherwertigeren Rädern / Rollen. Mit solchen Methoden hat zumindest Gottlieb Duttweiler sicher nicht gearbeitet, auch nicht um der Einnahmen willen. Zudem würden die Kunden gerne mehr für einen Koffer bezahlen, bei welchem die Räder austauschbar sind und man würde an den Ersatzrädern verdienen können.

Auch im Sinne von Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist es zutiefst verwerflich: Man schädigt nicht nur die Geldbörsen der Konsumenten, sondern auch die Umwelt und sorgt für mehr Energieverbrauch.

Gerade hat der SKS aufgedeckt, daß zahlreiche Defekte bei Produkten herstellerseitig geplant sind. Er fordert ein paar einfache Maßnahmen, die bei der Gesetzesflut, die es in der Schweiz gibt, einmal wirklich sinnvollen Vorschriften / Gesetzen entsprächen.:

– eine Erhöhung der gesetzlichen Mindestgarantiedauer auf fünf Jahre
– Kennzeichnung für die Reparierbarkeit und geplante Lebensdauer von Produkten
– Umkehr der Beweislast für Garantiefälle

Ich bin gegen staatliche Eingriffe, aber wenn zwei quasi marktbeherrschende Großverteiler nur noch Verschleißkoffer im Sortiment haben, dann sollte man wirklich die Forderung des SKS nach einem Konsumentenschutz als richtiges Mittel forcieren.

Welcher Politiker, der sich für Nachhaltigkeit einsetzt und für sinnvolles Wirtschaften unterstützt diese Forderung des SKS? Hat der SKS dazu Antworten? So eine Umfrage im Nationalrat sollte der SKS mal machen. Damit man weiß, wen man wählen kann / muß, wenn man sich über absichtlichen Verschleiß ärgert.

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