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Sunday September 24th 2017

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Gottlieb Duttweilers Zeitung «Die Tat» online

Die Schweizerische Nationalbibliothek hat die vom Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler ins Leben gerufene Zeitung «Die Tat» komplett digitalisiert und im Internet aufgeschaltet. Der Kulturteil der Zeitung war in der Nachkriegszeit für den ganzen deutschsprachigen Raum wichtig.

Gottlieb Duttweiler gab die Zeitung "Die Tat" heraus (Bild: GottliebDuttweiler.ch

Gottlieb Duttweiler gab die Zeitung „Die Tat“ heraus (Bild: GottliebDuttweiler.ch)

Um alte Zeitungs- und Zeitschriftenbestände besser für die Forschung zugänglich zu machen, digitalisiert die Schweizerische Nationalbibliothek (NB) zusammen mit Partnern laufend Titel aus ihren Beständen.

Dank der Zusammenarbeit mit dem Historischen Firmenarchiv des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB) ist die Zeitung Die Tat unter www.dietatarchive.ch online verfügbar.

Die Tat wurde 1935 als Wochenzeitung vom Migros-Chef Gottlieb Duttweiler gegründet, ab 1939 als Tageszeitung weitergeführt und bestand bis 1978. Sie war eine wichtige liberale Pressestimme in der Schweiz und erreichte internationales Ansehen durch den Kulturteil. So wurden dort etwa die Gedichte von Paul Celan, einem der wichtigsten Lyriker der deutschen Moderne, erstmals veröffentlicht.

Max Rychner entdeckt Paul Celan

In ihrer Gestalt und ihrem Gehalt wurde Die Tat vor allem geprägt durch Erwin Jaeckle (1909–1997) und Max Rychner (1897–1965). Jaeckle führte als Chefredaktor früh schon ganze Fotoseiten ein. Rychner entwickelte den Kulturteil in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der wichtigsten im deutschen Sprachraum. Am 7. Februar 1948 beispielsweise stellte er – wie nun online nachzulesen – einen unbekannten Jungautor vor: «Paul Celan ist ein junger Rumäne, der, in einem Dorf rumänischer Sprache aufwachsend, durch merkwürdige Fügung Deutsch erlernt hat und in unsere Dichtung hineingezogen wurde.» So führte Rychner Celan mit dem Abdruck einer Auswahl von Gedichten aus dem Manuskript zu dessen erstem Gedichtband in die deutsche Literaturszene ein.

Robert Jungk, Herbert Lüthy, Hugo Loetscher

Zu den festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Tat gehörten so prominente Namen wie der Kunsthistoriker Gustav René Hocke, der Zukunftsforscher Robert Jungk, der Historiker Herbert Lüthy, der Germanist Walter Muschg, der Journalist und kritische Erforscher der Schweizer Flüchtlingspolitik Alfred A. Häsler, der Schriftsteller Adrien Turel, der Philosoph Erich Brock, die Romanistin und Theaterkritikerin Elisabeth Brock-Sulzer (Dürrenmatts Lieblings-Kritikerin) sowie der Jungautor und Kritiker Hugo Loetscher.

Der Nachlass von Erwin Jaeckle und ein Teilnachlass von Max Rychner liegen im Schweizerischen Literaturarchiv der Nationalbibliothek und sind zugänglich unter http://ead.nb.admin.ch/html/jaeckle.html.

Die Plattform www.schweizerpressearchive.ch umfasst neben der Tat derzeit 31 weitere Titel, die von der NB und ihren Partnern digitalisiert wurden. Ein Kurzfilm zeigt die Digitalisierung der Schweizer Presse durch die NB (www.art-tv.ch/nationalbibliothek).