| Die Schweizer Zeitung
Friday December 15th 2017

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Google bekämpft Konkurrenz: Bezahlte Blogbeiträge sollen geschaßt werden

Für eine in Auftrag gegebene Werbekampne für den Internetdienst „Google Chrome“ sind – angeblich ohne Erlaubnis von Google – bezahlte Blogbeiträge zum Einsatz gekommen.

Diese sind offen als solche gekennzeichnet gewesen als „gesponsort bei Google“ bzw. Englisch „This Post Sponsored By Google“.

Google distanziert sich im Anschluß von der Kampagne, welche sie in Auftrag gegeben haben über eine Agentur:

Google hat niemals zu etwas anderem zugestimmt als Internet-Anzeigen. Wir haben konsistent bezahlte Kampagnen vermieden, einschließlich der Bezahlung für Blogger um unsere Produkte anzupreisen, weil diese Art von Promotion nicht transparent oder im besten Interesse der Nutzer ist. Wir schauen nun welche Änderungen notwendig sind um sicher zu stellen, dass dieses nie wieder passieren wird.

Öffentlichkeitswirksam empört sich Google über sich selbst bzw. über „Google Chrome“ und straft sich selbst bzw.“ Google Chrome“ ab. Statuiert ein Exempel. An sich selbst.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Worum geht es?

Bezahlte Blogeinträge sind nichts anderes als Internetwerbung bzw. Internet-Anzeigen. Wenn sie klar als solche gekennzeichnet sind, ist kein Unterschied zwischen einer Google-Anzeige und einem bezahlten Blogbeitrag. Als Publireportage gekennzeichnete Beiträge gibt es heutzutage in jeder Zeitung der Schweiz. Es sind Anzeigen in redaktioneller Form.

Warum darf es soetwas laut den Google-Richtlinien nicht im Internet geben? Wohl doch nur, weil es eine mißliebige Konkurrenz zu Google-Adsense ist.

Google mißbraucht einmal mehr seine Marktmacht.

Bereits seit November 2010 untersucht die EU-Kommission Google. Durch Beschwerden von Wettbewerbern wurden Ermittlungen der Europäischen Kommission veranlaßt. Im Vordergrund dieser Ermittlungen stehen die Bedingungen, unter welchen der Quasi-Monopolist für Internetsuche Angebote von Konkurrenten anzeigt. Auch in den USA wird wegen möglicher Kartellverstöße gegen Google ermittelt.

Auf die EU-Kommission mußte Google nun zugehen: Gemäß der Financial Times hat Google “bedeutende Änderungen an seinen Geschäftspraktiken” versprechen müssen, um einen Weitergang des Kartellverfahrens zu verhindern.

Die Art und Weise, wie Google gegen mißliebige Konkurrenten – bezahlte Blogposts – vorgeht, zeigt, daß der Suchmaschinenkonzern nichts unversucht läßt, um aggressiv seine Marktstellung noch weiter auszubauen und Konkurrenz schon im Keim zu ersticken.

Bedenklich in Richtung Zensur gehen auch die Google-Richtlinien für Webmeister (webmaster). Wer sich nicht an die Google-Richtlinien hält, verschwindet aus den Suchergebnissen von Google. Google sagt also, was man im Internet machen darf und was nicht. Ansonsten: Abstrafung. Das geht bedenklich in Richtung Internetzensur. Bzw. freiwiliige Zensur. Denn: Der Veröffentlicher (publisher) von Internetinhalten darf ja schon machen, was er will. Macht er aber nicht das, was Google will, so verschwindet er halt einfach mal aus den Suchergebnissen des Quasi-Monopolisten Google.

Die Internetzensur geht aber noch viel weiter. So bestimmt Google auch, welche Inhalte und Bilder man veröffentlichen darf, wenn man am „Google-Adsense“-Programm teilnimmt. Das weltweit größte Werbenetzwerk, Google eben.

Man kann sich ihm kaum entziehen. Wegen diesem völlig harmlosen Bild wurde die Internetzeitung Schweizerzeitung.ch, welche Sie gerade lesen, vom Google-Adsense-Programm gesperrt bzw. ausgeschlossen. Nicht nur der Beitrag selbst, sondern gleich die ganze Seite. Verbunden mit der Drohung, auch alle anderen Seiten zu sperren.

http://schweizerzeitung.ch/?p=832

Google forderte die Redaktion auf, innerhalb von drei Werktagen das harmlose Bild (außerdem: was für ein anderes Bild sollte man bei dem Thema schon nehmen) zu entfernen, weil es nicht den Richtlinien von Google entspräche. Die Redaktion leistete keine Folge.

Und wurde abgestraft. Sofortige Sperre der Seite!