| Die Schweizer Zeitung
Saturday November 25th 2017

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Gentechnik im Eis

Kommt bald die Gentech-Abstimmung? Die Schweiz unterwarf sich einmal mehr dem Druck der EU (SchweizerZeitung.ch berichtete)

Der Globalisierungskonzern Unilever erhält Bewilligung für ein Eis-strukturierendes Protein, das mit Hilfe von Gentechnik hergestellt wird

Gentechnisch manipuliertes Speiseeis dürfte dank Unilever (Bild) bald die Schweiz erreichen. Der Bundesrat nickte ab.

Gentechnisch manipuliertes Speiseeis dürfte dank Unilever (Bild) bald die Schweiz erreichen. Der Bundesrat nickte ab.

In Zukunft wird auch in der Schweiz Glace auf den Markt kommen können, die einen Verarbeitungshilfsstoff enthält, der mit Gentechnologie hergestellt wurde, berichtet die Konsumentenschutz:

Das Bundesamt für Gesundheit hat dem Unilever-Konzern eine entsprechende Bewilligung für das Protein ISP erteilt. Deklariert werden muss dies auf dem Produkt nicht. Die SKS hat ein Faktenblatt aufgeschaltet mit einem Link zu Informationen, welche Glace in welchen Ländern damit hergestellt werden.

Das Eis-strukturierende Protein ISP (engl. Ice structuring protein) wird von Unilever für die Produktion von Glace verwendet, vorwiegend für die auch in der Schweiz beliebten Sorten Solero und Twister. Das Protein wird mit Hilfe von gentechnisch veränderter Hefe hergestellt.

Weil im Protein keine Hefe mehr enthalten ist und das Protein als Verarbeitungshilfsstoff gilt, muß dies – wie bei allen Verarbeitungshilfsstoffen – auf dem Produkt nicht deklariert werden. Das Protein soll bei der Glaceherstellung dafür sorgen, dass das Produkt mit feinen Eiskristallen statt mit etwas gröberen gefriert.

Das Protein wird von Unilever bereits weltweit verwendet, auch in Europa ist es in zahlreichen Ländern zugelassen – etwa in Großbritannien, Irland, Spanien, Griechenland, Belgien, Holland oder Portugal.

Da das Protein nicht als gentechnisch verändert deklariert werden muß, gibt Unilever auf den Glace-Verpackungen an, das das Eis-strukturierende Protein verwendet wurde zusammen mit einem Hinweis auf die Webpräsenz www.sharehappy.com/ISP/.

Aber: Welche Konsumenten sind sich bewußt, daß hinter ‚share happy‘ eine Information zu Gentechnologie versteckt ist?

Nebst Anpreisungen über die Frische, Leichtigkeit, Natürlichkeit (ohne künstliche Aromen) wird schließlich über die „coole Technologie“ gesprochen. Wer sich durch all die Werbesprüche durchkämpft, stößt irgendwo auf die Information, daß es sich bei dieser Technologie um Gentechnik handelt.

Ganz am Schluß wird auch die Information nachgeliefert, welche Glace in welchem Land mit dem Protein ISP hergestellt wird.

Die SKS hat ein Informationsblatt aufgeschaltet mit einer Anleitung, wie man zu diesen Informationen gelangt. Unilever hat die Schweiz noch nicht aufgelistet, weil die Bewilligung erst erfolgte und noch keine Glace auf dem Markt ist. Die SKS geht aber davon aus, daß in absehbarer Zeit auch hierzulande entsprechende Produkte in den Verkauf gelangen.