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Sonntag April 22 2018

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Erste Studie zu Schwarm-Finanzierung im Kulturbereich in der Schweiz

Erste Studie zu Schwarm-Finanzierung im Kulturbereich in der Schweiz. (Symbolbild)

Erste Studie zu Schwarm-Finanzierung im Kulturbereich in der Schweiz. (Symbolbild)

Mehr realisierte Projekte, mehr Unterstützer und mehr gesammelte Gelder: Schwarm-Finanzierung ist im Hoch. Erstmals untersucht nun eine Studie, welchen Stellenwert und welches Potential die Schwarmfinanzierung, bei der übers Internet Gönner gesucht werden, für die Finanzierung von Kulturprojekten in der Schweiz hat. Bundesrat Alain Berset hat die verschiedenen Aspekte dieser neuen Finanzierungsform im Rahmen des heute in Bern stattfindenden Forums für Kultur und Ökonomie dargelegt.

In den letzten Jahren hat sich das Phänomen Crowdfunding stark entwickelt. Der weltweite Trend zur partizipativen Finanzierung lässt sich auch in der Schweiz beobachten: Allein im Kulturbereich wurden 2014 rund 4.5 Millionen Franken über Schwarmfinanzierung-Plattformen gesammelt. Neben der Möglichkeit, durch Beiträge privater Unterstützer kulturelle Projekte zu finanzieren, besticht Schwarm-Finanzierung vor allem durch die intensive Interaktion zwischen Kulturschaffenden und dem Publikum. Dies erleichtert nicht nur Vermarktung und Vertrieb von kulturellen Gütern und Leistungen, sondern ermöglicht Kulturinteressierten, aktiv am Entstehungsprozess des Projekts teilzuhaben und ein fundiertes Bewusstsein für Kulturschaffen zu entwickeln.

Durch die Begünstigung privater Kulturfinanzierung trägt Schwarm-Finanzierung zur Vielfalt des Kulturangebots in der Schweiz bei. Ob als Ergänzung der Kulturförderung der öffentlichen Hand, bei Kleinprojekten oder als Multiplikator: Schwarm-Finanzierung schafft neue Möglichkeiten des Zusammenwirkens von privater und öffentlicher Finanzierung. Folglich besteht auf Seiten der Politik und der Kulturförderung grosses Interesse, mehr zu erfahren über die Bedeutung von Schwarm-Finanzierung im Kulturbereich in der Schweiz. Die von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und dem Bundesamt für Kultur in Auftrag gegebene Studie der Hochschule Luzern – welche jährlich einen Schweizer Schwarmfinanzierungs-Monitor veröffentlicht – leistet auch im internationalen Vergleich Pionierarbeit.

Die Studie wurde heute in Bern am Forum für Kultur und Ökonomie präsentiert, wo sich jedes Jahr öffentliche und private Unterstützer aus dem Kulturbereich austauschen. Zudem veranstalten die Kulturstiftung Pro Helvetia und das Bundesamt für Kultur am 2. Juni 2016 im Stadtmuseum Aarau ein Symposium zum Thema Crowdfunding in der Kultur. Ergebnisse der Schwarmfinnzierungs–Studie werden dort in Bezug zu Praxisbeispielen aus dem In- und Ausland gesetzt. Bedeutung und Mehrwert von Schwarm-Finanzierung in der Kultur werden diskutiert und an einer Podiumsdiskussion soll ausserdem erörtert werden, welche Formen der Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand, privater Kulturförderung und Schwarm-Finanzierung Zukunftspotential aufweisen.

Die heute publizierte Studie zu Schwarm-Finanzierung im Kulturbereich zeigt, dass 2014 im Kulturbereich rund 4.5 Millionen Franken über Schwarmfinanzierung-Plattformen gesammelt wurden. Mit 216 erfolgreichen Projekten und einer Summe von knapp 1.5 Millionen Franken wurde am meisten Geld in der Kategorie «Musik, Konzerte, Festivals» vermittelt. Die durchschnittlich erzielte Kampagnensumme ist stark von der Sparte abhängig: Während sie in der genannten Kategorie 6‘800 Franken beträgt, sind es in der Sparte «Software, Games» beispielsweise 48‘000 Franken, was auf tendenziell grössere und kapitalintensivere Projekte hindeutet. Im Durchschnitt reichen bereits 56 Unterstützende für die erfolgreiche Finanzierung einer Schwarmfinanzierung-Kampagne. Entscheidend für den Erfolg ist die Mobilisierung von Unterstützenden von Anfang an: Die untersuchten Kampagnen, welche nach einem Drittel der Finanzierungslaufzeit 40 Prozent ihrer Zielsumme erreicht haben, sind in 98.8 Prozent aller Fälle erfolgreich.