Die Mobilität von morgen als Herausforderung

Technische und gesellschaftliche Entwicklungen werden in Zukunft unsere Mobilität stark verändern.

Angesichts der Langfristigkeit der damit verbundenen Investitionsentscheide müssen bereits heute wichtige Weichenstellungen getroffen werden.

Das Heft «Forum Raumentwicklung» des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) wirft einen Blick auf die Mobilität der Zukunft, stellt die Planungsinstrumente des Bundes vor und thematisiert die Herausforderungen, mit denen sich die öffentliche Hand dabei konfrontiert sieht.

Verfügbarkeit und Vernetzung von Daten, automatisiertes Fahren, Sharing Economy, E-Mobilität und der Einsatz von Drohnen: Zahlreiche technische und gesellschaftliche Entwicklungen beeinflussen die Mobilität von Grund auf. Noch ist unklar, welche Systeme und Anbieter sich etablieren werden.

Doch Bund, Kantone und Gemeinden stehen schon heute vor der Herausforderung, die Weichen für die neuen Entwicklungen zu stellen.

Neben den Vorteilen gilt es auch mögliche Schwachstellen und Risiken frühzeitig zu identifizieren. Die Ausgabe 2-18 der Zeitschrift «Forum Raumentwicklung» des Bundesamts für Raumentwicklung ARE beschäftigt sich deshalb umfassend mit der Mobilität von morgen.

Was die Neuerungen der Mobilität bringen können, skizziert Emmanuel Ravalet von der Universität Lausanne im Leitartikel, und warnt vor Euphorie: «Der Weg hin zu ökologisch und gesellschaftlich nachhaltigeren Mobilitätsgewohnheiten ist steinig.» Trotz Digitalisierung werde es erst langfristig zu einer umfassenden Verhaltensänderung kommen. Deshalb müsse man sich die Frage stellen, wie bisherige und zukünftige Mobilitätsformen nebeneinander funktionieren werden.

Geteilte Fahrzeugflotte erbringt hohen Nettonutzen

Die Planungen des Bundes basieren auf den Verkehrsperspektiven, die aktuell bis 2040 reichen. Dabei kommen die Verkehrsmodelle des UVEK zum Personen- und Güterverkehr zum Einsatz, die eine Vielzahl von Daten verwenden, wie ein weiterer Artikel vorstellt. So führt der Bund zum Beispiel regelmässig den «Mikrozensus Mobilität und Verkehr» durch. Bei der letzten Erhebung 2015 wurden 57‘000 Personen nach ihrem Mobilitätsverhalten befragt. Dabei kann zwischen den Verkehrszwecken wie Arbeit, Freizeit oder Einkauf unterschieden werden. Diese und Daten aus weiteren Quellen wie etwa Verkehrszählungen erlauben es dem ARE, fundierte Modelle und Perspektiven zur Verfügung zu stellen.

Die Digitalisierung in der Mobilität hat langfristig das Potenzial, grossen volkswirtschaftlichen Nutzen zu erzeugen. Das ARE hat mit einer Vorstudie eine geeignete Vorgehensweise entwickelt. Die ersten groben Einschätzungen, die im Heft vorgestellt werden, zeigen, dass eine automatisierte und vermehrt geteilte Fahrzeugflotte dereinst jährlich mehrere Dutzend Milliarden Schweizer Franken Nettonutzen erzeugen kann.

Der Preis der Mobilität muss stimmen

Dass Kosten und Preise eine wichtige Rolle spielen, wird im Interview mit Simon Lüchinger deutlich. Der Professor für Ökonomie an der Universität Luzern plädiert für eine verursachergerechte Bepreisung der einzelnen Fahrten. Im Gegenzug könne man andere Verkehrsabgaben wie die Autobahnvignette eliminieren. Volkswirtschaftlich nur bedingt zu empfehlen seien zusätzliche Kapazitäten, um der Verkehrsüberlastung Herr zu werden. Lüchinger: «Gemäss dem Ökonomen Anthony Downs wird der Verkehr zu Spitzenzeiten immer bis an die Kapazitätsgrenze wichtiger Strassen anwachsen.» Auch Dosier- und Leitsysteme seien meist nur Symptombekämpfung, weshalb Lüchinger eine sinnvolle Bepreisung der Mobilität favorisiert.

Wie Digitalisierung ganz praktisch Mobilität dämpfen und gleichzeitig Randregionen stärken kann, zeigt die Reportage aus dem Unterengadin. Dort soll ein neues Netzwerk von Co-Working-Spaces den Feriengästen ermöglichen, am Wochenende noch einen oder zwei Tage länger auszuspannen, statt bereits am Sonntagabend zurück ins Unterland zu fahren.