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Geldwäschereigesetz: Barzahlungen im Edelmetall- und Edelsteinhandel sollen gesenkt werden, Bewilligungspflicht für Ankauf Altedelmetalle soll kommen

Am 1. Juni 2018 hat der Bundesrat die Vernehmlassung zur Änderung des Geldwäschereigesetzes (GwG) eröffnet.

Die Vorlage trägt den wichtigsten Empfehlungen des Länderberichts der Finanzaktions-Sondereinheit (Englisch: Financial Action Task Force (FATF)) über die Schweiz Rechnung und erhöht die Integrität des Finanzplatzes.

Gleichzeitig veröffentlicht die interdepartementale Koordinationsgruppe zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung (KGGT) ihren Bericht zu Geldwäschereirisiken bei juristischen Personen.

2016 prüfte die FATF die Schweiz zum vierten mal. In ihrem Länderbericht anerkennt sie die insgesamt gute Qualität des schweizerischen Dispositivs zur Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung.

Gleichzeitig hat sie in gewissen Bereichen Schwachstellen identifiziert und Empfehlungen abgegeben. Im Juni 2017 hat der Bundesrat das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) beauftragt, eine entsprechende Vernehmlassungsvorlage auszuarbeiten, die zudem die Integrität des Finanzplatzes Schweiz stärkt. Die Vernehmlassung dauert bis zum 21. September 2018.

Nachfolgend die wichtigsten Maßnahmen:

  • Für bestimmte Dienstleistungen im Zusammenhang mit Gesellschaften und Trusts, hauptsächlich im Bereich Gründung, Führung und Verwaltung, sollen Sorgfaltspflichten eingeführt werden. Tätigkeiten für operative Gesellschaften in der Schweiz sind auf Grund ihres geringen Risikos ausgenommen. Um sicherzustellen, daß die Vorgaben wirksam sind, ist eine Prüfpflicht vorgesehen. Auf eine Aufsicht oder eine Meldepflicht wird verzichtet.
  • Neu verpflichtet das Gesetz die Finanzintermediäre explizit, die Angaben zur wirtschaftlich berechtigten Person zu überprüfen. Damit wird eine Basis für die bestehende Praxis geschaffen und es wird verankert, was die Rechtsprechung bestätigt hat. Des Weiteren sollen Finanzintermediäre die Aktualität der Kundendaten regelmässig überprüfen. Die Periodizität und der Umfang der Prüfung richten sich dabei nach dem Risiko, das die Vertragspartei darstellt.
  • Vereine, die Gefahr laufen, zur Terrorismusfinanzierung oder Geldwäscherei mißbraucht zu werden, müssen sich neu ins Handelsregister eintragen lassen. Dabei handelt es sich um Vereine, die hauptsächlich zu einem karitativen Zweck an der Sammlung oder Verteilung von Vermögenswerten im Ausland beteiligt sind.

Des Weiteren sieht die Vernehmlassungsvorlage vor, die Wirksamkeit des Verdachtsmeldesystems der Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung zu verbessern.

Dazu soll das Melderecht  aufgehoben werden, da für dieses kaum mehr ein Anwendungsbereich besteht. Außerdem soll der Schwellenwert für Barzahlungen im Edelmetall- und Edelsteinhandel gesenkt und eine Bewilligungspflicht für den Ankauf von Altedelmetallen eingeführt werden.

Zeitgleich mit der Eröffnung der Vernehmlassung veröffentlicht die KGGT den Bericht «Geldwäschereirisiken bei juristischen Personen». Dieser analysiert die Risiken im Zusammenhang mit verschiedenen Rechtsformen in der Schweiz und im Ausland und untermauert die vorgeschlagenen Massnahmen der Vorlage im Bereich der Dienstleistungen für Gesellschaften und Trusts.


„La pêche“ (Pfirsich): Neue Regional-Währung für Paris

Frankreichs größte Stadt erhält eine Regionalwährung als Konkurrenz zum Euro.

„Der Euro kriegt Konkurrenz von einer «Pfirsich»“ titelt das Tagblatt die Sache. Der Kölner Stadtanzeiger schlagzeilt „Paris hat eine neue Alternative zum Euro“

Ziel der Regionalwährung Pêche es, eine lokale Verbundenheit frei von Finanzspekulation zu schaffen.

Das Regiogeld der französischen Hauptstadt kann 1 zu 1 im Verhältnis zum Euro gewechselt werden.

Stadt Paris dafür

Oft wurden und werden Regionalgelder in der Geschichte bekämpft. Die Stadtregierung von Paris handelt pro Pfirsich-Währung. Sie hat ihre administrative Unterstützung zugesagt.

Immer mehr Läden, Geschäfte und Restaurants die Pêches als Komplementärwährung ein.

„Weltweit verlaufen 95 Prozent der Finanzflüsse außerhalb der Lokalwirtschaft, womit sie potenziell der Gewinnsucht, Geldwäsche oder Finanzflucht unterworfen sind“, erklärt Raumplanerin Brigitte Abel vom Förderverein, und: „Die Pêche versuche dagegen, die lokale Wertschöpfungskette zu fördern, indem sie den spekulationsfreien und nachhaltigen Austausch zwischen Kleingewerbe, Vereinen oder Kulturstätten entwickelt.“

Es gibt Noten von einer, zwei, fünf bis rauf zu 200 Pêches. Auf den Scheinen steht hinten „Lokal, solidarisch, ökologisch, bürgernah.“

Die Währung soll aber nicht nur Kaufkraft im Raum Paris halten. Sondern auch Stabilität geben. Je mehr sie im Raum Paris benützen, desto geringer ist die Gefahr, daß sie in Finanzkrisen, Finanzspekulationen internationaler Art hineingezogen werden kann.

 

Energie-Sicherheit: „Deutlich angespannte Situation“ bei Problemen im EU-Raum +++ Substantielle Eigenproduktion im Winter +++ Strategische Reserve geplant

„Substantieller Teil der Winterproduktion“ soll neu in der Schweiz produziert werden:

An ihrer gestrigen Jahresmedienkonferenz präsentierte die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom die neuesten Resultate ihrer Berechnungen zur System-Adäquanz – zur Versorgungssicherheit 2025.

Aus den Resultaten schließt die ElCom, dass momentan keine Sofortmassnahmen nötig sind. Allerdings empfiehlt sie, Vorbereitungen für Streßsituationen zu treffen.

Und: Um Importrisiken zu minimieren, soll auch in Zukunft ein substantieller Teil der Winterproduktion in der Schweiz produziert werden.

Die ElCom referierte an ihrer Jahresmedienkonferenz 2018 über aktuelle und kommende Herausforderungen im Hinblick auf die Versorgungssicherheit. Sie präsentierte Resultate aus ihrer Studie zur Systemadäquanz 2025 sowie ihren Tätigkeitsbericht, den Bericht zur Versorgungssicherheit und zur Versorgungsqualität.

Aufgrund der Resultate ihrer aktuellsten Studie zur Systemadäquanz 2025 – zur Versorgungsicherheit – kommt die ElCom zum Schluß, daß sie aktuell dem Bundesrat keine Maßnahmen nach Artikel 9 des Stromversorgungsgesetzes vorschlagen muß.

Für ein wahrscheinliches Szenario für das Jahr 2025 ist die Versorgung in der Schweiz gewährleistet. Dies auch unter Berücksichtigung von einzelnen Stressoren.

„Deutlich angespannte Situation“ bei Streßszenarien, z. B. wenn französisches Kernkraftwerk nur eingeschränkt verfügbar

Deutlich angespannter wird die Situation gemäß den Berechnungen in Streßszenarien. Beispielsweise, wenn der französische Kraftwerkspark nur eingeschränkt verfügbar ist und zusätzlich die beiden grossen Schweizer Kernkraftwerke Leibstadt und Gösgen außer Betrieb sind.

Strategische Reserve für „Streßsituation“ geplant

Obwohl die Eintrittswahrscheinlichkeit für dieses Szenario gering ist, empfiehlt die ElCom vorbereitende Maßnahmen für einen solchen Fall zu treffen.

Dies insbesondere vor dem Hintergrund, daß ein Streßszenario kurzfristig eintreten kann.

Eine solche vorbereitende Maßnahme könnte beispielsweise eine strategische Reserve sein.

Kein Vertrauen in EU-Energiemarkt-Stabilität

Winterproduktion soll weiterhin substantiell in der Schweiz produziert werden

Unter der Annahme, daß die Versorgungssicherheit im Winterhalbjahr in Zukunft auf zunehmenden Import abgestützt wird, nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, daß Notmaßnahmen zu ergreifen sind.

Aus diesem Grund regt die ElCom an, daß auch in Zukunft im Winter ein substantieller Teil der Energie in der Schweiz produziert wird.

Neben dem Bericht zur Systemadäquanz 2025 präsentierte die ElCom an ihrer Jahresmedienkonferenz auch ihren Tätigkeitsbericht sowie den Versorgungssicherheitsbericht und den Bericht zur Versorgungsqualität.

Über die ElCom

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) ist die unabhängige staatliche Aufsichtsbehörde im Elektrizitätsbereich. Sie überwacht die Einhaltung des Stromversorgungs- und Energiegesetzes, trifft die dazu nötigen Entscheide und erlässt Verfügungen.

Sie beaufsichtigt die Strompreise und entscheidet als richterliche Behörde bei Differenzen betreffend den Netzzugang. Sie überwacht zudem die Versorgungssicherheit im Strombereich und regelt Fragen zum internationalen Stromtransport und -handel. Schliesslich entscheidet die ElCom in Streitigkeiten zu Rückliefertarifen sowie zwischen Netzbetreiber und Eigenverbraucher.

Die Kommissionsmitglieder werden vom Bundesrat gewählt. Sie sind von der Elektrizitätswirtschaft unabhängig. Die ElCom wird von alt Ständerat Carlo Schmid-Sutter präsidiert. Sie wird unterstützt von einem wissenschaftlichen Fachsekretariat in Bern unter der Leitung von Rechtsanwalt Renato Tami.

Auch Dänemark verbietet Burka und Nikab

Nach Frankreich, Belgien, Holland, Gabun, Österreich und den Kantonen Tessin und St. Gallen sowie dem deutschen Bundesland Bayern (Gesetz über Verbote der Gesichtsverhüllung in Bayern) folgt nun auch Dänemark.

In der Schweiz steht eine Volksabstimmung auf Bundesebene an (siehe unten).

In Dänemark darf man gemäß neuem Gesetzesbeschluß sein Gesicht in der Öffentlichkeit nicht mehr verhüllen. Mit 75 zu 30 Stimmen stimmte das Parlament für den Vorschlag.

Das neue Gesetz, das muslimischen Frauen in der Öffentlichkeit das Tragen von Ganzkörperschleiern (Burka) und Gesichtsschleiern (Nikab) untersagt gilt ab August.

Ein entsprechendes Gesetz wurde vom Parlament in Kopenhagen verabschiedet.

Reaktionen

„Ich begrüße den Beschluß des Verhüllungsverbots in Dänemark. Die Gesichtsverhüllung ist mit unseren europäischen Werten nicht vereinbar und das Verbot ein wichtiges Signal gegen den politischen Islamismus, der in Europa keinen Platz hat!“, so der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz zum Gesetzesbeschluß in Dänemark.

Schweiz

In der Schweiz besteht ein Verbot bisher nur im Kanton Tessin.

Hier stimmten die Stimmbürger bei einer Volksabstimmung für ein Verhüllungsverbot, wwelches Niqabs oder Burkas einschließt.

Im Kanton St. Gallen kommt das Verbot: Der Kantonsrat beschloß am 18. September 2017 ein Verhüllungsverbot im öffentlichen Raum im Grundsatz.

Auf gesamtschweizerischer Ebene wurde die Volksinitiative „Ja zum Verhüllungsverbot“ eingereicht, sodaß es eine Volksabstimmung geben wird.

Stellenmeldepflicht ab 1. Juli 2018: Liste der meldepflichtigen Berufsarten

Ab dem 1. Juli 2018 müssen zu besetzende Stellen in Berufsarten mit einer Arbeitslosenquote von 8 Prozent oder mehr (Schwellenwert) der öffentlichen Arbeitsvermittlung gemeldet werden. Auf den 1. Januar 2020 sinkt der Schwellenwert auf 5 Prozent.

Die Stellenmeldeplicht zielt darauf ab, durch den Vorrang für Stellensuchende, die bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) gemeldet sind, das inländische Arbeitskräftepotenzial besser zu nutzen.

An seiner Sitzung vom 23. Mai 2018 hat der Bundesrat die Liste der meldepflichtigen Berufsarten bestätigt, die bereits vom SECO im April auf Arbeit.swiss unter Vorbehalt der Zustimmung durch den Bundesrat aufgeschaltet worden war.

Gleichzeitig hat er die Erstellung und Publikation der Liste vereinfacht und an das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) delegiert.

Für die Unterstellung von Berufsarten unter die Stellenmeldepflicht gilt als einziges Kriterium die Arbeitslosenquote in einer Berufsart. Die Quoten werden gesamtschweizerisch und anhand des Durchschnitts über zwölf Monate in Berufsarten gemäss der Schweizerischen Berufsnomenklatur berechnet. Dies entspricht der feinsten Gliederung in der Schweizerischen Berufsnomenklatur (SBN 2000) des Bundesamtes für Statistik (BFS).

In der Vernehmlassung wurde von verschiedenen Seiten eine Überarbeitung der SBN2000 angeregt, damit die Stellenmeldepflicht gezielter auf Tätigkeiten mit hoher Arbeitslosigkeit ausgerichtet würde. Dieses Anliegen wurde aufgenommen und fliesst in die Revision der SBN 2000 des Bundesamtes für Statistik (BFS) ein.

Erstellung und Publikation der Liste

Mit der Delegation an das zuständige Departement vereinfacht der Bundesrat das Verfahren: Die Liste wird jeweils in einer Verordnung des WBF publiziert und gilt für die Dauer vom 1. Januar bis 31. Dezember des aktuellen Jahres. Das WBF aktualisiert die Liste jeweils im vierten Quartal eines Jahres. Die Arbeitslosenquoten werden dabei über den Zeitraum von einem Jahr berechnet. Sie entsprechen dem Durchschnitt vom vierten Quartal des Vorjahres und den drei ersten Quartalen des laufenden Jahres.

Das WBF hat am 23. Mai 2018 erstmals eine Verordnung mit den Berufsarten erlassen, in denen die Arbeitslosenquoten gesamtschweizerisch und im Durchschnitt über den Zeitraum vom 1. April 2017 bis zum 30. März 2018 8 Prozent erreicht oder überschritten wurden.

Die Liste ist auf Arbeit.swiss aufgeschaltet

Terrorgefahr: BR will Schutz des Luftraums erneuern

Der Bundesrat will die Mittel zum Schutz des Luftraums – und damit der Menschen, die in der Schweiz leben, wohnen und arbeiten – erneuern. Dabei soll die Bevölkerung die Möglichkeit haben, im Grundsatz über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge und eines neuen bodengestützten Systems zur Luftverteidigung abzustimmen. Einen entsprechenden Planungsbeschluss, der dem fakultativen Referendum unterstehen soll, hat der Bundesrat in seiner Sitzung vom 23. Mai 2018 in die Vernehmlassung geschickt.

Die Luftwaffe mßs praktisch alle ihre Mittel zum Schutz der Schweiz vor Gefahren aus der Luft erneuern. Die Kampfflugzeuge des Typs F/A-18 erreichen 2030 das Ende ihrer Nutzungsdauer, und die noch verbleibenden Tiger F-5 sind bereits heute nur tagsüber und bei guten Sichtverhältnissen für den Luftpolizeidienst einsetzbar und wären gegen einen modernen Gegner chancenlos. Bei den Systemen der bodengestützten Luftverteidigung (Bodluv) besteht bei der größeren Reichweite seit längerem eine Lücke.

Bundesrat will fakultatives Referendum

Symbolbild "Luftraum Domleschg / Summaprada)

Symbolbild „Luftraum Domleschg / Summaprada)

Der Bundesrat hat deshalb im November 2017 den Grundsatzentscheid getroffen, die Erneuerung der Mittel zum Schutz des Luftraums mit einem maximalen Finanzvolumen von 8 Milliarden Franken zu planen.

In einem weiteren Grundsatzentscheid hat der Bundesrat im März 2018 entschieden, daß die Bevölkerung die Möglichkeit haben soll, über die Erneuerung der Mittel zu befinden, da es sich um ein ganz grundlegendes und wichtiges Vorhaben für die Sicherheit der Schweiz handelt.

Deshalb schlägt der Bundesrat für das Vorhaben einen sogenannten Planungsbeschluss vor. Wenn das Parlament diesen verabschiedet, untersteht er dem fakultativen Referendum, das heisst die Bevölkerung hat die Möglichkeit, die nötige Anzahl Unterschriften zu sammeln und eine Volksabstimmung herbeizuführen.

Laut dem Planungsbeschluß, den der Bundesrat nun im Entwurf vorlegt, wird der Bundesrat beauftragt, die Erneuerung der Mittel zum Schutz des Luftraums durch Beschaffungen neuer Kampfflugzeuge und Systemen zur bodengestützten Luftverteidigung größerer Reichweite so zu planen, daß die Erneuerung 2030 abgeschlossen ist.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein Finanzvolumen von maximal 8 Milliarden Franken festgelegt wird. Zudem sollen ausländische Firmen, die Aufträge erhalten, 100 Prozent des Vertragswertes durch Gegengeschäfte in der Schweiz kompensieren. Die konkreten Beschaffungen werden dann dem Parlament in einem oder mehreren Rüstungsprogrammen vorgelegt.

Eine grundsätzliche Entscheidung

Ein solcher Planungsbeschluss ist gemäss Parlamentsgesetz für Vorhaben vorgesehen, die eine grosse Tragweite haben. Wie der Bundesrat in den Vernehmlassungsunterlagen festhält, gehört es zu den grundlegenden Aufgaben des Staates, für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen.

Wenn die heutigen Mittel der Luftwaffe nicht rechtzeitig ersetzt werden, wird sich die Schweiz spätestens 2030 nicht mehr vor Gefahren aus der Luft schützen können und wäre militärischen oder terroristischen Angriffen ausgeliefert.

Terrorgefahr

Der Luftraum ist für Streitkräfte und für Terrorgruppen seit den 1990er Jahren wichtiger geworden.

Die grosse Tragweite wird laut dem Bundesrat dadurch unterstrichen, daß es über die beiden letzten Beschaffungsprojekte von Kampflugzeugen zu Volksabstimmungen kam. Daraus entsteht kein Rechtsanspruch auf einen direktdemokratischen Entscheid über die nun anstehende Beschaffung, aber eine politisch zu beachtende Erwartung.

Beschaffung von Flugzeuge und Bodluv parallel realisieren

Die parallele, koordinierte und in einem Programm zusammengefasste Evaluation und Beschaffung neuer Kampfflugzeuge und eines neuen Systems zur bodengestützten Luftverteidigung erleichtert die Abstimmung in Bezug auf Qualität und Quantität.

Ein zeitliches Vorziehen oder Verschieben des einen oder anderen Projekts wäre deshalb nicht sinnvoll. Beide Projekte sind nötig, weil sich Kampfflugzeuge und Bodluv gegenseitig ergänzen. Flugzeuge sind mobiler, flexibler und vielfältiger einsetzbar, während Bodluv die Durchhaltefähigkeit erhöht.

Die sicherheits-, rüstungs- und volkswirtschaftspolitischen Anforderungen an die neuen Systeme hat das VBS bereits festgelegt und kommuniziert. Welcher Typ Kampfflugzeug und welches Bodluv-System beschafft werden soll, steht noch nicht fest. Auch die Anzahl Flugzeuge ist noch offen. Dies hängt auch von den Ergebnissen der Evaluation ab.

Der Bundesrat will diese Entscheide erst nach dem grundsätzlichen Entscheid von Parlament und Bevölkerung fällen und dem Parlament in einem oder mehreren Rüstungsprogrammen vorlegen.

Die Vernehmlassung dauert bis zum 22. September 2018.

Bundesrätin Sommaruga will, daß jeder „unbürokratisch“ sein Geschlecht ändern kann

Wie oft man sich umentschließen darf, geht aus der aktuellen Mitteilung des Bundesrats nicht hervor:

Personen, die innerlich fest davon überzeugt sind, nicht dem im Personenstandsregister eingetragenen Geschlecht zuzugehören, sollen Geschlecht und Vornamen mittels einer einfachen Erklärung ändern können.

Eine vorgängige medizinische Untersuchung ist nicht notwendig.

Transmenschen und Menschen mit einer Geschlechtsvariante sollen ihr Geschlecht und ihren Vornamen im Personenstandsregister künftig unbürokratisch ändern können. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 23. Mai 2018 eine entsprechende Änderung des Zivilgesetzbuches in die Vernehmlassung geschickt. Er setzt damit seine Politik fort, das Zivilrecht auf die tatsächlichen Bedürfnisse und Lebensrealitäten der Menschen auszurichten.

Transgender: Wieviele Geschlechter gibt es?

Um die Situation von Transmenschen und Menschen mit einer Geschlechtsvariante zu verbessern, will der Bundesrat die Änderung des Geschlechts und des Vornamens im Personenstandsregister vereinfachen. Personen, die innerlich fest davon überzeugt sind, nicht dem im Personenstandsregister eingetragenen Geschlecht zuzugehören, sollen Geschlecht und Vornamen mittels einer einfachen Erklärung ändern können.

Eine vorgängige medizinische Untersuchung ist nicht notwendig. Ist die betreffende Person verheiratet, bleibt die Ehe bestehen; für die eingetragene Partnerschaft gilt das sinngemäß. Auch Kindesverhältnisse bleiben unverändert bestehen.

Mit den vorgeschlagenen Änderungen paßt der Bundesrat die Gesetzgebung an die spezifische Situation an, in der sich Menschen mit Transidentität oder Geschlechtsvariante befinden. Die Revision liegt damit auf derselben Linie wie verschiedene Reformen des Zivilgesetzbuches in den letzten Jahren, etwa im Sorge-, Unterhalts- und Adoptionsrecht. Ziel dieser Reformen ist es, das Zivilrecht auf die tatsächlichen Bedürfnisse und die unterschiedlichen Lebensrealitäten der Bevölkerung auszurichten.
Änderung des Register-Eintrags heute schwierig

40 Betroffene pro Jahr

Heute muß jedes Kind nach der Geburt innert drei Tagen mit seinen Familien- und Vornamen, seiner Abstammung und seinem Geschlecht beim Zivilstandsamt angemeldet werden. Für die rund vierzig Kinder mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung, die jährlich in der Schweiz geboren werden, ist die heutige Regelung schwierig und häufig belastend:

Auch wenn das medizinische Fachpersonal das Geschlecht des Neugeborenen nicht bestimmen kann, muß das Kind trotzdem mit einem männlichen oder weiblichen Geschlecht beim Zivilstandsamt angemeldet werden. Das Geschlecht und der Vorname können später nur in einem administrativen oder gerichtlichen Verfahren geändert werden.

100 bis 200 Geschlechtswechsler

Auch Transmenschen, deren Geschlechtsidentität sich von dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht unterscheidet, sind mit großen Schwierigkeiten konfrontiert. Gemäß Hochrechnungen leben in der Schweiz 100 bis 200 Transmenschen, die bereits operiert wurden oder die eine Operation in Betracht ziehen.

Bis in die jüngste Zeit konnten sie das Geschlecht im Personenstandsregister erst nach einer chirurgischen Sterilisation und einer operativen Angleichung der Geschlechtsorgane ändern lassen.

Waren sie verheiratet, mußten sie sich zudem vorher scheiden lassen. Heute wird von solchen Anforderungen zwar abgesehen. Da jedoch keine klare gesetzliche Regelung besteht, müssen Transmenschen weiterhin hohe Hürden überwinden: Sie müssen die rechtliche Anerkennung der Geschlechtsänderung gerichtlich einklagen. Die Rechtspraxis ist uneinheitlich und die Verfahren werden als ungebührend langwierig und teuer empfunden. Deshalb möchte der Bundesrat das Zivilgesetzbuch anpassen.

Unabhängig von der vorgeschlagenen Gesetzesrevision prüft der Bundesrat gegenwärtig, ob die Ausführungsbestimmungen und das Personenstandsregister angepaßt werden sollen, um die dreitägige Frist für die Anmeldung des Geschlechts beim Zivilstandsamt zu verlängern, wenn das Geschlecht nicht unmittelbar nach der Geburt bestimmt werden kann. In der Vergangenheit wurden bei Kindern ohne medizinische Notwendigkeit aufgrund des gesellschaftlichen Drucks teilweise irreversible geschlechtsbestimmende Operationen durchgeführt.
Bericht zur Frage eines dritten Geschlechts

Bundesrat will drittes Geschlecht einführen für Kleinstgruppe

Mit der vorgeschlagenen Änderung des Zivilgesetzbuches wird kein drittes Geschlecht eingeführt. Der Bundesrat ist jedoch überzeugt, dass sich die Schweiz mit der Frage nach der Einführung eines dritten Geschlechts auseinandersetzen muß.

Deshalb hat er im Februar dieses Jahres die Postulate von NR Sibel Arslan (17.4121) und NR Rebecca Ruiz (17.4185), die eine solche Prüfung fordern, zur Annahme empfohlen und sich bereit erklärt, zu dieser Frage einen Bericht zu erstellen.

Video im Schweizer Staatsfernsehen (wurde gelöscht, nicht mehr verfügbar, die Redaktion wartet noch auf eine Antwort vom SRF, warum die Videos gelöscht wurden):

 

Goldener Bremsklotz 2018 geht an Jean-Luc Addor

Der Goldene Bremsklotz des Recherche-Netzwerks investigativ.ch geht dieses Jahr an den SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor.

Der Walliser Nationalrat und Rechtsanwalt will mittels parlamentarischer Initiative Strafbefehle und Einstellungsverfügungen zur Geheimsache erklären.

Damit würde der größte Teil der Strafjustiz der öffentlichen Kontrolle entzogen. Es wäre ein großer Schritt zurück zu einer Kabinettsjustiz so investigativ. Und weiter:
Fataler Entscheid der Rechtskommission

Unverständlicherweise hat die Rechtskommission des Nationalrats einen Teil von Addors gefährlichen Forderungen übernommen.

Die Kommission wollte zwar «nur noch» Einstellungs- und Nichtanhandnahmeverfügungen vom Öffentlichkeitsprinzip ausnehmen. Doch auch das wäre ein fataler Rückbau der öffentlichen Justizkontrolle gewesen. Für eine umfassende Justizkontrolle ist zentral, daß Bürger erfahren können, gegen wen und warum Verfahren eingestellt werden.

«Einstellungsverfügungen können Hinweise auf Klassenjustiz oder auf unfähige Strafverfolger geben», so Dominique Strebel vom Vorstand von Investigativ.ch. «Ist ein Verfahren zum Beispiel verjährt, hat vielleicht die Staatsanwaltschaft schlecht gearbeitet; wird ein Verfahren wegen Wiedergutmachung eingestellt, hat sich eine reiche Person vielleicht zu Unrecht freikaufen können», so Strebel weiter.

Addor will Unschuldige schützen

Jean-Luc Addor hat gegenüber investigativ.ch erklärt ihm gehe es um den Schutz der Privatsphäre. Gerade bei eingestellten Verfahren könnte es ich um völlig haltlose Vorwürfe gehandelt haben. Es sei nicht richtig, die Betroffenen den Medien auszuliefern. Addor verkennt, daß bereits heute eine Interessenabwägung gemacht wird. Und daß der Schutz der Privatsphäre bei bereits heute gewichtet wird.

Gefahr noch nicht gebannt

Der Nationalrat hat den Vorschlag der Kommission am 7.3.2018 abgelehnt. Doch für die Jean-Luc Addor ist die Debatte damit noch „nicht vom Tisch“. Genau gleich sieht das Investigativ.ch. Das Recherche-Netzwerk wird eine solche Schwächung der öffentlichen Justizkontrolle nicht zulassen. Wir werden weiter für Transparenz und das Öffentlichkeitsprinzip gerade auch bei Justizdokumenten kämpfen.

Mitglieder haben entschieden

Das Recherche-Netzwerk investigativ.ch vergibt 2018 zum fünften Mal den Goldenen Bremsklotz.

Neben Jean-Luc Addor waren dieses Jahr auch der Walliser Staatsratspräsident Jacques Melly und Swissmedic für den Schmähpreis nominiert. Die Mitglieder von investigativ.ch haben den Sieger mittels Digital-Abstimmung ermittelt und sich knapp für den Walliser SVP-Nationalrat ausgesprochen (Platz zwei: Swissmedic).

Jean-Luc Addor ließ sich für die Preisverleihung entschuldigen. Er befinde sich im Ausland…

Schweizer Bundesanwaltschaft gibt Jahresbericht heraus

Das Jahr 2017 der Bundesanwaltschaft (BA) war im operativen Kerngeschäft weiterhin geprägt von der Bearbeitung grosser Verfahrenskomplexe im Bereich der internationalen Wirtschaftskriminalität sowie ressourcenintensiven Verfahren im Bereich des dschihadistisch motivierten Terrorismus.

Weiter galt es die 2016 eingeführten Strukturen zu festigen und die strategischen Ziele umzusetzen. Die Berichte der Länderevaluationen der GAFI* sowie der GRECO* würdigten den Beitrag der BA zur Bekämpfung der internationalen Korruption sowie der Geldwäscherei positiv.

In Bezug auf die OECD*-Antikorruptionskonvention war die BA im Berichtsjahr ausserdem in die Phase-4-Länderprüfung der Schweiz eingebunden.

Die Politik der BA, alle Personen in der Schweiz, die sich am dschihadistisch motivierten Terrorismus zu beteiligen versuchen oder diesen mit Propagandamitteln unterstützen, konsequent zu verfolgen ist anspruchsvoll und ressourcenintensiv. Auch im Bereich Wirtschaftskriminalität war die BA im Berichtsjahr weiterhin gefordert.

Die Bearbeitung der großen Verfahrenskomplexe wie „Petrobras/Odebrecht“, „1MDB“ oder „Fussball“ in abteilungsübergreifend zusammengesetzten Verfahrensteams hat sich bewährt.

Außerdem ist der Verfahrenskomplex „Arabischer Frühling“ in die Endphase getreten. Im Verlauf des Jahres wurden verschiedene Teilabschlüsse verzeichnet sowie beschlagnahmte Vermögenswerte restituiert.

Struktur zur Bekämpfung der Cyberkriminalität

Zur Bekämpfung der Cyberkriminalität hat die BA im Verlauf des Jahres das Team der Cyber-Staatsanwälte aufstocken können. Inzwischen wurden gestützt auf eine eingehende Analyse der Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts präzise Kriterien entwickelt, die künftig beim Entscheid über die Zuständigkeit der BA in diesem Bereich herangezogen werden können.

Anhand dieser Kriterien werden insbesondere der internationale Charakter, technische Schwierigkeiten und Umfang des Sachverhalts in der Schweiz geprüft.

Dabei zeigte sich, daß das Thema Cyberkriminalität von der BA global anzugehen ist und sich nicht auf die Zuständigkeitsfrage gemäß Strafprozeßordnung beschränken darf.

Die Zusammenarbeit mit den weiteren nationalen, internationalen, privaten und staatlichen Aktören im Kampf gegen Cyberkriminalität, die Frage der Ressourcen und der zu erreichenden Ziele sind Themen, die im Hinblick auf ein wirksames und konzertiertes Vorgehen behandelt werden müssen.

Diesbezügliche Überlegungen werden derzeit vom Team der Cyber-Staatsanwälte mit verschiedenen Diensten innerhalb der BA konkretisiert.

Fakten

Trotz Priorisierung und einer stetig hohen Anzahl an Erledigungen sind bei der BA per Ende 2017 478 Strafuntersuchungen hängig, dies entspricht einer Zunahme von rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zunehmend komplexere Verfahren mit immer größeren internationalen Bezügen stellen für die Behörde eine große Herausforderung dar. (Symbolbild: Deutscher Bundesnachrichtendienst, Abhöranlage)

Zunehmend komplexere Verfahren mit immer größeren internationalen Bezügen stellen für die Behörde eine große Herausforderung dar. (Symbolbild: Deutscher Bundesnachrichtendienst, Abhöranlage)

Zunehmend komplexere Verfahren mit immer größeren internationalen Bezügen stellen für die Behörde eine große Herausforderung dar.

So setzt die BA für die Bewältigung solcher Verfahren auf Verfahrensteams und Sondereinheiten, die Standort- oder Bereich- übergreifend zusammenarbeiten. Große Verfahrenskomplexe wie „Petrobras/Odebrecht“ oder ähnliche generieren außerdem eine zunehmende Arbeitsbelastung im Rechtshilfebereich.

Im Berichtsjahr hat die BA 237 (Vorjahr: 190) neue Strafuntersuchungen eröffnet und dem Bundesstrafgericht 21 Anklagen (Vorjahr: 14) überwiesen, davon 3 (3) im abgekürzten Verfahren. Die BA stellte 788 (1094) Strafbefehle aus.

Weil ein Strafbefehl gegen eine Person erlassen wird, ist es daher möglich, daß in einem Verfahren mehrere Strafbefehle erlassen werden. Die Zahl der per Ende Jahr hängigen Strafuntersuchungen (478) hat sich leicht erhöht. Neue Rechtshilfeersuchen gingen 197 ein (Vorjahr: 193). Insgesamt wurden 187 Ersuchen erledigt (186).

Die Zentrale Eingangsbearbeitung der BA (ZEB) bearbeitete im Berichtsjahr insgesamt 1161 Eingänge. Darunter waren 171 Ersuchen um Verfahrensübernahme, bei mehr als 80 % dieser Ersuchen wurde die Bundeskompetenz anerkannt. Ferner wurden 367 MROS-Meldungen bearbeitet.

Zusammenarbeit mit internationalen und nationalen Partnern

Die Vernetzung sowohl mit internationalen als auch nationalen Partnern ist gut. Insbesondere das Mitwirken in verschiedenen internationalen Organisationen und Arbeitsgruppen, zeigt für die Bearbeitung eigener Strafuntersuchungen in Bezug auf die Beantwortung von Rechtshilfeersuchen positive Auswirkungen.

In Bezug auf die Zusammenarbeit mit nationalen Partnern stellt die BA fest, daß insbesondere mit der Bundeskriminalpolizei (BKP), dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) sowie der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) ein partnerschaftliches Verhältnis besteht.

Mit der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) besteht die Absicht, die Zusammenarbeit in Zukunft zu verstärken, um Synergien zu nutzen, die ihre jeweiligen Tätigkeitsbereiche bieten. Eingebunden in die Schweizerischen Staatsanwälte-Konferenz (SSK) ist zudem ein enger Kontakt mit den kantonalen Strafverfolgungsbehörden für die BA gegeben.

Nach den Länderevaluationen der GAFI und der GRECO, welchen die Schweiz im Jahr 2016 unterzogen wurde, hat die BA Empfehlungen in ihrem Zuständigkeitsbereich umgesetzt. Unter anderem hat sich die BA einen „Code of Conduct“ gegeben und widmet allfälligen Disziplinaruntersuchungen, die im Berichtsjahr gegen Staatsanwälte eröffnet oder geführt wurden im Tätigkeitsbericht eine eigene Rubrik. Im Berichtsjahr folgte die Länderprüfung Phase 4 der Schweiz. Das Ergebnis dieser Prüfung, die auch die BA stark eingebunden war, wurde von der „Working Group on Bribery“ der OECD im März 2018 verabschiedet und publiziert.

*GAFI: Groupe d’Action financière (Arbeitskreis Massnahmen zur Geldwäschereibekämpfung)
*GRECO: Groupe d’Etats contre la corruption (Staatengruppe gegen Korruption)
*OECD: Organisation for Economic Co-operation and Development (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)

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