| Die Schweizer Zeitung
Thursday November 23rd 2017

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Bestäuber und Nützlinge steigern Rapserträge

Rapsglanzkäfer frisst Pollen auf einer Rapsblüte, verkürzt dadurch ihre Blühdauer und die Wahrscheinlichkeit, bestäubt zu werden (Foto: Agroscope, Matthias Tschumi).

Rapsglanzkäfer frisst Pollen auf einer Rapsblüte, verkürzt dadurch ihre Blühdauer und die Wahrscheinlichkeit, bestäubt zu werden (Foto: Agroscope, Matthias Tschumi).

Eine neue Studie von Agroscope zeigt, dass sich Ökosystemleistungen wie Bestäubung durch Insekten oder Schädlingskontrolle gegenseitig positiv beeinflussen können. Dadurch werden im Rapsanbau höhere Erträge erzielt, welche ökonomisch relevant sind.

Insektenbestäubung und Schädlingsbekämpfung sind zentrale Funktionen für die Erhaltung der globalen Nahrungsmittelproduktion. Die Maximierung solcher Ökosystemleistungen in der Landwirtschaft ist von entscheidender Bedeutung für eine nachhaltige Landwirtschaft. Diese ist aufgefordert, die Ernährungssicherheit langfristig zu garantieren, ohne dabei die Biodiversität zu gefährden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss verstanden werden, ob und wie Ökosystemdienstleistungen interagieren. Bis anhin wurden solche Ökosystemleitungen meist unabhängig untersucht und die gegenseitige Beeinflussung kaum beachtet.

In kontrollierten Feldversuchen fanden die Forschenden starke Synergieeffekte der Insektenbestäubung und der simulierten Kontrolle des Rapsglanzkäfers, dem bedeutendsten Rapsschädling hierzulande, bezüglich Rapsertrag. Die gemeinsame Wirkung erhöhte den Ertrag um 23 Prozent, während die einzelnen Funktionen den Ertrag um sieben Prozent bzw. sechs Prozent erhöhten. Der potenzielle wirtschaftliche Nutzen von den Synergieeffekten ist deshalb fast doppelt so gross wie ihre individuellen Beiträge zusammen. Zudem konnte gezeigt werden, dass die synergistische Erhöhung des Ertrags hauptsächlich durch eine Verlängerung der Blühdauer beim Raps zustande kommt, aufgrund der Kontrolle des pollenfressenden Rapsglanzkäfers und einer entsprechend erhöhten Wahrscheinlichkeit der Blüte, bestäubt zu werden.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie unterstreichen die Bedeutung von Wechselwirkungen zwischen Ökosystemleistungen. Sie erlauben verlässlichere Bewertungen und Vorhersagen, was für eine effiziente Umsetzung von agrarumweltpolitischen Massnahmen für eine nachhaltige Landwirtschaft von zentraler Bedeutung ist. Sie zeigen auch, dass die Wirksamkeit von solchen Maßnahmen zur Förderung von Bienen und anderen Bestäubern und Bestäubungsleistungen fehlschlagen können, wenn nicht gleichzeitig auch die Schädlingskontrolle beachtet wird. Im Gegensatz dazu könnte ein nachhaltiges Management von mehreren Ökosystemleistungen ein vielversprechender und kostengünstiger Ansatz zur ökologischen Intensivierung der Landwirtschaft sein. Um mehrere Ökosystemleistungen effektiv und nachhaltig zu bewirtschaften, braucht es diesbezüglich weitere Forschungsaktivitäten, insbesondere für ein besseres Verständnis der Wechselwirkungen zwischen den Ökosystemleistungen.