| Die Schweizer Zeitung
Monday December 18th 2017

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Bär von Graubünden jetzt in Bern: 40 Km an einem Tag

Lange Zeit hielt sich ein Bär in Graubünden auf.

Inzwischen ist er im Kanton Bern und die Volkswirtschaftsdirektion nennt ihn sogar „Berner Bär“.

Das zeigt, wie agil diese Großraubtiere sind.

Bern hat sein Wappentier zurück

Im Mai 2017 ereignete sich im Raum Emmental – Berner Oberland Historisches, berichtet die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern:

Nach mehr als 190 Jahren kehrte das Wappentier in den Kanton Bern zurück. In der Zwischen-zeit konnte die Geschichte des scheuen «Berner Bären» dank Spuren, Beobachtungen und genetischen Untersuchungen nachgezeichnet werden.

Die Berner Volkswirtschaftsdirektion bezeichnet den Bären, der lange in Graubünden und auch im Domleschg (Viamala-Schlucht, Übernolla-Gebiet Thusis) unterwegs war inzwischen als  «Berner Bären» (Karte: Kora@GIS)

Die Berner Volkswirtschaftsdirektion bezeichnet den Bären, der lange in Graubünden und auch im Domleschg (Viamala-Schlucht, Übernolla-Gebiet Thusis) unterwegs war inzwischen als «Berner Bären» (Karte: Kora@GIS)

Geboren im Winter 2013 im Trentin

Der Bär mit der wissenschaftlichen Bezeichnung M29 wurde wahrscheinlich im Winter 2013 als Sohn der Bärin F09 im italienischen Naturpark Adamello-Brenta geboren. Im September 2014 wurde er erstmals genetisch identifiziert. Nach der Trennung von seiner Mutter wanderte M29 Richtung Westen und wurde im April 2016 südlich von Chiavenna erneut genetisch nachgewiesen.

Von hier an wird seine Wanderung spekulativ, da der nächste genetische Hinweis erst im Herbst 2017 im Gental (Gemeinde Innertkirchen) gelang. Bärenbeobachtungen in den Kantonen Graubünden, Uri, Schwyz und Bern ermöglichen aber Vermutungen über seine Strecke.

Mit großer Wahrscheinlichkeit überquerte M29 die Schweizer Grenze Ende April 2016 westlich des Splügenpasses. Der Bär wurde auf rund 2900 Meter von einem Berggänger beobachtet und fotografiert.

Von Thusis nach Trun

Anfang Mai wurden Bärenspuren im Val Curciusa gefunden und kurz darauf war ein Bär im Domleschg in der Region Thusis unterwegs.

Am 11. Mai 2016 tappte er in eine Fotofalle eines Wildhüters bei Trun. Zehn Tage später wurde der Bär von einem Autofahrer in der Schöllenen im Kanton Uri beobachtet. Danach kehrte er offenbar nochmals in die Surselva zurück, wo er am 24. Mai unterhalb des Oberalppasses gesehen wurde.

40 Km an 1 Tag zurückgelegt

Nur einen Tag später wurden Bärenspuren am Hoch-Ybrig, im Kanton Schwyz beobachtet.

Vermutlich hat M29 die Distanz von 40 Kilometer Luftlinie in weniger als 24 Stunden zurückgelegt.

Von Juni 2016 bis April 2017 wurde M29 mehrmals im östlichen Teil des Kantons Uri nachgewiesen. Anfang Dezember 2016 wurden im Val Maighels im Grenzgebiet Graubünden/Uri Bärenspuren dokumentiert.

Bienenhäuschen geplündert

Sicher ist, daß M29 Ende März 2017 wieder im Kanton Uri auftauchte, wo er am 17. April 2017 in ein Bienenhäuschen einbrach.

Das ist der einzige bekannte Schaden von M29 in der Schweiz. Ende April 2017 fing der Bär an, sich großräumiger zu bewegen. Er wurde im Urseren-, Göschenen- und Meiental (Kanton Uri) beobachtet.

Genetisch nachgewiesen im Gental

Am 14. Mai 2017 wurden Spuren auf dem Susten-, am 23. Mai 2017 auf dem Grünenbergpass gefunden, wo M29 am 26. Mai 2017 auch beobachtet und fotografiert werden konnte. Neben mehreren Hinweisen und einem genetischen Nachweis im Gental gelang eine spektakuläre Beobachtung, als M29 auf dem Gletscher des Sustenhorns beobachtet wurde und in der Nähe der Tierberglihütte Spuren hinterliess.

Seit dem 11. September 2017 fehlen Hinweise auf den Aufenthaltsort von M29. Ob er sich noch im Kanton Bern aufhält oder ob er sich erneut auf Wanderschaft begeben hat, ist nicht bekannt. Voraussichtlich wird er sich in den kommenden Wochen in ein Winterlager zurückziehen.

Scheuer Bär

M29 ist ein scheuer Bär.

Hinweise auf seinen Aufenthaltsort sind selten und oft wird er während mehreren Wochen nicht gesehen.

Er ist nun vier Jahre alt und gilt als erwachsen.