| Die Schweizer Zeitung
Saturday November 25th 2017

Archives

Anhörung zur Verordnung über die Deklaration von Pelzen und Pelzprodukten

Das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) eröffnet die Anhörung zur Verordnung über die Deklaration von Pelzen und Pelzprodukten. Mit der neuen Verordnung schafft der Bundesrat eine Deklarationspflicht für Pelze und Pelzprodukte. Dadurch erhält die Konsumentenschaft Klarheit über die Tierart, die Herkunft und die Haltungsform der Tiere.

Die vom Parlament überwiesene Motion Moser (08.3675) beauftragte den Bundesrat, die Rechtsgrundlagen derart zu ändern, daß eine Deklarationspflicht für Pelze und deren Produkte geschaffen wird. Die Konsumentenschaft soll dadurch Klarheit über die Haltungsform, die Herkunft sowie die Tierart erhalten. Die Deklarationspflicht wird gestützt auf das Konsumenteninformationsgesetz (KIG) umgesetzt.

Anhörung zur Verordnung über die Deklaration von Pelzen und Pelzprodukten

Anhörung zur Verordnung über die Deklaration von Pelzen und Pelzprodukten

Die neue Verordnung regelt die Deklarationspflichten und die Kontrolle der Deklaration für Pelze und Pelzprodukte und verpflichtet jede Person, die Pelze oder Pelzprodukte an Konsumenten abgibt, den wissenschaftlichen und den zoologischen Namen der Wildtierart anzugeben, von der das Fell stammt. Zudem muß die Herkunft und die Gewinnungsart des Fells deklariert werden.

Das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) wird beauftragt, Kontrollen zur Umsetzung dieser Deklarationspflicht durchzuführen. Der Bundesrat kann für den Vollzug der Vorschriften weiter die betroffenen Organisationen der Wirtschaft und der Konsumenten beiziehen.

Die Anhörung läuft vom 5. Juli bis zum 24. September 2012. Die Anhörungsunterlagen sind auf der Internetseite des BVET www.bvet.admin.ch /Aktuell / Laufende Vernehmlassungen und Anhörungen einsehbar.

Eingereichter Text der Motion

Die Rechtsgrundlagen werden derart geändert, daß eine Deklarationspflicht für Pelze und deren Produkte geschaffen wird. Die Konsumentenschaft muß dank der Deklarationspflicht Klarheit über die Haltungsform, die Herkunft sowie die Tierart erhalten.

Begründung

Vor 25 Jahren wurde Pelztragen erfolgreich in der Öffentlichkeit zur Gewissensfrage deklariert. Heute ist Pelz wieder Mode. Pelz hat in erschreckendem Ausmaß Einzug ins Billigsegment der Kleidungsindustrie genommen. Damit ist Pelz zum Wegwerfartikel geworden. Das Bewusstsein für das Tier ist in den Hintergrund gerückt.

Die ethisch fragwürdigen Bedingungen der Pelzproduktion sind heute nicht weniger problematisch, im Gegenteil. China ist heute der größte Produzent von Pelzen. Die Bilder von lebenden gehäuteten Hunden in China waren in den Medien präsent und schockierten die Öffentlichkeit.

Der Gäwolf bzw. Gaewolf ist gar kein Wolf

Der Gäwolf bzw. Gaewolf ist gar kein Wolf

Mit der neuen Tierschutzgesetzgebung gilt seit 1. September 2008 das Importverbot für Hunde- und Katzenfelle sowie die daraus hergestellten Produkte (Art. 14 Abs. 2 TSchG). Das Importverbot für Pelze bzw. deren Produkte ist jedoch ohne Deklarationspflicht nicht umsetzbar. Gerade in der Pelzindustrie werden oft irreführende Namen verwendet, welche unkenntlich machen, um welches Tier es sich eigentlich handelt.

So wird etwa der Begriff „Gaewolf“ für Hundefelle verwendet. Zudem fallen Nerze, Kaninchen, Füchse, Wölfe usw. nicht unter dieses Verbot, obwohl sie ebenso ein wichtiger Bestandteil der industriellen Pelztierproduktion sind. Zudem werden heute nicht ganze Pelzjacken importiert, vielmehr werden Pelzbesätze an Kragen, Ärmeln oder auch Säumen verwendet. Die Felle werden zudem so stark bearbeitet, dass deren tierische Herkunft kaum mehr feststellbar ist.

Des Weiteren existiert keine klare Herkunftsdeklaration im Textilbereich, sodaß problemlos Kleider mit europäischer Herkunftsdeklaration importiert werden können, auch wenn sie einen Pelzbesatz aus China aufweisen. Besteht ein Kleidungsstück zu 51 Prozent aus Stoff, wird es als Textilie verbucht, mit oder ohne Pelzkragen.

Mit der mangelnden Deklarationspflicht ist es nicht möglich, das Importverbot von Hunde- und Katzenfelle in Artikel 14 Absatz 2 TSchG umzusetzen. Zudem muß dank einer transparenten Deklaration dem Käufer eine klare Vorstellung vermittelt werden, ob er sich für einen Echtpelz und, wenn ja, für welche Art von Pelz er sich entscheidet. Im Lebensmittelbereich ist eine klare Deklaration nicht mehr wegzudenken. Verantwortungsvoller Konsum ist nur über klare Information zu erreichen.

Stellungnahme des Bundesrates vom 20.05.2009

Neue Kennzeichnungsvorschriften widersprechen grundsätzlich den im Rahmen der laufenden Teilrevision des Bundesgesetzes über die technischen Handelshemmnisse bekräftigten Bestrebungen des Bundesrates. Er gewichtet indes das Interesse der  Konsumenten, sich zu informieren und sich bewusst für oder gegen bestimmte Pelzprodukte entscheiden zu können, höher als das zusätzliche Handelshemmnis.

Die konkrete Ausgestaltung der Deklarationsvorschriften wird noch zu prüfen sein. Sie müssen umsetzbar und kontrollierbar sein und dürfen keinen unverhältnismäßigen Aufwand nach sich ziehen. Die Entwicklungen in der EU betreffend die Umsetzung des Einfuhrverbotes für Hunde- und Katzenfelle sind zu berücksichtigen. In diesem Sinne ist der Bundesrat bereit, die Annahme der Motion zu beantragen.