| Die Schweizer Zeitung
Friday December 15th 2017

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50 Jahre Materialforschung in Dübendorf – Empa feiert mit Gästen aus Politik und Wirtschaft

Bild 11Hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik feierten mit der Empa am 19. August das 50-jährige Jubiläum ihres Standortes Dübendorf. Aus Forschungsergebnissen marktfähige Innovation zu machen – und dadurch letztlich die Innovationsfähigkeit der Schweiz zu halten beziehungsweise auszubauen – das sind die Hauptanliegen des Materialforschungsinstituts.

Bereits am Freitag begannen die Feierlichkeiten mit einer Veranstaltung für die Mitarbeitenden. Der frühere Direktor des Standortes Dübendorf, Urs Meier, und der derzeitige Empa-Direktor, Gian-Luca Bona, stellten den Wandel des Instituts von einer Prüf- zur Forschungseinrichtung dar. Meier bot einen geschichtlichen Überblick, angefangen vom Beschluss des Bundesrates im Jahr 1953, auf der «grünen Wiese» in Dübendorf eine «neue Empa» zu bauen, da die «alte» im Stadtzentrum Zürichs unter akuter Platznot litt. Er stellte auch einige Meilensteine vor, etwa die Entwicklung einer leistungsfähigen Anlage für Ermüdungsversuche an großen Kabeln, mit der unter anderem die Aufhängung des Zeltdaches im Olympiastadion von München untersucht wurde. Oder die Entwicklung nachträglicher Verstärkungen von Bauwerken mit dem bisher praktisch nur im Flugzeugbau üblichen Hightech-Material CFK, kohlefaserverstärktem Kunststoff.

Die Empa von morgen zu skizzieren, oblag dann Gian-Luca Bona. Die Herausforderungen, die sich durch eine zunehmend globalisierte Welt ergeben, müsse man annehmen, sagte er. Gerade in den Bereichen Energie, neue Wohn- und Mobilitätskonzepte, natürliche Ressourcen und Gesundheit bestehe großes Potenzial; hier wolle die Empa weiter «mit Kreativität entdecken und forschen». Dabei sei vor allem die Brückenfunktion zwischen Forschung und Industrie, die die Empa einnimmt, von herausragender Bedeutung.

Festakt mit illustren Gästen

Am Montag gaben Laborrundgänge im Rahmen des offiziellen Festakts Führungspersönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte der Empa. Bundesrat Johann Schneider-Ammann, als Schweizer Forschungsminister oberster Chef der Empa, bezeugte dem Institut «grossen Respekt» und lobte die hervorragende Zusammenarbeit mit der akademischen Welt wie auch mit der Wirtschaft. «Die Empa ist für alle da», betonte er, gerade auch für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Und: «Sie gestaltet die Zukunft mit». Weil sie «über die Landesgrenzen hinaus strahlt», sei es für die Schweiz wichtig, daß die Empa eine Innovationsschmiede sei und bleibe. Nur so könne die internationale Spitzenstellung des Landes im Bereich Innovation erhalten bleiben. Schneider-Ammann bezeichnete die Empa als «thematisch auf der Höhe der Zeit». Er setze sich sehr für den Innovationspark ein, der in Dübendorf entstehen soll. «Die Empa hat für Dübendorf eine bedeutende Funktion. Der Innovationspark soll die Forschungskompetenzen, die hier vorhanden sind, besser miteinander verbinden», forderte er.

Für Regine Aeppli, Regierungsrätin und Bildungsdirektorin des Kantons Zürich, ist die Empa «mehr als ein Forschungsbetrieb». Sie übernehme auch regelmäßig wichtige Aufgaben für den Kanton, zum Beispiel die Entwicklung des Zürcher Fluglärmindexes zur objektiven Beurteilung von Fluglärm. Auch sie sprach sie sich deutlich für einen Innovationspark Dübendorf aus.

Dübendorfs Stadtpräsident Lothar Ziörjen schließlich hob hervor, wie wichtig die Empa für Dübendorf als Arbeitgeber und Ausbilder sei und bezeichnete sie als eine «wichtige Partnerin für den Stadtrat». Dübendorf sei ohne die Empa nicht mehr vorstellbar, auch deshalb unterstütze er die Idee eines Innovationsparks in «seiner» Stadt.

Auch für Industrie und Wirtschaft wichtig

Als Vertreter der Industrie bedankte sich Jürg Werner, Direktionspräsident der V-Zug AG, für die gute Zusammenarbeit mit der Empa. «Alle reden über Innovation, nur wenige machen sie», sagte er und stellte Produkte seiner Firma vor. Werner sieht Gemeinsamkeiten in der Innovationskraft und im Wettbewerb gegen starke, ausländische Konkurrenz.

Neue Denkansätze lieferte der Schriftsteller und Dramaturg Lukas Bärfuss, der in einem absurd anmutenden Gedankenexperiment rund um einen gebrochenen Aufhängungshaken die Frage stellte, wie die Gesellschaft mit technologischen Neuerungen und deren etwaigen Risiken umgeht. In diesem Spannungsfeld könnten die «exakten Naturwissenschaften» noch einiges von Kulturschaffenden lernen, die sich ja seit Jahrhunderten mit nichts anderem als der menschlichen Ur-Angst der Vergänglichkeit beschäftigten, so Bärfuss.