| Die Schweizer Zeitung
Saturday November 25th 2017

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16 % können nicht richtig Lesen und Schreiben: Tagung zur Prävention und Bekämpfung von Analphabetismus

Man dachte die Zeiten schon lange hinter sich, da Leute nicht Lesen und Schreiben beherrschen. Probleme mit der Alphabetisierungrate schienen nur noch Entwicklungsländer zu haben.

In vielen Ländern der westlichen Industriegesellschaften gibt es aber zunehmend mehr Analphabeten. Im deutschsprachigen Bereich haben zudem immer wieder korrigierte Rechtschreibreformen ohne erkennbares System dazu geführt, daß viele Menschen gar nicht mehr wissen, wie man schreiben soll.

Auch das von Werbeagenturen und Behörden (namentlich der Bundeskanzlei) exzessiv verwendete Denglisch entfaltet seine negative Wirkung zusehends.

Immer mehr Analphabeten: In der Schweiz können inzwischen 16 % der Bevölkerung nicht richtig Lesen und Schreiben

Immer mehr Analphabeten: In der Schweiz können inzwischen 16 % der Bevölkerung nicht richtig Lesen und Schreiben

In der Schweiz beherrschen inzwischen stattliche „16 Prozent der Erwachsenen die Grundfertigkeiten des Lesens und Schreibens nicht in ausreichendem Maß“, so das Bundesamt für Kultur in einer heutigen Mitteilung.

Analphabetismus bzw. Illettrismus ist ein gesellschaftliches Phänomen, das vielfältige Ursachen kennt und auf verschiedenen Ebenen angegangen werden muß, heißt es hierin: Jedes Jahr organisieren das Bundesamt für Kultur (BAK) und die Pädagogische Hochschule FHNW eine Fachtagung zum Thema Illettrismus. Die nächste Veranstaltung findet am 5. November statt.

Im Zentrum steht der Dialog zwischen den Lernkulturen im Bereich der Nachholbildung in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie und welchen gesellschaftlichen Anforderungen mit unterschiedlichen Weiterbildungsangeboten begegnet werden kann.

Ziel dieser sechsten Tagung ist es, Informationen aus Forschung und Praxis Fachkreisen und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und von den Erfahrungen und den verschiedenen Lernkulturen wechselseitig zu profitieren.

Am Schluß der Tagung wird der vom Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben ausgerichtete Alpha-Preis 2010 übergeben, der in diesem Jahr unter dem Thema «Zugang für Grundkompetenzen von Jugendlichen» stand.

Mit der Fachtagung «Literalität zwischen gesellschaftlichen Anforderungen und Angeboten der Beteiligung» setzt das Bundesamt für Kultur zusammen mit dem Zentrum Lesen der Pädagogischen Hochschule FHNW die Reihe von Veranstaltungen fort, mit welchen das Netzwerk unter Fachstellen und Fachleuten in den Bereichen der Leseförderung, der Prävention und der Bekämpfung von Illettrismus stärker geknüpft werden soll.

Die Anforderungen von Firmen an die Lese- und Schreibkompetenzen ihrer Mitarbeiter sind hoch und gehen häufig über die Lernmöglichkeiten der von Illettrismus betroffenen Personen hinaus. Daher werden die in Deutschland, Frankreich und der Schweiz gemachten Erfahrungen an der Tagung mit Interesse geprüft.