16 % können nicht richtig Lesen und Schreiben: Tagung zur Prävention und Bekämpfung von Analphabetismus

Man dachte die Zeiten schon lange hinter sich, da Leute nicht Lesen und Schreiben beherrschen. Probleme mit der Alphabetisierungrate schienen nur noch Entwicklungsländer zu haben.

In vielen Ländern der westlichen Industriegesellschaften gibt es aber zunehmend mehr Analphabeten. Im deutschsprachigen Bereich haben zudem immer wieder korrigierte Rechtschreibreformen ohne erkennbares System dazu geführt, daß viele Menschen gar nicht mehr wissen, wie man schreiben soll.

Auch das von Werbeagenturen und Behörden (namentlich der Bundeskanzlei) exzessiv verwendete Denglisch entfaltet seine negative Wirkung zusehends.

Immer mehr Analphabeten: In der Schweiz können inzwischen 16 % der Bevölkerung nicht richtig Lesen und Schreiben

Immer mehr Analphabeten: In der Schweiz können inzwischen 16 % der Bevölkerung nicht richtig Lesen und Schreiben

In der Schweiz beherrschen inzwischen stattliche „16 Prozent der Erwachsenen die Grundfertigkeiten des Lesens und Schreibens nicht in ausreichendem Maß“, so das Bundesamt für Kultur in einer heutigen Mitteilung.

Analphabetismus bzw. Illettrismus ist ein gesellschaftliches Phänomen, das vielfältige Ursachen kennt und auf verschiedenen Ebenen angegangen werden muß, heißt es hierin: Jedes Jahr organisieren das Bundesamt für Kultur (BAK) und die Pädagogische Hochschule FHNW eine Fachtagung zum Thema Illettrismus. Die nächste Veranstaltung findet am 5. November statt.

Im Zentrum steht der Dialog zwischen den Lernkulturen im Bereich der Nachholbildung in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie und welchen gesellschaftlichen Anforderungen mit unterschiedlichen Weiterbildungsangeboten begegnet werden kann.

Ziel dieser sechsten Tagung ist es, Informationen aus Forschung und Praxis Fachkreisen und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und von den Erfahrungen und den verschiedenen Lernkulturen wechselseitig zu profitieren.

Am Schluß der Tagung wird der vom Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben ausgerichtete Alpha-Preis 2010 übergeben, der in diesem Jahr unter dem Thema «Zugang für Grundkompetenzen von Jugendlichen» stand.

Mit der Fachtagung «Literalität zwischen gesellschaftlichen Anforderungen und Angeboten der Beteiligung» setzt das Bundesamt für Kultur zusammen mit dem Zentrum Lesen der Pädagogischen Hochschule FHNW die Reihe von Veranstaltungen fort, mit welchen das Netzwerk unter Fachstellen und Fachleuten in den Bereichen der Leseförderung, der Prävention und der Bekämpfung von Illettrismus stärker geknüpft werden soll.

Die Anforderungen von Firmen an die Lese- und Schreibkompetenzen ihrer Mitarbeiter sind hoch und gehen häufig über die Lernmöglichkeiten der von Illettrismus betroffenen Personen hinaus. Daher werden die in Deutschland, Frankreich und der Schweiz gemachten Erfahrungen an der Tagung mit Interesse geprüft.

4 Kommentare

  • Die diskussion einschliesslich meines kommentars vom 10. november ist hier zu finden:

    http://www.sprache.org/bvr/
    stellungnahmen des BVR
    10. 11. 2010, Diskussion in SchweizerZeitung.ch

  • Zu „alt“ (bzw. vielmehr bewährt) und „neu“: Die Mitteilung stammt von einer Bundesbehörde und daß in der Schweiz das ß dort nicht verwendet wird, dürfte eigentlich bekannt sein. Insofern hat in der Schweiz ß oder ss nichts mit alter oder neuer Rechtschreibung zu tun. Offenbar sind Sie noch nicht solange in der Schweiz?

    Daß man ohne ß nicht sähe, ob der Artikel in bewährter oder einer der zahlreichen Deform-Rechtschreibungen geschrieben sind, ist ja völliger Unfug. Jeder Mensch, der sich auch nur ansatzweise mit der Rechtschreibung bzw. der Rechtschreibreform befaßt hat, weiß das.

    Insofern antworte ich auf diese völlig unstubstantiierte Äußerung nicht, weil ich nicht die Zeit habe, Ihnen die zahlreichen inkonsequenten Änderungen der Rechtschreibreform, zu erklären. Informieren Sie sich einfach dazu im Internet oder schlagen Sie mal eine Schweizer Zeitung in einem Archiv (vor Rechtschreibreform) und eine heutige Schweizer Zeitung auf. Dann geht Ihnen sofort ein Licht auf.

    Bitte äußern Sie sich nicht im Internet zu Sachen, von denen Sie keine Ahnung haben. Sie disqualifizieren sich ja damit selber. Daher: Erst informieren, dann schreiben 🙂

  • 16 % können nicht richtig Lesen und Schreiben – in der tat! Wenn man es richtig könnte, würde man gemäss duden schreiben: «16 % können nicht richtig lesen und schreiben.» Daran hat die rechtschreibreform nichts geändert. Und wenn man schon «alt» schreiben will («daß»), sollte man es auch durchziehen («Schluss»). Nur sähe man ohne ß gar nicht, ob der artikel alt oder neu geschrieben ist. Dass die rechtschreibreform und «denglisch» den illettrismus verstärken sollen, ist humbug.

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